"Wer sich nicht dran hält, zieht die Arschkarte"
Von Reinhard Franke
München - Bei der U-21-Nationalmannschaft hat sich Peniel Mlapa mit sieben Treffern in den letzten drei Spielen in den Vordergrund gespielt. In Hoffenheim dagegen kam er zuletzt über die Rolle des Einwechselspielers nicht hinaus.
2010 wechselte er von 1860 München nach Hoffenheim, mit gerade mal einem halben Jahr Zweitligaerfahrung bei den "Löwen" im Gepäck. Nach einem tollen ersten Jahr unter Trainer Ralf Rangnick tritt er zurzeit etwas auf der Stelle.
Doch sein Tatendrang hat dadurch keinen Kratzer abbekommen. Im Gegenteil. Die Spielpraxis in der Nationalelf hat dem 20-Jährigen sichtlich gut getan. Resignieren? Fehlanzeige!
Im Spiel bei Bayer Leverkusen (Fr., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) hofft er auf einen Einsatz von Anfang an - und endlich wieder auf ein Tor.
Im SPORT1-Interview zeigt sich der 20-Jährige selbstkritisch und spricht über die aktuelle Lage im Kraichgau, seine eigene Entwicklung und Trainer Stanislawski.
SPORT1: Herr Mlapa, 1899 Hoffenheim belegt nur den neuen Tabellenplatz und präsentierte sich zuletzt schwach. Was sind die Gründe?
Peniel Mlapa: Vor der Saison hätte keiner nein gesagt, wenn man uns gesagt hätte, dass wir im Mittelfeld landen. Wir haben viele neue Spieler bekommen und haben einen großen Kader, haben einfach unsere Konstanz noch nicht gefunden.
SPORT1: Woran liegt das?
Mlapa: Wir haben eine junge Mannschaft und unser Hauptproblem ist, dass nicht jeder in jedem Spiel seine volle Leistung abruft.
SPORT1: Hoffenheim hat die jüngste Mannschaft in der Liga. Fehlt es da an Routine?
Mlapa: (atmet tief durch) Was heißt Routine? Wenn man die älteste Mannschaft hat, dann heißt das ja auch nicht, dass man gleich alle weghaut.
SPORT1: Das dürfte am Freitag schwer werden. Da gibt es für Sie in Leverkusen das Wiedersehen mit Ihrem früheren 1860-Kollegen Lars Bender. Wie gehen Sie in das Spiel?
Mlapa: Das ist ein sehr schwerer Gegner. Die sind super drauf und haben einen Lauf. Wir wollen versuchen da etwas mitzunehmen, vor allem weil wir in den letzten Auswärtsspielen nicht gerade erfolgreich waren. Und ich freue mich sehr Lars wiederzusehen. Leider ist der Kontakt abgebrochen.
SPORT1: Ein anderer Ex-Kollege von Ihnen ist Moritz Leitner, der momentan in Dortmund groß aufspielt. Blickt man da neidisch zum BVB?
Mlapa: Nein. Ich spiele auch bei der U 21 mit Moritz und wir verstehen uns super. Ich finde es super, dass er sich so entwickelt hat. Ich habe schon immer viel von ihm gehalten, auch wo viele gesagt haben, dass er es nicht schaffen wird. Der macht seine Zierlichkeit gut mit seiner Technik wett. Ich habe daran geglaubt, dass er sich durchsetzen wird und jetzt freut es mich für ihn.
SPORT1: Ihr Torwart Tom Starke sagte im SPORT1-Interview vor dem Heimspiel gegen die Bayern Ende September, dass man die "jungen Hüpfer" immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen muss. Sie dürften sich mit 20 Jahren da angesprochen fühlen, oder?
Mlapa: Auf gar keinen Fall. Wir jungen Spieler sind bodenständig genug, dass wir nicht gleich nach einem Sieg als Überflieger der Nation fühlen. Vor allem, weil du als Offensivspieler bei uns gar nicht sicher sein kannst, ob du jede Woche spielst, weil der Trainer viel rotieren lässt.
SPORT1: Sie haben in dieser Saison nur am ersten Spieltag 90 Minuten durchgespielt, wurden in allen anderen Spielen ein- oder ausgewechselt. Letztes Jahr haben sie 30 Spiele gemacht. Auch bei Ihnen hakt es also.
Mlapa: Natürlich wünsche ich mir einen Stammplatz, um immer 90 Minuten durchzuspielen, aber ab und zu muss man in den sauren Apfel beißen und versuchen, wenn man reinkommt, die Leistung zu bringen oder wenn man von Beginn an spielt so lange wie möglich den Trainer zu überzeugen.
SPORT1: Woran liegt es denn, dass auch Sie in dieser Saison in einem Tief sind? Letztes Jahr bekamen Sie in Ihrem 91er-Jahrgang noch die Fritz Walter-Medaille verliehen.
Mlapa: Ich spiele erst meine zweite Saison im Profifußball. Bei 1860 München habe ich ein halbes Jahr konstant gespielt, kam dann nach Hoffenheim, habe da den ganzen Schwung mitgenommen und letztes Jahr fast jedes Spiel gemacht. Da habe ich schon gemerkt, dass das echt etwas anderes ist als Zweite Liga. Anfang dieser Saison war ich körperlich nicht ganz auf der Höhe und habe meine Zeit gebraucht, um wieder reinzukommen.
SPORT1: Kam der Schritt Erste Liga zu früh?
Mlapa: Nein. Es war der absolut richtige Schritt. Ich habe ihn nicht bereut.
SPORT1: Tom Starke sagte damals auch, dass alles optimistischer, lockerer und emotionaler ist. Mit der Lockerheit ist es spätestens seit dieser Woche vorbei, nachdem mit Roberto Firmino und Chinedu Obasi zwei Spieler suspendiert wurden, weil sie zu spät zum Training kamen. Der Ton wird rauer im Kraichgau, oder?
Mlapa: Das war aber auch schon am Anfang der Saison so. "Stani" (Trainer Holger Stanislawski, Anm. d. Red.) hat das am ersten Tag klipp und klar gesagt, dass er auf Disziplin achtet und wenn sich einer da nicht dran hält, dann hat er die Arschkarte gezogen. Natürlich ist die Stimmung anders, wenn man nicht gewinnt als wenn man jedes Spiel gewinnt.
SPORT1: Haben Sie Ihren Wecker jetzt immer etwas früher gestellt?
Mlapa: (lacht) Auf jeden Fall. Aber ich habe als Profi noch nicht verschlafen, habe es zum Glück immer pünktlich geschafft.
SPORT1: Täuscht der Eindruck oder ist der lockere "Stani" von St. Pauli nicht mehr da?
Mlapa: Wir hatten jetzt eine schwächere Phase, wo wir drei oder vier Spiele schlecht gespielt haben, den Rest aber wirklich unglücklich verloren haben. Wir waren oft die bessere Mannschaft und so dramatisch, wie es jetzt dargestellt wird, ist es nicht.
SPORT1: Was muss dennoch besser werden?
Mlapa: Auf jeden Fall die Chancenverwertung. Die letzte Geilheit aufs Tor fehlt uns noch. Wir müssen vorne eiskalt werden. Außerdem muss der Defensivarbeit von uns Stürmern besser werden. Nach den Spielen denken wir uns auch, wie lächerlich das ist, was wir für Gegentore kassieren. Wir wissen auch, dass es zuletzt nicht positiv läuft. Aber die positive Stimmung ist nach wie vor da.
SPORT1: Wie geht's aus gegen Leverkusen?
Mlapa: 1:0 für uns und hoffentlich durch ein Tor von Mlapa.
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