Angezählter Dutt braucht Ballack mehr denn je
Von Christian Stüwe
München - Zu Saisonbeginn stellte Leverkusens Trainer Robin Dutt klar, dass er sich Michael Ballack und Simon Rolfes nicht gemeinsam in der Aufstellung der Werkself vorstellen könne.
Es müsse eine Ehre sein, bei einem Klub wie Bayer auf der Bank zu sitzen, sagte der aus Freiburg gekommene Coach weiter.
Ballack war damals am Boden. Nach seinen Verletzungen noch nicht hundertprozentig fit, in der Nationalmannschaft ausgebootet, versuchte der mittlerweile 35 Jahre alte Mittelfeldspieler seinen Platz in der Werkself zu finden.
Mittlerweile haben sich die Vorzeichen allerdings geändert: Ballack ist zu einem enorm wichtigen Spieler geworden, spielte eine ingesamt gute Hinserie. Dutt hingegen wackelt mehr und mehr. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
"Nichts unter den Teppich kehren"
Ein Torverhältnis von 22:22, nur 26 Punkte und Platz sechs: Für die Ansprüche von Bayer Leverkusen ist das zu wenig. (BERICHT: Dutt unter Beschuss)
"Wir werden nichts unter den Teppich kehren. Es gibt grundlegende Dinge anzusprechen. Mit allen Beteiligten", kündigte Sportchef Rudi Völler an (BERICHT: Dutt darf weitermachen)
Für Dutt dürften diese Gespräche unangenehm werden. Die "Sport Bild" nennt gleich mehrere Gründe, warum der 46-Jährige Coach in Leverkusen bereits gescheitert sein soll.
Einer davon ist Dutts Ankündigung, Ballack und Rolfes könnten nicht zusammenspielen. Längst musste der Trainer zurückrudern - und beide Führungsspieler gemeinsam aufbieten.
Dutt sorgte bei der Mannschaft offenbar auch für Verwunderung, als er beim Champions-League-Spiel gegen Chelsea in London alle Ersatzspieler zum Aufwärmen schickte, obwohl sich in der Königsklasse immer nur drei Reservisten gleichzeitig aufwärmen dürfen.
Balitsch-Aus sorgt für Ärger
Nun wurde auch noch der bei den Fans außerordentlich beliebte Hanno Balitsch aussortiert, "weil die Chemie zwischen ihm und dem Trainer nicht mehr stimmte", wie Klub-Boss Wolfgang Holzhäuser mitteilte. (NEWS: Balitsch bei Bayer vor dem Aus)
Balitsch selber beschrieb die Gründe für sein Aus im "Express" so: "Warum wird in Leverkusen eigentlich nicht mehr eingewechselt?", habe er nach der Niederlage gegen Schalke gefragt.
"Diesen Satz hat der Trainer mitbekommen und mich zur Rede gestellt. Direkt danach habe ich mich vor versammelter Mannschaft dafür entschuldigt", erklärte Balitsch weiter.
Ansonsten habe er sich nichts zu Schulden kommen lassen, beteuerte der Mittelfeldspieler. Gehen muss er trotzdem. Und die Anhänger der Werkself hat Dutt dadurch offenbar gegen sich aufgebracht.
Bei Facebook gibt es mittlerweile Gruppen, die sich gegen den Trainer aussprechen und großen Zulauf haben.
Rückendeckung für Dutt
Doch die Verantwortlichen stehen noch hinter dem Coach.
Völler sprach dem Trainer im "Express" zwar das Vertrauen aus, deutete aber auch an, dass er mit dessen Leistungen zuletzt nicht einverstanden war.
"Robin muss wieder dahin kommen, wo er am Anfang seiner Zeit bei uns war: Er muss wieder von seiner Arbeit überzeugt sein", sagte Völler: "Er muss sein Ding durchziehen getreu dem Motto: Ich will hier was bewegen. Aber am Ende des Tages sind in erster Linie die Spieler gefragt."
Auch Bayers zukünftiger Co-Trainer und Ex-Profi Sami Hyypiä nahm die Spieler in die Pflicht: "Sie müssen in den Spiegel gucken und sich fragen, ob sie nicht manches besser machen können."
Barca als Bewährungsprobe
Trainer und Spieler sind vor allem im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Barcelona gefragt.
Mit zwei guten Auftritten gegen die wohl beste Mannschaft der Welt könnten viele Sympathien zurück gewonnen werden.
Während die Spiele gegen die Katalanen ein Highlight in Dutts noch recht junger Trainerkarriere sein dürften, deutet vieles darauf hin, dass es für Ballack die Abschiedsvorstellung einer großen Karriere in der Königsklasse sein wird.
Denn Ballack wird wohl nicht über den Sommer hinaus in Leverkusen bleiben. "Im Moment ist die Tendenz so, dass es nur bis zum Sommer geht", erklärte Völler kürzlich.
Ballack kennt die Katalanen
Ballack wurde bereits mit einigen englischen Klubs aus der zweiten Reihe in Verbindung gebracht, wahrscheinlicher erscheint aber, dass der Amerika-Fan seine Karriere in der Major Soccer League ausklingen lässt.
Bis dahin allerdings ist Dutt dringlicher denn je auf ihn angewiesen: Ballack kennt die spanischen Ballkünstler, mit Chelsea musste er sich der Guardiola-Elf 2009 in zwei denkbar knappen Halbfinal-Duellen geschlagen geben.
Und so dürfte die Erfahrung des Routiniers für Leverkusens Coach praktisch unverzichtbar sein, um die Wende zum Guten zu schaffen.
Dass Ballack damit Dutt gewissermaßen in der Hand hat, damit hätte zu Saisonbeginn wohl kaum jemand gerechnet.
Zum Forum - hier mitdiskutieren!
Zurück zur Startseite


