

Gladbacher Tristesse: Sehnsucht nach Reus
Von Christian Paschwitz
München/Augsburg - Borussia Mönchengladbachs Profis war deutlich anzumerken, dass ihnen die Frage auf den Keks ging.
Ob Marco Reus' Fehlen denn nicht doch mit ausschlaggebend war für die überraschende 0:1 (0:0)-Pleite bei Kellerkind FC Augsburg ( Bericht), wollten fast alle Journalisten wissen.
Um sich dafür dann von Trainer Lucien Favres Akteuren gereizte Reaktionen einzuhandeln:
"Reus ist ein wichtiger Spieler, aber es muss auch ohne ihn gehen", maulte Kapitän Filip Daems.
Und Martin Stranzl pflichtete bei: "Reus setzt ganz andere Akzente, aber es bringt nichts, darüber zu philosophieren."
Reus fehlt enorm
Der Verteidiger, der mit einer Platzwunde vom Platz ging, ließ aber durchblicken, dass die Gladbacher das Comeback ihres Star-Akteurs gleichwohl herbeisehnen:
"Wir wünschen uns, dass er bald zurück ist."
Der noch immer wegen eines Zehenbruchs außer Gefecht gesetzte Reus fehlte den "Fohlen" beim bisherigen Schlusslicht tatsächlich an allen Ecken und Enden.
Vertreter Raul Bobadilla machte den Jung-Nationalspieler allein während der ersten zehn Minuten vergessen, setzte mit zwei Torschüssen Akzente. (DIASHOW: Der 16. Spieltag)
Favre bedient
Das war es dann aber auch schon mit der Offensiv-Herrlichkeit des bisherigen Gladbacher Überflieger-Teams, das zuvor in fünf Spielen unbesiegt geblieben und viermal gewonnen hatte.
Ebenso blieb die Tatsache: Ohne Reus kann die Borussia in dieser Saison nicht siegen.
"Er fehlt, das wissen wir. Wir waren immer einen Schritt zu spät und haben zu langsam gespielt, so dass der FCA völlig verdient gewonnen hat", haderte Favre.
Und Gladbachs Coach ergänzte: "Der FCA war besser, hat mehr investiert, ist mehr gelaufen und hat uns früh unter Druck gesetzt."
Ex-Gladbacher Callsen-Bracker trifft
Dass der Gegentreffer durch Jan-Ingwer Callsen-Bracker ausgerechnet einem abgefälschten Freistoß eines früheren Gladbachers entsprang (51.), war Favre dabei einerlei.
Der Schweizer wirkte ohnehin so, als habe er bereits geahnt, dass das Duell beim Liga-Neuling in die Binsen gehen könnte.
Der Fußball-Lehrer sprach dabei von seiner "Intuition" und dass er seine Mannschaft gewarnt habe, die Schwaben zu unterschätzen.
Kein Vergleich zum BVB-Duell
Anders als beim Vorwochen-1:1 gegen Meister Borussia Dortmund fehlte ohne Reus diesmal über weite Strecken Durchschlagskraft und Kreativität.
Dadurch verpassten die "Fohlen" den Sprung an die Tabellenspitze und können die Herbstmeisterschaft nur noch theoretisch schaffen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
"Ein Prozent weniger im Spiel ist schon zu wenig", haderte Stranzl daher.
Ter Stegen erlebt Blackout
Bemerkenswert: Auch nach dem Rückstand nahmen die Gladbacher das aggressive Auftreten der Augsburger nicht an.
Daems und Roman Neustädter sprachen entsprechend von der "schlechtesten Saisonleistung".
Und Marc-Andre ter Stegen motzte: "Es ist scheiße, dass wir verloren haben. Wir haben keine Lösungen gefunden, das ganze Spiel nicht."
Der Torhüter bekleckerte sich selbst ebensowenig mit Ruhm, als ihm eine Rückgabe fast über den Schuh rutschte und er Glück hatte, dass Tobias Werner das Geschenk ungenutzt ließ.
Reus zu Bayern - für Robben?
Überdramatisieren wollte Favre die SItuation dann aber doch nicht: "Man darf in keine Richtung übertreiben", sagte der Coach mit Blick auf das 0:1 in Freiburg vor einiger Zeit.
Seither hatte die Borussia in sieben Spielen nur eine Niederlage kassiert. Offen ließ Favre, inwieweit die neuerlichen Spekulationen um Reus' Zukunft die Mannschaft womöglich verunsicherten.
Vor Anpfiff hatte die "Bild" berichtet, wenn der vom FC Bayern umworbene Gladbacher beim Rekordmeister zusage, würde der dann seinen Superstar Arjen Robben ziehen lassen. (DIASHOW: Das Bundesliga-Wechselbörse)
Augsburger Party-Laune
Bei den Augsburgern dagegen war nach dem zweiten Heimsieg in Folge und dem zweiten Zu-Null-Spiel nacheinander im eigenen Stadion Jubel, Trubel, Heiterkeit angesagt.
"Das ist der Weg, den wir gehen können", sagte Trainer Jos Luhukay, nachdem der letzte Platz vorerst an den SC Freiburg weitergereicht und der Anschluss an die Nicht-Abstiegsränge hergestellt worden war.
Und Matchwinner Callsen-Bracker frohlockte: "Dieser Sieg gibt wieder viel Selbstvertrauen. Unsere Formkurve zeigt weiter nach oben und warum sollten wir jetzt nicht auch beim Hamburger SV gewinnen?"
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