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Christoph Daum ist seit November 2006 wieder Trainer des 1. FC Köln © imago

Christoph Daum kann sich vorstellen, noch lange in Köln zu arbeiten. Dazu warnt er vor überzogenen Erwartungen an Lukas Podolski.

Von Martin van de Flierdt

München ? Christoph Daum macht sich große Sorgen.

Die sind derzeit allerdings in erster Linie privater Natur, denn der Trainer des 1.FC Köln bangt um seine Eltern.

Seine Mutter ist krank, sein Stiefvater erlitt in der Nacht zu Dienstag seinen zweiten Herzinfarkt und wird seither auf der Intensivstation eines Duisburger Krankenhauses behandelt. "Er liegt im Wachkoma, auch meine Mutter ist kaum ansprechbar", sagte Daum dem "Express". "Im Augenblick kann ich nur hoffen und beten."

Das tut er derzeit auf Mauritius. Den Gedanken, den Urlaub abzubrechen, hat er verworfen, weil ihn sein Freund Dr. Peter Schäferhoff, der Vereinsarzt des FC, stets auf dem Laufenden hält. "Peter ist ständig in der Klinik", erklärt Daum. "Mein Bruder ist ebenfalls vor Ort, auch meine Kinder."

Dass Daum zudem von der Firma Euroconsult wegen eines vermeintlich vermittelten Toyota-Werbevertrags auf eine Provisionszahlung von 200.000 Euro verklagt wird, trägt auch nicht gerade zur Aufheiterung bei.

Von Agent unter Druck gesetzt

Der Kölner Werbeagent Andreas Müller will dem Trainer der "Bild" zufolge einen solchen Kontrakt über zwei Millionen Euro verschafft haben. "Das ist ein schlechter Scherz. Außer einem Abendessen ist das nie etwas zustande gekommen", sagt Daum.

"Herr Müller hatte von mir keinen Auftrag. Später hat er mich bedroht: ,Wenn du nicht löhnst, verklage ich dich.' Aber ich lasse mich nicht erpressen."

Toyota stützt Daum-Aussage

Von dem Autohersteller wird Daums Version gestützt: Es ist kein Vertrag mit Herrn Daum geschlossen worden und es wird auch keiner zustande kommen", meint Toyotas zuständiger Marketingleiter Georg Esterhues.

Auf beruflicher Ebene ist die Situation Daums weit weniger angespannt. Der 1.FC steht als Tabellenelfter der Bundesliga mit neun Zählern Vorsprung auf den Relegationsplatz sehr ordentlich da (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Ich bin unheimlich zufrieden"

"Man kann nicht erwarten, dass der FC gleich abgeht wie eine Rakete", sagt der 55-Jährige in der "Bild". "Aber wir sind auf einem, unheimlich guten Weg. Klar, dass ich aber auch die Tage herbeisehne, an denen wir wieder um höhere Ziele mitspielen."

Dass er die Kölner höchstselbst dorthin führen möchte, macht der Trainer dabei durchaus deutlich. "Ich brauche hier bei meinem Klub keinen Rentenvertrag", meint er. "Ich bin unheimlich zufrieden, wie hier gearbeitet wird." Der Otto Rehhagel des 1.FC Köln zu werden, findet Daum deshalb, "kann ich mir wirklich gut vorstellen".

In der Zweitliga-Saison habe das noch ganz anders ausgesehen. "Da war ich verzweifelt", gibt der Coach zu. "Maßnahmen, die ich schon bei vielen Klubs angewandt hatte, griffen beim FC nicht. Wir haben fast jede Woche neue Brandherde gelöscht."

Warnung vor zu hohen Erwartungen

Diese Feuerwehrarbeit allerdings habe bei den "Geißböcken" zu noch mehr Zusammengehörigkeitsgefühl geführt. Dieses Gefühl möchte wohl auch Lukas Podolski so bald wie möglich wieder verspüren.

"Es lohnt sich, um ihn zu kämpfen, deshalb werden wir alles tun", verspricht Daum (Für Podolski gibt Köln alles). Dass Podolski den FC im Falle einer Rückkehr allerdings im Alleingang in den Europapokal schießen kann, hält Daum für eine unfaire Erwartungshaltung.

"Wenn er die einzige Verpflichtung wäre, würde sie keinen Sinn machen", fordert der Trainer durch die Blume ein weiteres Aufrüsten. "Alle FC-Macher wissen: Poldi ist nur ein Stein im FC-Zukunftsmodell."

Boateng-Wechsel wird konkret

Ein weiterer soll Derek Owusu Boateng werden. Der Wechsel des Ghanaers von Beitar Jerusalem nach Köln nimmt konkretere Formen an.

"Es sieht so aus, als ob wir uns in der Sache einigen können", beschreibt FC-Manager Michael Meier den Stand der Dinge. "Es ist zwar noch nicht zu 100 Prozent sicher, aber in die Angelegenheit ist Bewegung hineingekommen."

Sprich: Jerusalem ist dem Bundesligisten, der rund 350.000 Euro zu zahlen bereit sein soll, mit seinen Ablöseforderungen für den 25-Jährigen entgegen gekommen. Beim Trainingsauftakt am 3. Januar wird Boateng noch nicht dabei sein.

Beitar hat mit Boateng abgeschlossen

"Unser Ziel ist es, dass er mit ins Trainingslager nach Belek reist", sagt Meier. An Beitar dürfte der Wechsel des Mittelfeldmannes wohl nicht mehr scheitern.

"Es geht nur noch darum, dass wir mit Köln klarkommen", meint Vereinschef Yitzhak Kornfein. "Mit Boateng gibt es von uns aus nichts mehr zu klären. "

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