vergrößernverkleinern
Kopf-an-Kopf geht es zwischen David Alaba (l.) und Kevin Großkreutz (M.) zu © getty

Das Münchner Solo ist zum Dreikampf geworden. SPORT1 hat die Top Teams der Bundesliga beobachtet, analysiert und ein Fazit gezogen.

Von Thorsten Mesch

München - Köln, Dortmund, Mainz: Drei Stadien, drei Spiele, drei Tabellenführer.

So ungefähr hatte die Rechnung vor dem 14. Spieltag ausgesehen. Sie ging aber nicht ganz auf.

Zunächst lief noch alles nach Plan: Mönchengladbach gewann - wie fast immer - in Köln und war Tabellenführer (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Dortmund dominierte Schalke wie schon lange nicht mehr und eroberte am Samstag die Spitze (Bericht). Die Rückkehr dorthin verpasste jedoch am Sonntag der FC Bayern durch ein 2:3 in Mainz (Bericht).

Ist die Schwäche des Rekordmeisters nur eine Ergebniskrise, nur eine Phase?

Ist Gladbach schon eine Spitzenmannschaft oder ist der Erfolg des VfL nur ein kurzer Höhenflug?

Ist Dortmund schon wieder so stark wie in der vergangenen Meisterschafts-Saison?

SPORT1 hat sich bei allen drei Spielen vor Ort einen Eindruck gemacht, die Stimmung in den Stadien aufgesaugt, mit Spielern gesprochen und eine Analyse der Top-3-Teams zusammengestellt.

BORUSSIA DORTMUND:

Nach dem hart erkämpften Sieg in München war das Derby eine klare Sache für die Borussia.

Dortmund war in allen Belangen überlegen. Von Marcel Schmelzer bis zu Robert Lewandowski war es eine geschlossen starke Leistung, lediglich Lucas Barrios war die fehlende Spielpraxis noch anzumerken.

Die große Stärke des BVB ist eindeutig die Leistungsdichte im Mittelfeld. Klopp konnte es sich sogar leisten, in Shinji Kagawa und Kevin Großkreutz zwei Leistungsträger der Meistersaison auf die Bank zu setzen.

Das Fehlen des verletzten Sven Bender fiel gar nicht ins Gewicht, der 18-jährige Moritz Leitner absolvierte sein erstes Derby ohne erkennbare Nervosität. Ilkay Gündogan, immerhin im erweiterten Kader der Nationalmannschaft, hat keine Chance ins Team zu kommen.

Auch wenn Trainer Jürgen Klopp die Bayern weiter als "haushohen Favoriten" sieht: der Glaube an die Titelverteidigung wächst zunehmend. "Das ist doch gut. Die Bayern müssen, wir können", sagte Lewandowski.

487703(DIASHOW: Der 14. Spieltag)

BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH:

Noch deutlicher als die Überlegenheit der Dortmunder gegen Schalke war Gladbachs Dominanz in Köln.

Spielerische Leichtigkeit, gepaart mit großer Laufbereitschaft und Disziplin zeichnete das Spiel des VfL aus. Köln war zwar zu schwach, um als Maßstab gelten zu können, doch Gladbach hat auch schon andere Gegner chancenlos zurückgelassen.

Lucien Favre, der die "Fohlen" in der vergangenen Saison vor dem Abstieg gerettet hat, hat seine Arbeit fast schon bis zur Perfektion fortgesetzt.

Wenn sein Team den Gegner unter Druck setzt um den Ball zu erobern und sich dabei in Formation verschiebt, drängt sich der Vergleich mit einem Ballett auf.

Und: Gladbach hat viel mehr zu bieten als Marco Reus. Patrick Herrmann wirbelt ähnlich frech durch die gegnerischen Reihen, Mike Hanke überzeugt als Spielmacher und nach langer Zeit auch wieder als Vollstrecker.

Die Defensive steht stabil, im Tor ist Marc-Andre ter Stegen eine Bank. Dennoch fängt niemand an zu träumen.

"Ich denke, es fehlt uns noch eine ganze Menge bis zur Spitzenmannschaft", sagte Herrmann zu SPORT1.

Die Gladbacher bleiben am Boden, doch sie werden als Konkurrent ernstgenommen.

"Ich habe das Gefühl, dass sich Borussia Mönchengladbach sehr stark stabilisiert hat und dass es eine Überraschungsmannschaft sein könnte, wie das schon öfters passiert ist", meinte Bayern-Präsident Uli Hoeneß und nannte die überraschenden Titelgewinne des VfL Wolfsburg vor zwei Jahren und des 1. FC Kaiserslautern im Jahr 1998 als Beispiele.

BAYERN MÜNCHEN:

Das 2:3 in Mainz hat viele Schwächen der Münchner aufgedeckt.

Nach gutem Beginn ließen sich die Bayern schnell den Schneid abkaufen und hatten auf das kampfbetonte Konterspiel keine Antwort.

"Fest steht, dass wir nicht in die Zweikämpfe gekommen sind und bezeichnend ist, dass wir beide Tore durch Freistöße gemacht haben", meinte Toni Kroos. "Die anderen Chancen hatten wir nach langen Bällen. Das kann nicht unser Fußball sein."

Auffällig waren die Harmlosigkeit im Angriff, die Hilflosigkeit im Mittelfeld, in dem Schweinsteigers Fehlen offensichtlich nicht kompensierbar ist, und die Sorglosigkeit in der Abwehr.

[kaltura id="0_6iwtgkom" class="full_size" title="Bayern im Stimmungstief"]

"Wir haben gelernt, dass wir einiges verbessern müssen, um wieder in die Spur zu kommen", gab Kroos zu.

Gegen Bremen müssen die Münchner am Samstag beweisen, dass sie lernfähig sind. "Sicherlich kann man die Bayern auch manchmal schlagen, aber dennoch sie sind haushoher Favorit", hatte Klopp nach dem Sieg gegen Schalke erklärt.

Da hatten die Bayern zwar noch nicht in Mainz gespielt, aber dennoch wird Dortmunds Trainer wohl bei seiner Meinung bleiben, denn so nimmt er den Druck von seiner Mannschaft.

FAZIT:

Favorit mögen die Bayern weiterhin sein, Spitzenreiter sind sie zumindest nicht mehr. Die Verhältnisse haben sich verschoben.

Der Trend spricht für die beiden Borussias (Einwurf). Einen Durchmarsch wird es nicht geben.

Die Bayern habe eine große Qualität im Kader, die Dortmunder stehen ihnen aber kaum nach und gleichen kleine Defizite durch Einsatz und mannschaftliche Geschlossenheit aus.

Der Rekordmeister wird sich mit dem amtierenden Champion ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern.

Gladbach bleibt als "Dark Horse" die Rolle des starken Außenseiters. Die Fohlen haben zumindest die Qualität, ein kräftiges Wort im Kampf um einen Platz in der Champions League mitzureden.

Vielleicht auch um mehr. Am Samstag empfängt Favres Team die die Klopp-Truppe zum Spitzenspiel.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel