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Steht in Dortmund bis 2014 unter Vertrag - und hat Spaß dabei: Trainer Jürgen Klopp (l.). © dpa

Lockere Sprüche, hart in der Sache: Warum der Dortmunds Trainer nicht an einen Abschied denkt und wovor Kahn die Münchner warnt.

Von Maik Rosner

München - Für lockere Sprüche ist Jürgen Klopp bekannt. Doch das sollte nicht täuschen.

In der Sache gibt sich der Dortmunder Meistertrainer äußerst hart. Diese Mischung macht den Fußballlehrer in der Branche attraktiv - auch für den FC Bayern.

Klopp fühlt sich zwar geehrt. An einen Abschied von der Borussia denkt er deshalb jedoch angeblich nicht.

"Ich habe einen Vertrag bis 2014 beim BVB. Das Ding steht für mich in Stein gemeißelt", sagte er der "Sport Bild".

Im Gegenteil: Es reizt ihn, den BVB auf Dauer als Hauptkonkurrenten der Münchner zu etablieren.

Und Oliver Kahn warnt die Bayern bereits vor dem wachsenden Rivalen aus Westfalen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Rummenigge: "Fulminantes Comeback"

"Der BVB macht sich auf den Weg, für Bayern zum ernsthaften Konkurrenten zu werden. Und zwar auf Dauer", sagte der ehemalige Nationaltowart der Münchner der "Bild"-Zeitung.

Bayerns Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge nötigt die Entwicklung des BVB vom beinahe insolventen Verein zum stabilen Wachstumsunternehmen bereits großen Respekt ab.

"Der BVB war 2005 eigentlich pleite, jetzt ist dieser Klub auf einem sehr guten Weg. Das ist ein fulminantes Comeback, sportlich wie wirtschaftlich", sagte Rummenigge dem "Münchner Merkur":

"Im ganzen Klub wird sehr gut gearbeitet. Die werden sich in der Ligaspitze etablieren."

"War ein rohes Stück Fleisch"

Das liegt an der seriös eingeschätzten und fachlich anerkannten Arbeit des Führungstrios, an Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, Sportdirektor Michael Zorc - und eben an Klopp.

Mit seinen lockeren Sprüchen sorgt er zudem für den nötigen Charme.

Beispiele? "Zu Beginn als Trainer war ich ein rohes Stück Fleisch, das Spiel war das Salz darauf", sagte Klopp jetzt.

[kaltura id="0_6iwtgkom" class="full_size" title="Bayern im Stimmungstief"]

Und über Franz Beckenbauer, der Klopp zuletzt als möglichen Bayern-Trainer lobhudelte, spricht der BVB-Coach beinahe bewundernd.

Klopp lobt Beckenbauer und sagt trotzdem ab

"Ich mag ihn total", sagt er, vor allem wegen dessen Nonchalance, mit der er sich in der Branche seit Jahrzehnten behauptet.

Deshalb habe er auch keine Probleme mit Beckenbauers Lockruf nach München - auch wenn er sich derzeit eher vorstellen kann, sein Engagement in Dortmund zu verlängern.

"Es ist besser, als wenn er sagen würde: 'Der Letzte, den ich mir vorstellen könnte, ist der Klopp'", flachst der BVB-Coach und sagt doch kühl nein, danke: "Aber es löst in mir nichts aus."

Unmissverständlich äußert sich der Trainer des Tabellenführers auch zum Gezerre um seinen Jungstar Mario Götze:

"Niemand kauft von Borussia Dortmund mal einfach so einen Spieler. Auch wenn Arsenal das vielleicht gerne so hätte."

Kahn: Pleite gegen BVB hat Spuren hinterlassen

Für Kahn wachsen die Dortmunder auch deshalb rasch zum größten Konkurrenten der Bayern heran, weil sie bereits durch den jüngsten 1:0-Auswärtssieg die Selbstgewissheit des deutschen Branchenführers angekratzt haben.

"Die Niederlage hat Spuren hinterlassen", weiß Kahn. "Es gehört nicht zum Selbstverständnis der Bayern, drei Mal in Folge gegen Dortmund zu verlieren."

Dass der BVB international noch nicht mit Bayern mithalten kann, ist laut Kahn sogar ein Vorteil auf dem nationalen Weg nach oben.

"Wenn sich Dortmund aus den internationalen Wettbewerben verabschiedet und sich total auf die Liga konzentrieren kann, wäre das ein großer Vorteil. Das kann dazu führen, dass Bayern doch nicht so klar Meister wird", meint Kahn.

Dortmund sei eindeutig der größte Konkurrent, "die können in dieser Saison wieder richtig gefährlich werden". Und auch auf Dauer.

Führungskräfte gefordert

Noch allerdings ist es nicht so weit. Bayern, so Kahns These, werde sich nach den beiden jüngsten Niederlagen in der Bundesliga wieder berappeln (Bericht: Bayerns 2:3-Niederlage in Mainz).

Gefordert seien wegen Bastian Schweinsteigers Ausfall bis zur Winterpause nun andere erfahrene Profis: "Wenn der Steuermann fehlt, müssen andere in die Bresche springen."

Auch Dortmund hat mit Ausfällen wichtiger Stützen zu kämpfen. Doch Klopp sieht jedoch noch keinen Grund für Wintertransfers.

Dortmund: Keine Verstärkungen im Winter

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir noch einen dazuholen. Das Einzige, was uns dazu zwingen könnte, sind Verletzungen", sagt Klopp, und auch dabei geht ihm ein lockerer Spruch über die Lippen:

"Vor drei Wochen haben wir ja auch nicht damit gerechnet, dass plötzlich mit Sven Bender und Neven Subotic zwei unserer Jungs nur noch Flüssignahrung zu sich nehmen können."

Lattek findet Klopp sensationell

Udo Lattek, mit Bayern und Mönchengladbach acht Mal Deutscher Meister und damit erfolgreichster Bundesligatrainer der Geschichte, ist beeindruckt von Klopps Mischung aus Ehrgeiz und Entspanntheit.

"Großartig", findet Lattek Klopps Art, "wie er sich verkauft, ist sensationell".

Auch der SPORT1-Experte glaubt an Dortmunds anhaltenden Aufschwung.

Die Bayern sind gewarnt, und stellen sich auf dauerhafte Konkurrenz ein.

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