Gladbachs Reifeprüfung: "Wie eine Spitzenmannschaft"
Von Olaf Mehlhose
München - Borussia Mönchengladbach ist in der Beletage der Bundesliga angekommen.
Das bekam auch Meister Borussia Dortmund zu spüren, dem der Fast-Absteiger der vorherigen Saison im Spitzenspiel des 15. Spieltages ein 1:1 (Bericht) abtrotzte. (DIASHOW: Der 15. Spieltag).
Der Lohn: Gladbach steht auf Platz drei in der Tabelle und hat weiterhin gute Chancen, die Herbstmeisterschaft zu ergattern.
SPORT1-Experte Toni Schumacher sieht in den "Fohlen" sogar einen ernsthaften Kandidaten im Kampf um die deutsche Meisterschaft. (EXKLUSIV: Schumacher-Kolumne
Viel Lob für Gladbach
Mit dem hart erkämpften, aber verdienten Punktgewinn gegen den BVB hat Gladbach offenbar eine Reihe von Experten überzeugt.
"So wie sie spielen, sind sie eine absolute Spitzenmannschaft", urteilte Horst Köppel, der in den siebziger Jahren fünf Meisterschaften mit Gladbach feierte, bei SPORT1.
Mit dieser Ansicht steht das Borussia-Urgestein nicht alleine da. Auch Joachim Löw prophezeite dem Traditionsklub vom Niederrhein eine erfolgreiche Zukunft.
"Ich glaube schon, dass sie sich unter den ersten fünf festsetzen können", sagte der Bundestrainer im "Aktuellen Sportstudio". (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) .
Netzer ist beeindruckt
Gladbach-Legende Günter Netzer betrachtet die Entwicklung bei seinem früheren Klub ebenfalls mit großem Wohlwollen.
"Ich habe es zunächst für ein bewundernswertes Strohfeuer gehalten, aber eben nur für ein Strohfeuer. Damit muss man jetzt aufhören", sagte der frühere Borussia-Spielmacher der "FAZ". (ANALYSE: Wer wird Herbstmeister)
Der Vater des Erfolges ist nicht nur für Netzer der Trainer: "Lucien Favre hat die Borussia erweckt. Er hat alle zusammen auf seinen Weg mitgenommen, der sehr erstaunlich ist."
Rasante Entwicklung
Erstaunlich ist vor allem das rasante Tempo, in dem der Schweizer aus dem vermeintlichen Absteiger eine Spitzenmannschaft geformt hat. Für Köppel kommt diese Entwicklung allerdings nicht überraschend.
"Damit konnte man vor der Saison natürlich nicht rechnen, aber ich habe mir fast alle Heimspiele angeschaut, deshalb wundere ich mich nicht", sagte der 63-Jährige: "Die Spiele gegen Bremen und Köln waren toll, und auch das Unentschieden gegen Dortmund war verdient."
Favres Verdienst
Genauso wie Netzer bricht auch Köppel eine Lanze für Favre.
"Es ist vor allem sein Verdienst. Er hat die Mannschaft mit großem Selbstbewusstsein ausgestattet. Sie tritt ganz anders auf als im vergangenen Jahr", erklärte er.
Köppel, der von 2004 bis 2006 selbst als Trainer bei Gladbach in der Verantwortung stand, lobte vor allem die penible Arbeitsweis des Schweizers: "Favre ist ein sehr akribischer Arbeiter, der im Training oft unterbricht und versucht, selbst die kleinsten Dinge zu verbessern."
Mit Erfolg: In der vergangenen Saison impfte der ehemalige Hertha-Coach seiner Mannschaft ein Defensiv-Konzept ein, mit dem es der Mannschaft gelang, die Klasse zu erhalten.
Rückschläge weggesteckt
In dieser Spielzeit wurden das Offensivspiel und die Effizienz beim Ausnutzen der Torchancen noch einmal verbessert, wie sein Team bei den Kantersiegen gegen Bremen und in Köln eindrucksvoll unter Beweis stellte.
Und auch von Rückschlägen lässt sich die Borussia mittlerweile nicht mehr irritieren
Gegen Dortmund wirkten sich weder der Ausfall von Zehn-Tore-Mann Marco Reus noch der zwischenzeitlichen Rückstand negativ auf die Leistung der Mannschaft aus.
Anzeichen dafür, dass der Höhenflug in absehbarer Zeit enden könnte, gibt es derzeit nicht. In der aktuellen Form ist es zumindest schwer vorstellbar, dass die kommenden Gegner, Augsburg oder Mainz, der Borussia ein Bein stellen können.
Champions League als Ziel
Dass die Bäume für Gladbach in den Himmel wachsen, glaubt Köppel dennoch nicht.
"Es wäre vermessen, von der Meisterschaft zu reden", meinte der frühere Mittelfeldspieler:
"Natürlich ist es möglich, man hat schon größere Wunder gesehen, aber Bayern und Dortmund sind, glaube ich, noch stärker und etwas reifer - ein Champions-League-Platz wäre schon ein großer Erfolg."
Ein Erfolg, der Gladbachs Status als Spitzenmannschaft noch einmal unterstreichen würde.
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