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Toni Kroos wurde mit dem DFB-Team bei WM 2010 Dritter © imago

Toni Kroos spricht im SPORT1-Interview über die Probleme beim FC Bayern und wie die Münchner in die Erfolgsspur zurückkommen wollen.

Von Christian Ortlepp

München - Nach zuletzt zwei Niederlagen und der verlorenen Tabellenführung macht sich beim FC Bayern München Unzufriedenheit breit.

"Jeder einen Schritt weniger, jeder ein bisschen langsamer, jeder einen Querpass mehr, anstatt in die Tiefe zu spielen, wo es weh tut", ärgerte sich Präsident Uli Hoeneß bei "Sky" und wollte einen "kleinen Trend" ausgemacht haben.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Am Samstag empfängt die Mannschaft Werder Bremen, ein Sieg ist Pflicht für die Münchner.

Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge nennt nach wie vor die Herbstmeisterschaft als Ziel: "Ich hoffe, dass die Mannschaft eine Reaktion zeigt."

Natürlich wiege der Ausfall von Bastian Schweinsteiger schwer, räumte Rummenigge ein, während Hoeneß allerdings Neuzugänge in der Winterpause ausschloss. (Lahm: Außenseiter statt Stabilisator)

"Diese Lösung, Spieler zu holen, um das Problem zu lösen, gibt es nicht", sagte Hoeneß.

"Die, die wir haben müssen so spielen, wie sie können", nahm der Präsident die Spieler in die Pflicht.

Kroos mit zwei Vorlagen

Angesprochen fühlen dürfte sich auch Toni Kroos, der bisher bei den Bayern in dieser Saison eine ganz wichtige Rolle spielt.

Zwar bereitete der Nationalspieler bei der 2:3-Niederlage in Mainz beide Treffer der Münchner vor, die Niederlage konnte er aber nicht verhindern.

Im SPORT1-Interview spricht der 21 Jahre alte Mittelfeldspieler über die aktuellen Probleme beim FC Bayern, die Ziele in dieser Saison und seine persönliche Entwicklung.

[kaltura id="0_6iwtgkom" class="full_size" title="Bayern im Stimmungstief"]

SPORT1: War die Niederlage in Mainz peinlich?

Toni Kroos: Die Niederlage war auf jeden Fall unnötig und unerwartet. Wir haben ein schlechtes Spiel abgeliefert. Peinlich kann man nicht sagen, wenn man gegen einen Bundesligisten verliert. Mainz kann ja auch Fußball spielen. Aber unser Anspruch ist natürlich, dort zu gewinnen.

SPORT1: Warum steckt Bayern in einer Krise?

Kroos: Ich weiß nicht, ob es eine Krise ist. Natürlich ist es ungewohnt für Bayern, dass wir zwei Spiele in Folge in der Liga verlieren. Das ist bei uns nicht üblich und darf es auch nicht sein. Wir müssen zwei, drei Dinge ändern, aber von einer Krise zu reden, wäre zu hoch gegriffen.

SPORT1: Van Buyten fordert: Schluss mit Zauberfußball. "Arbeitet" Bayern ab jetzt wieder Fußball?

Kroos: Wir müssen auf jeden Fall wieder dahin kommen, wo wir in der Liga zum Großteil und auch in der Champions League standen. Wir müssen zuallererst gut stehen und dann gut gegen den Ball arbeiten und attackieren. Dann wollen wir natürlich versuchen, unseren Fußball zu spielen, den wir die ganze Saison gespielt haben, nämlich nach vorne. Wenn dann Zauberfußball dabei ist, oder hohe Siege, dann ist das auch schön. Zuerst müssen wir aber schauen, dass wir gut stehen.

SPORT1: Ist Bayern nach den Heimniederlagen gegen Gladbach und Dortmund nicht reif für den Titel?

Kroos: Nein das glaube ich nicht. Wir haben in der Liga oft genug bewiesen, dass wir guten Fußball spielen können. Auch in der Champions League sind wir glaube ich mit Abstand die souveränste deutsche Mannschaft gewesen. Ich denke, dass wir reif für den Titel sind.

SPORT1: Kann Bayern nur noch gegen Europa-League-Konkurrenten gewinnen?

Kroos: Nein sicher nicht. Ich weiß nach wie vor nicht, ob beispielsweise Gladbach ein Champions-League-Kandidat ist. Das muss man über einen längeren Zeitraum beweisen. Ich glaube, dass Bremen eine schwere Aufgabe wird. Sie stehen nicht umsonst auf Platz vier. Wir müssen uns auf den jeweiligen Gegner konzentrieren. Wenn wir gegen einen Europa-League-Kandidaten gewinnen und am Ende Erster sind, dann ist das auch wurscht.

SPORT1: Ist Bastian Schweinsteiger unersetzlich?

Kroos: Eins-zu-Eins ist er nicht zu ersetzen, sonst wäre er über Jahre nicht Leistungsträger und Stammspieler gewesen. Sonst hätte man ihn ja ohne Probleme rausnehmen können, wenn er ersetzlich wäre. Ist er aber nicht. Das heißt allerdings nicht, dass sein Ausfall als Ausrede gilt, dass wir Spiele wie das in Mainz verlieren.

SPORT1: Meine Lieblingsposition im Mittelfeld ist?

Kroos: Im Allgemeinen im zentralen Mittelfeld. Auf der 10er Position läuft es im Moment sehr gut, aber ich spiele auch die Position eins dahinter gerne und glaube, dass ich das bei Bayern und in der Nationalelf bewiesen habe, dass das gut funktioniert.

SPORT1: Was ist ein typischer Löw'scher Zwischenspieler?

Kroos: Darüber wurde schon sehr viel gesprochen. Ich versuche mir dabei im Mittelfeld meine Räume zu suchen, wo ich anspielbar bin und etwas kreieren kann. Damit ist es schon größtenteils erklärt.

SPORT1: Warum sind Sie der große Gewinner in dieser Saison?

Kroos: Ob das wirklich so ist, das müssen andere beurteilen. Wenn es so sein sollte, ist ein Grund dafür, dass ich immer spiele und konstant auf hohem Niveau spiele. Im Vergleich zur letzten Saison habe ich einen Entwicklungsschritt gemacht. Damals waren teilweise gute Spiele dabei und dann auch wieder weniger gute, aber ich glaube, dass ich das Niveau mittlerweile konstant hoch halten kann.

SPORT1: Ohne Jupp Heynckes wäre Toni Kroos?

Kroos: Höchstwahrscheinlich auch Spieler von Bayern (lacht). Und eventuell auch Stammspieler, aber Jupp Heynckes hat natürlich großen Anteil daran, dass es bei mir zurzeit gut läuft und er schenkt mir das Vertrauen. Man kann nicht voraussetzen, dass das bei einem anderen Trainer genauso wäre. Bei Heynckes ist es allerdings so und deshalb kann man unter ihm so aufblühen.

SPORT1: Die bisherige Trainingswoche ohne Jupp Heynckes ist?.

Kroos: Noch relativ kurz, weil wir gestern frei hatten. Heute haben wir trainiert. Ich kenne das ja noch aus Leverkusen, da war Jupp Heynckes auch ein, zwei Mal krank und dann hat Peter Hermann, sein Co-Trainer, das Training übernommen. Wir trainieren mit ihm genauso gut wie mit dem Cheftrainer, aber ich denke, dass er jetzt wieder zur Mannschaft stoßen wird.

SPORT1: Wenn Werder Bremen am Samstag ohne meinen Bruder Felix Kroos kommt?

Kroos: Das ist natürlich schade, weil ich glaube, dass er das Potential hat, oben mitzuspielen. Aber ich hoffe natürlich, dass wir Bremen auch ohne ihn die Grenzen aufzeigen können.

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