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Für Thorsten Fink (l.) ist der Hamburger SV bereits die fünfte Station als Trainer © getty

Kein Sieger, aber zahlreiche Gewinner. Slomka ist stolz auf die Moral seiner 96er, Fink sieht seinen HSV im Aufschwung.

Hannover - Es gab keinen Sieger, wer derzeit der große und der kleine HSV ist wurde nicht geklärt, aber alle waren trotzdem zufrieden.

Mit dem 1:1 (0:0) im Bundesliga-Nordderby zwischen Hannover 96 und dem Hamburger SV konnte nahezu jeder Beteiligter leben (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Und da die Anhänger beider Mannschaften seit langem eine gute Fan-Freundschaft verbindet, blieben sogar die von anderen Nachbarschaftsduellen gewohnten gewalttätigen Auseinandersetzungen im und vor dem Stadion aus.

Lobgesänge in den Katakomben

Folgerichtig schallten nach dem Abpfiff laute Lobgesänge durch die Katakomben der Hannoveraner WM-Arena, die mit 49.000 Zuschauern zum fünften Mal in Folge ausverkauft war. 487703(DIASHOW: Der 14. Spieltag)

"Meine Mannschaft hat eine Ausstrahlung gezeigt, die eines HSV würdig war", formulierte HSV-Trainer Thorsten Fink fast schon pathetisch, sein Kollege Mirko Slomka stand dem kaum nach.

"Es war sicherlich nicht unser bester Tag, aber wir haben uns nie entmutigen lassen und immer dagegengehalten."

Was besonders für Jan Schlaudraff galt.

Schlaudraffs Sternstunde

Drei glasklare Torchancen hatte der Ex-Nationalspieler bereits ausgelassen, als er in der 79. Minute mit vollem Risiko einen Volleyschuss aus 20 Metern Entfernung im HSV-Tor versenkte und damit den Endstand herstellte.

"So ein Tor freut mich natürlich sehr, aber zufrieden kann ich nicht sein, da ich beim Stand von 0:0 in der ersten Halbzeit zwei große Chancen ausgelassen habe, als ich allein vor Drobny war", fand Schlaudraff bei SPORT1 kritische Worte.

Zuvor hatte der Supertechniker 1014 Minuten lang keinen Treffer mehr erzielt.

"Ich habe den Ball schon gut getroffen, aber auch die Vorlage von Sergio Pinto war perfekt", sagte der 28-Jährige und beschrieb die spektakulärste Szene eines unterhaltsamen, aber über weite Strecken auch zerfahrenen Spiels.

Slomka weiß natürlich auch, was er an seinem offensiven Mittelfeldspieler hat: "Allein diese außergewöhnliche Szene zeugt von Jans besonderer Klasse."

Fink weiter ohne Niederlage

Somit hielten gleich zwei Serien, nachdem Innenverteidiger Jeffrey Bruma die Gäste in der 64. Minute in Führung gebracht hatte.

Die Niedersachsen sind zu Hause weiterhin ungeschlagen, Fink überstand auch das sechste Pflichtspiel seiner noch jungen Amtszeit ohne Niederlage.

Folgerichtig gab sich der ehemalige Bayern-Profi optimistisch-aufgekratzt.

"Alle unsere Statistiken stimmen. Wir sind wieder in der Lage, fast jedes Team zu schlagen. Aber im Vordergrund steht das Sichern eines Mittelfeldplatzes, da wollen wir peu a peu hin. Allerdings: Mit einem Sieg wären wir schon Elfter gewesen, das hätte sich noch etwas besser gelesen", sagte Fink.

"Wir haben nichts mit dem Abstieg zu tun"

Seine positive Ausstrahlung haben mittlerweile auch Spieler und sportliche Leitung adaptiert.

"Wir waren so viel besser, mit dem Abstiegskampf haben wir definitiv nichts mehr zu tun", meinte Sportchef Frank Arnesen.

Einzig Mannschaftskapitän Heiko Westermann fand noch ein Haar in der Suppe. "Wir haben auswärts das Spiel dominiert. Da kann man mit dem 1:1 nicht zufrieden sein", sagte der Nationalspieler bei SPORT1.

Gleichzeitig fand er aber lobende Worte. "Phasenweise haben wir bärenstark gespielt. Wir werden weiter hart arbeiten, noch ein paar Punkte einfahren und dann in Ruhe Weihnachten feiern", sagte Westermann und wurde dann konkreter: "Wenn wir so weitermachen, sind wir in drei Wochen Zehnter."

Erfolgsfaktor Drobny

Symbolfigur für den sportlichen Aufschwung der Hanseaten ist dabei Jaroslav Drobny.

Zu Saisonbeginn nach mehreren Fehlgriffen in der Kritik, hielt der Tscheche nicht zum ersten Mal einen wichtigen Auswärtspunkt im wahrsten Sinne des Wortes fest und war nur gegen Schlaudraffs Traumtor machtlos.

"Er hält seit Wochen hervorragend. Auch heute hat er uns in der ersten Halbzeit vor dem Rückstand bewahrt", lobte Torschütze Bruma den Keeper bei SPORT1.

Zumal der Defensivverbund laut Bruma "immer besser zusammen findet. Das gilt für die ganze Mannschaft. Und wenn mal was durchkommt, wissen wir, dass Jaro ja auch noch da ist".

Für den Keeper gab es dann auch noch ein Extra-Streicheleinheiten vom Trainer. "Er geht mit gutem Beispiel voran und zeigt den Kollegen, wie man sich aus einem Tal herauskämpfen kann", lobte Fink.

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