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Uli Hoeneß ist seit November 2009 Präsident des FC Bayern © imago

Der Bayern-Präsident lässt seiner Wut bei der Pleite in Mainz freien Lauf. Franz Beckenbauer vermisst einen Zauberer.

Von Andreas Kloo

München - Die sportliche Lage bei den Bayern ist immer am Stimmungsbarometer Uli Hoeneß auszumachen.

Eigentlich hatte er sich nach seinem Wechsel vom Managerposten auf den Präsidentenstuhl vorgenommen, sich aus dem Tagesgeschäft herauszuhalten.

Doch wenn die Situation brenzlig ist, kann der impulsive Hoeneß nicht anders und greift doch ein.

So geschehen in der Champions-League-Quali gegen den FC Zürich, als sich der 59-Jährige in der Halbzeit des Rückspiels in Richtung Kabine aufmachte, auch wenn er - wie sich herausstellte - nur bis zu einem Kabinen-Vorraum kam.

Zornausbruch vor der Kabine

In Mainz platzte Hoeneß nun erneut der Kragen. Nach der dürftigen Vorstellung der Münchner in der ersten Hälfte marschierte er wieder in die Katakomben.

In die Kabine ging er zwar nicht, wie zunächst gemutmaßt worden war. Denn die Mannschaftsumkleide gilt als alleiniger Herrschaftsbereich des Trainers. (Analyse: Woran der FC Bayern krankt)

Aber seinen Zorn wurde er dennoch los. Co-Trainer Peter Herrmann bekam ihn zu spüren. "Das ist Altherrenfußball! So kann es nicht weitergehen. Hoffentlich gibt es da Feuer", soll Hoeneß laut "Bild" in Richtung des Assistenten von Coach Jupp Heynckes geflucht haben.

Auch Beckenbauer übt Kritik

Ob Herrmann das präsidiale Donnerwetter an die Mannschaft weitergab, ist nicht überliefert. Nach der Pause legten die Bayern aber tatsächlich etwas zu und kamen durch van Buyten zum Ausgleich, verfielen dann aber wieder in die von Hoeneß beklagte Trägheit.

Mit Ehrenpräsident Franz Beckenbauer kritisierte eine weitere Bayern-Legende die lasche Einstellung des Teams: "Sie müssen dagegenhalten!" legte der "Kaiser" bei der Verleihung der Bayerischen Staatsmedaille den Finger in die Wunde. 488676(DIASHOW: Die Tops und Flops des 14. Spieltags)

[kaltura id="0_6iwtgkom" class="full_size" title="Bayern im Stimmungstief"]

Der hohen Mainzer Kampf- und Laufbereitschaft wollten die Münchner spielerisch begegnen - laut Beckenbauer das falsche Mittel.

Alaba überfordert

Zumal mit Bastian Schweinsteiger der Denker und Lenker des Bayern-Spiels derzeit fehlt. David Alaba konnte den am Schlüsselbein verletzten "Schweini" nicht ersetzen.

"Aber da in dieses Wirrwarr eine spielerische Linie reinzubringen, das schafft kein Spieler", nahm Beckenbauer den jungen Österreicher in Schutz.

"Da hättest du wahrscheinlich einen Zauberer gebraucht vom Zirkus Krone", fügte er in seiner gewohnt lockeren Art hinzu.

Van Buyten ahnt Böses

Auch Doppeltorschütze Daniel van Buyten nannte den fehlenden Kampfgeist am Montag als entscheidenden Grund: "Wir waren in den letzten Spielen viel zu brav", zeigte er sich einsichtig und zeichnete sogar ein Horro-Szenario auf:

"Wenn wir weiter so spielen, verlieren wir alle vier Partien bis zur Winterpause."

Zumindest im nächsten Spiel gegen den Tabellenvierten aus Bremen wird es alles andere als einfach für die Bayern.

Droht der FCB weiter hinter den Titelverteidiger aus Dortmund zurückzufallen? Der Trend spricht nach dem 1:0-Sieg beim Kracher in München und der souveränen Vorstellung im Revierderby (2:0) eindeutig für den BVB. (DATENCENTER: Bundesliga)

Kohler sieht BVB vorn

Das sieht auch der frühere Münchner und Dortmunder Jürgen Kohler so: "Mit dem Eindruck dieser Spiele bin ich sicher, dass der BVB auch am Ende dieser Saison wieder vor den Bayern landet", prognostiziert der Weltmeister von 1990 in der "Bild".

Der frühere Weltklasse-Verteidiger sieht Dortmunds entscheidenden Vorteil in der Innenverteidigung. Dort sei der Meister mit Mats Hummels, Neven Subotic und Felipe Santana besser besetzt..

"Was van Buyten und Badstuber in der Defensive abgeliefert haben, war nicht nur in Mainz alles andere als souverän", kritisiert Kohler dagegen das Bayern-Abwehrzentrum.

Hoffnung auf Besserung gibt es beim FCB also derzeit nur wenig. Schweinsteiger absolviert zwar schon wieder ein Einzeltraining, aber Gerüchte um ein Comeback schon vor der Winterpause dementierten die Bayern.

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