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Linksverteidiger Philipp Lahm (M.) spielt seit 2001 beim FC Bayern München © imago

Bei der Pleite in Mainz wirkt der Rekordmeister völlig von der Rolle - Lahm und Co. finden deutliche Worte. Der FSV indes jubelt.

Aus Mainz berichtet Thorsten Mesch

Mainz - Als die Mainzer Spieler am Zaun mit ihren Fans den überraschenden Sieg (Bericht) feierten, waren fast alle Bayern längst in der Kabine verschwunden.

Nur Kapitän Philipp Lahm und Thomas Müller hatten es nicht ganz so eilig.

Diskutierend und gestikulierend verließen sie die Stätte der Schmach, an der die Münchner die Rückkehr an die Tabellenspitze verpasst hatten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Wir haben es den Mainzern leicht gemacht", gab Lahm anschließend zu.

"Wir haben besonders in der ersten Halbzeit Grundlegendes vermissen lassen", kritisierte Sportdirektor Christian Nerlinger, der Trainer Jupp Heynckes auf der Pressekonferenz nach dem Spiel vertrat 487703(DIASHOW: Der 14. Spieltag).

Kopfschütteln bei Heynckes

Heynckes hatte nicht die Leistung seiner Mannschaft die Sprache verschlagen, sondern ihm machte eine Bronchitis zu schaffen.

Dick eingepackt in Mütze, Winterjacke und Thermohose hatte der Coach die Partie auf der Bank verfolgt. Was er gesehen hat, dürfte nicht zur Verbesserung seiner Gesundheit beigetragen haben.

Kopfschüttelnd und sichtlich bedient quittierte der Coach die unerwartete Schlappe.

Selbstkritische Bayern

Das Grundlegende, das Nerlinger und wohl auch Heynckes vermisst hatten, waren Kampf, Leidenschaft, Laufbereitschaft und spielerische Klasse.

Bis auf die ersten Minuten war die Vorstellung der Münchner mehr als enttäuschend, was die Spieler zumindest selbstkritisch zugaben.

"Dass Mainz alles gibt und kämpft, steht außer Frage. Dass wir normalerweise die besseren Fußballer sind, steht auch außer Frage", meinte Lahm: "Aber man muss sich bewegen und aggressiv Fußball spielen und wenn man das nur teilweise tut, dann verliert man auch mal auswärts."

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Es war die zweite Auswärtspleite nach dem 1:2 in Hannover und nach dem 0:1 gegen Dortmund sogar die zweite Niederlage in Folge.

Nerlinger: "Negativer Trend"

"Wir sehen einen negativen Trend und haben von den letzten fünf Partien drei verloren", fasste Nerlinger zusammen.

"Zwei Niederlagen in Folge kann man nicht von der Hand weisen. Das ist für Bayern unüblich, aber es hat seine Gründe", meinte Toni Kroos.

Der Nationalspieler hatte dem Spiel seiner Mannschaft keine großen Impulse geben können, aber immerhin beide Tor durch Daniel van Buyten mit Freistößen vorbereitet. Den Bayern war erneut das Fehlen von Mittelfeldlenker Bastian Schweinsteiger deutlich anzumerken, Kroos konnte den Routinier nicht kompensieren.

"Es war bezeichnend, dass wir beide Tore durch Standards und einen Abwehrspieler erzielt haben", erklärte Kroos.

Muskuläre Probleme bei Robben

Arjen Robben, gegen Dortmund und Villarreal zuletzt zweimal in der Startelf, saß 90 Minuten auf der Bank.

"Wir haben überlegt, ihn einzuwechseln, er hat muskuläre Probleme angegeben und deshalb nicht gespielt", erklärte Nerlinger.

Thomas Müller fand nicht ins Spiel, Torjäger Mario Gomez war völlig abgemeldet.

Die Mainzer dominierten das Spiel und hätten, angefeuert von ihren fantastischen Fans, auch mehr als drei Tore erzielen können. Die Bayern fanden nie zu ihrem Rhythmus und leisteten sich viele Fehler.

Neuer spricht Klartext

"Wir haben uns von der Hektik anstecken lassen", sagte Torwart Manuel Neuer, "wir hätten unseren Stiefel runter spielen müssen. Wenn wir unsere spielerische Klasse nicht zeigen, gewinnen wir auch gegen Mainz nicht."

Auch Neuer war dieses Mal nicht frei von Fehlern. Beim 2:1 durch Marco Caligiuris Weitschuss machte er keine gute Figur.

"Beim zweiten Tor steht Daniel van Buyten vor mir und nimmt mir die Sicht. Dann komme ich nicht mehr richtig hin", erklärte der Nationaltorhüter.

Beim ersten Tor musste er sich von Andreas Ivanschitz ausspielen lassen, beim 3:1 durch Niko Bungerts Kopfball stimmte die Zuordnung in der Abwehr nicht - Neuer war machtlos.

Nach van Buytens zweitem Tor wurde es in der Schlussphase zwar noch einmal spannend, aber einen Punkt hätten die Münchner nicht verdient gehabt. "Es war ganz klar über 90 Minuten zu wenig", fasste Nerlinger die schwache Leistung der Rekordmeisters zusammen.

"Schlau und aufmerksam"

Die Mainzer hingegen gaben alles und bekamen den verdienten Lohn.

"Wir haben eine sehr schlaue und aufmerksame Verteidigungsleistung geboten, mannschaftlich und individuell", lobte Trainer Thomas Tuchel sein Team.

"Dass die Mannschaft nach den Gegentoren noch zwei Tore drauf gesetzt hat, ist außergewöhnlich", so Tuchel weiter: "Der Sieg ist etwas Besonderes und ein Erlebnis, das uns beflügeln wird und uns helfen wird, als Mannschaft zusammenzufinden."

Caligiuris denkwürdiger Schuss

Auch Torschütze Caligiuri freute sich über die Mainzer Darbietung: "Wir sind über uns hinausgewachsen und haben verdient gewonnen. Hut ab vor der Mannschaftsleistung."

Bei seinem Weitschuss habe er "nicht nachgedacht, sondern einfach draufgehalten. Da werde ich mich sicher in ein paar Jahren noch dran erinnern."

Die Bayern sollten den Abend hingegen am besten schnell vergessen.

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