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Jupp Heynckes (r.) ist in seiner dritten Amtszeit Bayern-Trainer © getty

Nach der vierten Saison-Niederlage ist der FC Bayern überraschend auf Platz drei abgerutscht. SPORT1 nennt Gründe für die Krise.

Von Martin Volkmar und Thorsten Mesch

München/Mainz - Jupp Heynckes konnte einem leidtun.

Hilflos musste der Coach des FC Bayern ansehen, wie sein Team beim 2:3 in Mainz (Bericht) leichtfertig erstmals seit August Platz eins abgab.

Vor einigen Wochen noch souveräner Spitzenreiter, sind die Münchner nach der zweiten Niederlage in Folge hinter Meister Dortmund und Mönchengladbach auf Platz drei abgerutscht. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wenn man die Tabellenführung hergibt, dann ist das mit Sicherheit ein Tiefpunkt", stöhnte Thomas Müller. 487703(DIASHOW: Der 14. Spieltag)

"Das fühlt sich an wie eine Katastrophe."

Bayern krank

Da passte es ins Bild, dass die vierte Saisonpleite Heynckes wegen einer Bronchitis auf die Stimme geschlagen war.

Nicht nur der Trainer, auch der Rekordmeister ist krank.

"Es ist ein negativer Trend, den wir in der Bundesliga haben. Wir haben von den letzten fünf Spielen drei verloren. Es läuft nicht mehr so, wie es laufen sollte", gab Sportdirektor Christian Nerlinger zu (FCB-Sportdirektor Christian Nerlinger im Interview).

SPORT1 nennt Gründe für Bayerns Krise.

Schweinsteiger fehlt an allen Ecken und Enden

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Seit der Nationalspieler wegen seines Schlüsselbeinbruchs ausfällt, fehlt dem FCB Struktur und Stabilität.

Kein gutes Zeugnis für die vielen anderen Topspieler im Kader, allen voran den nominellen Kapitän Philipp Lahm. Denn als Anführer ist Schweinsteiger nicht zu ersetzen.

"Er ist der Initiator unseres Spiels, aber sein Fehlen darf keine Ausrede sein", meinte Müller zwar.

Doch nach Schweinsteigers Ausscheiden gegen Neapel wurde die Partie fast noch aus der Hand gegeben, bei Aufsteiger Augsburg geriet der Favorit trotz klarer Führung ebenfalls gehörig ins Schwimmen.

[kaltura id="0_huk1os84" class="full_size" title=" So verlieren wir auch die n chsten Spiele "]

Dem folgten die beiden Niederlagen gegen Dortmund (0:1) und beim Tabellen-15. Mainz, lediglich beim 3:1 gegen Villarreal zeigte das Team einen souveränen Auftritt.

Hitzfeld will Pleite nicht an Schweinsteiger festmachen

"Man soll nicht nur ein Spiel mit dem Fehlen eines Spielers festhalten, aber Schweinsteiger ist die Schaltzentrale, das Gehirn der Bayern", analysierte es der frühere Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld bei "Sky" treffend.

"Nach seiner Verletzung beim Neapel-Spiel habe ich mir gedacht: Ich bin gespannt, wie der FC Bayern das lösen kann."

Die Antwort: Bis jetzt gar nicht. Zumal Schweinsteiger nicht nur als Leitwolf, sondern auch im defensiven Mittelfeld schmerzlich vermisst wird.

Weder Luiz Gustavo noch Anatoliy Tymoshchuk oder David Alaba können für Ordnung in der Rückwärtsbewegung sorgen, eher das Gegenteil ist der Fall.

Rotation zur Unzeit

Auch wenn es nicht zu beweisen ist, wird man den Eindruck nicht los, dass Heynckes das Erfolgssystem seiner Mannschaft ohne Not auseinandergebrochen hat.

Im Spitzenspiel gegen Dortmund lief der eben erst genesene Arjen Robben von Anfang an auf, Heynckes baute daher um und Toni Kroos wechselte auf die Sechserposition.

Müller fand sich gegen Villarreal auf der Bank wieder, stattdessen sollte Robben weiter Spielpraxis bekommen.

Dadurch schwächte Heynckes unnötig seine Elf, denn der Flügelflitzer ist noch weit von seiner Bestform entfernt.

Und Müller hat die Zwangspause offenbar ebenfalls aus dem Tritt gebracht, anders ist sein misslungener Auftritt in Mainz kaum zu erklären.

Unsichere Abwehr

Nach dem grandiosen Saisonstart mit über 1000 Minuten ohne Gegentreffer wurde die Defensive um Nationalkeeper Manuel Neuer bereits in den höchsten Tönen gelobt.

Doch in den letzten Wochen häufen sich die Aussetzer, bei den jüngsten Pleiten machte vor allem Jerome Boateng einen ganz schwachen Eindruck.

"Ich glaube, das war bisher mein schlechtestes Spiel für Bayern", gab der Verteidiger selbstkritisch zu. "Wir haben uns zu einfach abkochen lassen."

Da passte es ins Bild, dass auch noch der vor der Partie von Uli Hoeneß erneut als "weltbester Torwart" geadelte Neuer beim 1:2 patzte.

Fehlende Torgefahr

Nach wie vor haben die Münchner die meisten Treffer in der Liga erzielt (34) und stellen in Mario Gomez den besten Torschützen (13).

Doch die letzten beiden Niederlagen haben gezeigt: Wenn Gomez in der Luft hängt oder nicht in Topform ist, kommt dahinter zu wenig nach.

Nils Petersen ist kein gleichwertiger Ersatz, Ivica Olic sieht Heynckes aufgrund der einjährigen Verletzungspause des Kroaten noch als Ergänzungsspieler.

Da wundern die angeblichen Kontakte zu Freiburgs Torjäger Demba Papiss Cisse nicht.

Zumal im Mittelfeld trotz aller spielerischen Brillanz bei Franck und Toni Kroos die Torgefahr fehlt.

Es sei "bezeichnend" gewesen, gestand Kroos, dass beide Treffer gegen Mainz nach Standardsituationen und zudem in Daniel van Buyten durch einen Abwehrspieler erzielt wurden.

"Die Bayern sind es nicht mehr gewohnt, einem Rückstand hinterherzulaufen", monierte Hitzfeld. "Am Ende hat man die Brechstange herausgeholt und man hat die spielerischen Mittel zu wenig genutzt."

Fazit:

Bayern bleibt trotz der momentanen Schwächephase Meisterfavorit Nummer eins, weil sie die mit Abstand beste Mannschaft mit den besten Einzelspielern haben.

Allerdings ist der Titel kein Selbstläufer, wenn wie zuletzt Aggressivität, Konzentration und die Tagesform fehlen.

Heynckes muss nun erstmals nicht nur moderieren, sondern seine Elf wieder in der Defensive stabilisieren und die Durchschlagskraft vor dem gegnerischen Tor verbessern.

Sorgen sollten ihm und der Vereinsführung allerdings der offenbar historische Hang der FCB-Teams machen, sich auf einen starken Mann zu fixieren.

Bekanntlich verpassten die Münchner jeweils die Meisterschaft, als Michael Ballack (2006/2007) und Oliver Kahn (2008/2009) den Klub verlassen hatten sowie im Vorjahr, als der in der Premieren-Saison so überragende Robben die komplette Hinrunde ausfiel.

Entsprechend groß ist die Erleichterung, dass Schweinsteiger schon wieder ins Training eingestiegen ist.

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