"Die Euphorie ist weiter da"
Von Reinhard Franke
München - Er ist einer der Aufsteiger bei Borussia Mönchengladbach.
Nach einer ersten schweren Saison mit nur wenigen Minuten Einsatzzeit gelang Roman Neustädter in der vergangenen Saison unter Trainer Lucien Favre der Durchbruch bei den "Fohlen".
Auch in dieser Saison überzeugt Neustädter als Sechser der Borussia mit konstant guten Leistungen und hat maßgeblichen Anteil an der sensationellen Hinrunde der Gladbacher (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
Sein Vertrag läuft am Saisonende aus. Längst hat Neustädter seine Absicht erklärt, auch in Zukunft das Trikot mit der Raute tragen zu wollen.
Und gute Leistungen wecken Begehrlichkeiten. Sportdirektor Max Eberl feilscht momentan mit dem Mittelfeldspieler um einen neuen Kontrakt.
Vor dem Hinrundenfinale gegen seinen Ex-Klub Mainz (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER) spricht der 23-Jährige im SPORT1-Interview über seine steile Entwicklung bei Gladbach, Kumpel Marco Reus und die eigene Zukunft.
SPORT1: Herr Neustädter, wie hat die Mannschaft das 0:1 in Augsburg ( Bericht) weggesteckt? (DIASHOW: Der 16. Spieltag)
Roman Neustädter: Wir haben das Spiel abgehakt, es gehört zu unserem Entwicklungsprozess dazu. Wir müssen noch lernen. Im Training hat jeder wieder Vollgas gegeben, jeder Zweikampf wurde so bestritten wie in einem Punktspiel. Die Mannschaft ist gut drauf und jeder ist heiß.
SPORT1: In den letzten beiden Spielen fehlte Marco Reus, prompt gab es nur einen Punkt. Ist Gladbach ohne Reus nur die Hälfte wert?
Neustädter: (lacht) Das ist ein gefundenes Fressen für die Journalisten. Zu einer Mannschaft gehören immer elf Spieler. In Augsburg haben zu viele von uns unter ihrem Niveau gespielt. Natürlich ist Marco ein Spieler, den man nicht eins zu eins ersetzen kann. Er ist wichtig für die Truppe, aber wir müssen zeigen, dass es auch ohne ihn geht.
SPORT1: Haben Sie Angst davor, dass die sensationelle Hinrunde gegen Mainz vergeigt wird?
Neustädter: Gar nicht. Die Euphorie ist nach wie vor da. Keiner will die Hinrunde mit einer Niederlage abschließen, wir sind heimstark und haben großes Selbstvertrauen. Wir haben 30 Punkte und das wollen wir ausbauen. Wir haben keinen Druck, haben bisher immer eine Reaktion gezeigt nach Auswärtsniederlagen.
SPORT1: Sie waren letztes Jahr noch Aufsteiger mit ein paar Einsätzen, jetzt sind Sie Stammspieler. Wie haben Sie Ihre rasante Entwicklung wahrgenommen?
Neustädter: Am Anfang habe ich meine Zeit gebraucht. Die erste Saison lief nicht gut für mich. Aber in den zweieinhalb Jahren habe ich mich Schritt für Schritt weiterentwickelt. Ich habe in der letzten Rückrunde meine Chance genutzt, aber ich bin noch nicht am Ende. Ich bleibe auf keinen Fall stehen und gebe Vollgas. Wenn man nicht gut trainiert, dann sieht man das Ergebnis am Wochenende.
SPORT1: Ist Lucien Favre der richtige Trainer zur richtigen Zeit für Sie?
Neustädter: Schon. Er ist ein guter Typ, redet immer viel mit mir und baut immer auf mich. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Daher will ich ihm das mit Leistung zurückzahlen.
SPORT1: Haben Sie sich verändert durch Ihre neue Rolle im Team?
Neustädter: Vom Charakter her nicht. Am Anfang war ich zurückhaltender, aber jetzt habe ich ein anderes Ansehen in der Mannschaft. Es wird mehr mit mir gesprochen, man wird mehr wahrgenommen und die Jungs kommen öfter zu einem und auch erfahrene Spieler fragen mich um Rat. Bei uns kann jeder offen seine Meinung sagen. Bei uns gibt es keine wirkliche Hierarchie wie früher, wo die älteren die jüngeren Spieler gesagt haben, wo es lang geht.
SPORT1: Nun geht es gegen Ihren Ex-Klub. Auch Ihr Vater Peter spielte lange für Mainz. Ein besonderes Spiel?
Neustädter: Für mich war das Spiel in der letzten Rückrunde besonders. Weil das mein erstes Profispiel gegen Mainz war. Natürlich verfolge ich, wie sie spielen und freue mich, gegen die Jungs zu spielen, mit denen ich früher gespielt habe, wie Bungert, Noveski, Wetklo oder Svensson.
SPORT1: Sie und Marco Reus sind gute Kumpels. Wie schätzen Sie die Situation um ihn ein? Wird er in Gladbach bleiben? (DIASHOW: Das Bundesliga-Wechselbörse)
Neustädter: Wir freuen uns beide über den Moment. Marco kann in jeder Mannschaft in Europa spielen, weil er das Potenzial hat. Ich kann nicht viel dazu sagen, nur so viel, dass er sich hier sehr wohl fühlt, das Umfeld stimmt, seine Familie ist nicht weit weg und von daher könnte ich mir schon vorstellen, dass er bleibt.
SPORT1: Und wie sieht es bei Ihnen aus? Ihr Vertrag läuft im Sommer aus, Sie sagten, dass Sie gerne bleiben wollen. Jetzt heißt es, dass der Verein bereits nach anderen Kandidaten Ausschau hält.
Neustädter: Das glaube ich nicht. Ich würde gerne bleiben und auch der Verein würde gerne mit mir verlängern. Ich fühle mich hier sehr wohl und die Gespräche laufen.
SPORT1: Haben Sie noch andere Optionen?
Neustädter: Ich habe meinem Berater gesagt, dass ich davon nichts hören will. Borussia ist mein erster Ansprechpartner. Natürlich ist es eine Ehre, wenn ich weiter in Gladbach bleiben kann.
SPORT1: Borussia spielt die erfolgreichste Hinrunde seit 1976. Das Saisonziel Klassenerhalt dürfte längst korrigiert worden sein.
Neustädter: Es ist einfach geil, wenn man auf die Tabelle schaut. Letztes Jahr waren es zehn Punkte nach 17 Spielen, jetzt 30 nach 16. Natürlich sind wir alle besser drauf, aber wir wollen weiter auf dem Boden bleiben. Augsburg war keine Katastrophe, einfach so viel wie möglich Punkte holen, dann sehen wir wo die Reise hingeht.
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