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Nationalspieler Philipp Lahm ist seit Januar 2011 Kapitän des FC Bayern © getty

Bayerns Kapitän steht nach dem Ausfall von Spielmacher Schweinsteiger in der Verantwortung, kann die Rolle aber nicht übernehmen.

Von Andreas Kloo

München - Die Laune war gut bei Philipp Lahms nachgeholter Buchvorstellung am Dienstag in München.

Eine kurze Ablenkung, denn eigentlich besteht kein Anlass zur Freude.

Nach drei Niederlagen in den letzten fünf Bundesliga-Spielen und dem Abrutschen auf Platz drei steckt der lange Zeit souveräne Rekordmeister im Tief. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Schweinsteiger fehlt

Und Bastian Schweinsteigers Fehlen wird als einer der Hauptgründe genannt.

"Er ist das Gehirn der Mannschaft, das ist das Gleiche, wie wenn Xavi bei Barcelona ausfallen würde", sagte Ex-Meistercoach Ottmar Hitzfeld im Audi Star Talk (Video) auf SPORT1 zur Bedeutung des Mittelfeldspielers.

Doch in der Diskussion um Schweinsteiger wird derzeit vergessen, dass der Rekordmeister einen Spieler vom gleichen Kaliber in seinen Reihen hat: Kapitän Lahm.

Zwei Führungsspieler

Schweinsteiger hat 90 Länderspiele auf dem Buckel. Lahm 84.

"Schweini" spielt seit 13 Jahren bei den Bayern, Lahm sogar seit 16 - unterbrochen durch zwei Jahre beim VfB Stuttgart.

Die Münchner hätten also noch einen weiteren erfahrenen Führungsspieler.

Dennoch kann Lahm Schweinsteiger derzeit offensichtlich nicht ersetzen.

Doch warum kommt Lahm nicht an Schweinsteigers Führungsqualitäten heran? SPORT1 nennt Gründe:

Aktuelle Formkrise

Von den Fähigkeiten her gilt der 28-Jährige als einer der weltbesten Außenverteidiger. Bei den letzten drei Großereignissen (WM 2006, EM 2008, WM 2010) wurde er ins All-Star-Team gewählt.

Doch in der Bundesliga ist von seiner Klasse derzeit nur wenig zu sehen. Er spielt bestenfalls nur Durchschnitt.

Bei der 1:2-Pleite in Hannover verschuldete er einen Foulelfmeter. Und beim 2:3 in Mainz gab auch der DFB-Kapitän der unsicheren Abwehr keine Stabilität. 487703(DIASHOW: Der 14. Spieltag)

Und auf seine gefürchteten Flankenläufe wartet man momentan ebenfalls vergeblich.

[kaltura id="0_huk1os84" class="full_size" title=""So verlieren wir auch die nächsten Spiele""]

Falsche Position

Als Linksverteidiger steht Lahm nicht im Zentrum des Spiels. So fällt es ihm schwer eine sichtbare Führungsrolle während der 90 Minuten zu übernehmen.

Das ist es wohl, was Hitzfeld meint, wenn er sagt: "Es geht um die Präsenz auf dem Platz. Ein Philipp Lahm kann nicht den Schweinsteiger auf dem Platz spielen."

Dabei wäre eine Verschiebung von Lahm ins defensive Mittelfeld durchaus eine denkbare Variante.

Dass er auch dort glänzen kann, zeigte der gebürtige Münchner beim prestigeträchtigen 2:1-Sieg der deutschen Nationalmannschaft im August 2007 in England.

Allerdings wäre dann die Position des Linskverteidigers vakant. Dafür kämen dann nur Diego Contento oder Luiz Gustavo in Frage.

Diskrepanz zwischen öffentlichem Auftreten und Leistung

Mit der Veröffentlichung seines Buches ("Der feine Unterschied") schwang sich Lahm zum Wortführer der heutigen Profi-Generation auf.

Damit setzte der früher eher bescheiden auftretende Lahm hohe Maßstäbe, an denen er sich nun messen lassen muss. Und sich damit auch selbst unter Druck.

Auch zuletzt gab sich Lahm in Interviews alles andere als zurückhaltend.

Im Gespräch mit der "Bild am Sonntag" vor dem Mainz-Spiel sah er den FC Bayern "nah dran am Barcelona".

Doch auf dem Platz war dann herzlich wenig davon zu sehen - weder beim FCB noch bei Lahm.

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