vergrößernverkleinern
Borussia Dortmund holte aus den letzten acht Bundesliga-Spielen 22 Punkte © getty

Der neue Tabellenführer Borussia Dortmund feiert den Derby-Sieg wie die Meisterschaft. Schalkes Coach verspottet sein Team.

Von Tobias Wiltschek und Thorsten Mesch

München/Dortmund - Mit einigen Zweifeln waren die Dortmunder ins 139. Revier-Derby gegen Schalke gegangen (Bericht).

Die bange Frage war, welche Folgen die Champions-League-Pleite beim FC Arsenal und der schmerzhafte Ausfall von Sven Bender auf die Leistung des BVB haben würden (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

In den folgenden 90 Minuten fegte der Deutsche Meister diese Zweifel eindrucksvoll weg und feierte nach Toren von Robert Lewandowski und Felipe Santana einen klaren 2:0 (1:0)-Erfolg, der auch noch viel höher hätte ausfallen können.

Zumindest bis Sonntagabend übernehmen die Borussen nach nunmehr acht Bundesliga-Spielen ohne Niederlage die Tabellenführung.

"Der schönste Sieg"

"Das war heute der schönste Sieg gegen Schalke. Das ist einfach großartig", freute sich Jürgen Klopp bei LIGA total! über seinen ersten Heimsieg als BVB-Coach über Schalke und stimmte sogleich ein Lobgesang auf seine Mannschaft an:

"Die Jungs waren so gut und diszipliniert, die waren so frech und konsequent in all ihren Aktionen."

Sie hatten jedoch auch leichtes Spiel gegen eine Mannschaft, die im Vergleich zum 4:0-Heimsieg gegen Nürnberg vor einer Woche nicht mehr wiederzuerkennen war 487703(DIASHOW: Der 14. Spieltag)..

Stevens verspottet sein Team

Die Schalker zeigten eine dermaßen schlechte Leistung, dass sie vom eigenen Trainer mit Spott überzogen wurden.

"In der ersten Halbzeit habe ich manchmal eine Erwachsenen-Mannschaft gegen eine Schüler-Mannschaft gesehen", kommentierte Huub Stevens das ungleiche Duell höhnisch.

Von Beginn an wurde sein Team von den Dortmundern unter Druck gesetzt, die von der elektrisierenden Atmosphäre im ausverkauften Stadion offensichtlich beflügelt wurden.

"Jeder BVB-Fan hier hat auf den Sieg gegen Schalke gewartet. Für jeden Einzelnen haben wir dieses Spiel gewonnen", meinte Mario Götze.

Der Nationalspieler präsentierte sich nach seinem überstanden Pferdekuss aus dem Arsenal-Spiel wieder vollkommen fit und gewohnt stark.

"Geiler als die Meisterschaft"

Kevin Großkreutz fand den Sieg sogar "geiler als die Meisterschaft".

Zusammen mit seinen freudetrunkenen Teamkollegen kletterte er auf den Zaun vor der Südtribüne, während dort 25000 Kehlen den Evergreen "Oh wie ist das schön!" anstimmten.

"Die Kulisse war geil, das Drumherum war brutal", sagte ein überwältigter Moritz Leitner im Gespräch mit SPORT1.

Der 18-Jährige trug als Bender-Ersatz selbst dazu bei, dass sich der Meister nach dem Fast-K.o. in der Königsklasse am Mittwoch nur drei Tage später eindrucksvoll zurückmeldete.

An der Seite von Kapitän Sebastian Kehl organisierte er im defensiven Mittelfeld das Spiel des BVB und ließ die Schalker Stürmer kaum zur Entfaltung kommen.

Der Ausfall des verletzten Bender, der nach seinem doppelten Kieferbruch auf der Tribüne saß, fiel überhaupt nicht ins Gewicht.

Großes Kompliment von Klopp

Umso überschwänglicher fiel das Kompliment des Trainers aus.

"Das ist geil, wenn ich ehrlich bin: Die Jungs haben drei Tage nach einem ganz schwierigen Spiel hier so einen rausgehauen - das ist nicht selbstverständlich, das freut mich sehr für die Kerle", jubelte Klopp, dessen taktischer Schachzug voll aufgegangen war.

Im Vergleich zum Arsenal-Spiel nahm er nicht nur den notgedrungenen Wechsel im defensiven Mittelfeld vor, sondern überraschte auch mit einer neuen Formation in der Offensive.

Lewandowski glänzt als "Zehner"

Hinter Stürmer Lucas Barrios, der zu seinem Startelf-Debüt in dieser Saison kam, stellte Klopp Lewandowski auf die Zehner-Position.

"Das ist okay, aber ich denke, ich bin auf der Neun besser", sagte der Pole bei SPORT1. An seinem Tordrang änderte die Umstellung nichts. Lewandowski erzielte gegen Schalke bereits seinen neunten Saisontreffer.

Im Zuge der Klopp'schen Rotation bekam im offensiven Mittelfeld auch Lewandowskis Landsmann Jakub Blaszczykowski eine neue Bewährungschance, die "Kuba" mit großem Einsatz und viel Drang zum Tor nutzte.

Königsblaue Enttäuschung

Von Sturm und Drang konnte bei den Königsblauen dagegen keine Rede sein. Von den Stürmerstars Klaas-Jan Huntelaar und Raul war nichts zu sehen.

"Es war schwer für mich, weil wir meistens lange Pässe gespielt haben und den zweiten Ball nicht bekommen haben", sagte ein enttäuschter Huntelaar zu SPORT1.

"Darum hat Dortmund uns immer unter Druck setzen können, wir kamen nicht hinten raus."

Und Lars Unnerstall, der mit einigen Glanzparaden eine noch höhere Niederlage abwendete, musste einräumen: "Heute hatten wir einfach nicht verdient, zu gewinnen."

Eine Erkenntnis, die für Spieler und Fans der Schalker gleichermaßen bitter war.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel