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Torjäger Lukas Podolski liebäugelt mit einem Abschied aus Köln © getty

Der FC kommt nicht zur Ruhe: Auf das Overath-Chaos folgten bittere Pleiten und Podolskis Autounfall. Eines gerät in Vergessenheit.

Köln - Am Ende gab es für Lukas Podolski auch noch Hohn und Spott.

"Drei Punkte für Poldi - aber in Flensburg?", frotzelte ein norddeutscher Hörfunkmoderator, nachdem der Star des 1. FC Köln am Montagvormittag einen Auffahrunfall verschuldet und sein schwarzes Nobelgefährt schwer beschädigt hatte (Bericht).

Zum Glück blieb der 95-malige Nationalspieler laut eigenen Angaben unverletzt.

Aber das "Crash-Kid Podolski" passt ins Bild des rheinischen Renommierklubs, der 1964 als erster Bundesliga-Champion noch das nationale Aushängeschild gewesen war.

FC, die launische Diva

Viel hat der Geißbockklub, der unter dem visionären "Boss" Franz Kremer noch Vorbild für den Rest der Bundesliga war, an Strahlkraft eingebüßt.

Vier Abstiege haben dem FC auch wirtschaftlich schwer zugesetzt, der als Pendler zwischen den Ligen eins und zwei sogar zwischenzeitlich zur Fahrstuhlmannschaft mutierte (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Seit 2008 ist der Verein wieder erstklassig, präsentiert sich aber auch in dieser Saison wieder als launische Diva und lässt wie so oft kein Fettnäpfchen aus.

Overaths überraschender Rücktritt

Alle Vorurteile, der FC sei ja nur ein Karnevalsverein, werden in den letzten Wochen wieder bedient.

Der 1. FC Köln gleicht einem Tollhaus.

So trat Präsident Wolfgang Overath (68) zwei Tage nach dem 11.11.11 überraschend und spektakulär auf der Jahreshauptversammlung nach sieben Jahren im Amt mit seinen Vorstandskollegen Friedrich Neukirch und Jürgen Glowacz zurück.

Solbakken hat es schwer

Kein einziges Vereinsgremium war über den Schritt des selbstherrlichen Weltmeisters von 1974 eingeweiht, Overath ließ den Klub mit seiner ad-hoc-Entscheidung im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen.

Die Suche nach einem Nachfolger läuft seitdem auf Hochtouren.

[kaltura id="0_ylhdt5ua" class="full_size" title="Podolski droht Pause"]

Trainer Stale Solbakken versucht derweil, endlich Konstanz in seine Mannschaft zu bringen.

Das jüngste 0:3 im Rhein-Derby gegen Borussia Mönchengladbach (Bericht) war bereits die fünfte heftige Klatsche nach den Pleiten gegen Wolfsburg (0:3), in Schalke (1:5), in Berlin (0:3) und in Dortmund (0:5).

Streitereien in der Öffentlichkeit

Fast noch mehr als über die desolate Vorstellung gegen Gladbach ärgerte sich Solbakken aber darüber, dass wieder einmal Interna aus der Kabine an die Medien getragen wurden.

So hatte es einen Disput des norwegischen Coaches mit Sascha Riether gegeben.

Außerdem wetterte der verletzte Torjäger Milivoje Novakovic via "Sky" über Torwart Michael Rensing.

"Nova hat sich bei Michael vor versammelter Mannschaft bei Rensing entschuldigt", berichtete Stolbakken.

Wie entscheidet sich Podolski?

Sportdirektor Volker Finke, der mittlerweile in die FC-Geschäftsführung befördert wurde, hat derweil ebenso viele Baustellen.

Die vielleicht wichtigste ist die Verlängerung des Vertrages mit Podolski (26). Mit dem FC Arsenal soll es einen Interessenten geben, der 23 Millionen Euro für "Poldi" hinblättern will. (481831DIASHOW: Bundesliga-Wechselbörse).

Dessen Kontrakt läuft noch bis 30. Juni 2013 und der FC-Star ziert sich, will zu Recht die weitere sportliche Entwicklung abwarten.

Im Schatten von Erzrivale Gladbach

Denn zurückgeholt wurde "Prinz Poldi" 2009 wohl auch unter der Voraussetzung, dass der Klub die Rahmenbedingungen durch weitere Transfers schaffen wollte, um in der Bundesliga nicht nur gegen den Abstieg zu spielen.

Fast neidisch blickt Podolski zum Erzrivalen Gladbach, der als Fast-Absteiger in der vergangenen Saison nun sogar vor Rekordmeister Bayern München in der Tabelle rangiert.

Dem FC bleibt dagegen im Augenblick wieder mal nur die Rolle des Karnevalsvereins, der Anfang der 90er Jahre zu einer DFB-Sportgerichtsverhandlung in Frankfurt/Main statt eines Videos mit Spielszenen einen Filmbeitrag mit dem Auftritt der Kölner Kultband Bläck Fööss mitbrachte.

Daums Pressekonferenz im Krankenhaus

Der Lächerlichkeit preis gab sich der FC auch Mitte 2005, als der Klub vor dem Abschluss eines lukrativen Trikotwerbevertrages als Tourismus-Werbeträger für das Mittelmeer-Eiland Zypern stand.

Leider waren Overath und Co. einem Hochstapler aufgesessen.

Und auch die legendäre Pressekonferenz von Trainer Christoph Daum, kurz vor seiner Rückkehr zu seinem Leib- und Magenklub 2006, in einem Kölner Krankenhaus ist vielen noch im Gedächtnis, als andere Patienten mit Infusionsständern im Foyer den Worten von "Messias Daum" lauschten.

Am Tropf befindet sich zurzeit aber nur einer: der 1. FC Köln.

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