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Flügelflitzer Marco Reus (r.) spielt seit 2009 bei Borussia Mönchengladbach © getty

Die Gladbacher Wundermacher sind kaum zu stoppen. Doch die Erfolgsserie von Trainer Favre ist nicht ohne Risiken.

Von Barnabas Szöcs

München - Als Borussia Mönchengladbach am ersten Spieltag das Star-Ensemble der Bayern in München mit 1:0 bezwang, glaubten viele an einen Ausreißer - nicht nur bei den Münchnern, sondern auch bei den "Fohlen".

Doch weit gefehlt: Das Team von Lucien Favre, das sich in der vergangenen Saison erst in der Relegation gegen Bochum in der Bundesliga hielt, steht nach Ende der Hinrunde auf Platz 4 (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Mehr noch: Die "Fohlen" sind mit ihrem frechen Spiel, ihrem talentierten Kader und viel taktischer Disziplin die Überraschungsmannschaft der Hinrunde.

Zwar spielten sich Youngster wie Marco Reus und Torhüter Marc-Andre ter Stegen ins Rampenlicht, doch eine geschlossene Teamleistung brachte den "Fohlen" ihren Erfolg.

Zeitweise thronte Gladbach sogar an der Tabellenspitze.

Der 1:0-Sieg am 17. Spieltag gegen Mainz sowie der Triumph im Achtelfinale des DFB-Pokals über Titelverteidiger Schalke markierten das Sahnehäubchen auf Gladbachs "aufregendem Jahr", wie Sportdirektor Max Eberl die vergangenen zwölf Monate bezeichnete.

SPORT1 beleuchtet im dritten Teil der Serie über die Top Sechs die Situation bei Borussia Mönchengladbach (Teil 2: Bremen - Grün-Weiße Achterbahnfahrt nach oben).

Aktuelle Situation:

Bei Gladbach läuft es zur Zeit wie am Schnürchen.

Lediglich vier Punkte fehlen den Borussen auf Tabellenführer Bayern München, somit überwintern die "Fohlen" auf Platz 4.

Mit dem beeindruckenden Sieg über Titelverteidiger Schalke 04 ist Gladbach auch im DFB-Pokal weiterhin im Rennen, im Viertelfinale wartet Aufsteiger Hertha BSC.

Das war gut:

Gladbachs Keeper Marc-Andre ter Stegen ist die Entdeckung des Jahres.

Mit seinem Paraden ist der 19 Jahre alte Shootingstar maßgeblich an der beeindruckenden Zahl von nur elf Gegentoren in der Bundesliga beteiligt.

Ebenfalls großen Anteil an dieser Statistik hat die Defensive um Abwehrchef Dante.

Neben ter Stegen und Dante sticht Flügelflitzer Marco Reus aus dem starken Kollektiv Mönchengladbachs heraus. Zehn der insgesamt 25 Liga-Treffer gehen auf das Konto des begnadeten Technikers, damit ist der 22-Jährige mit Abstand Gladbachs erfolgreichster Torschütze.

Dass Gladbachs junge Talente nicht abheben, verdankt die Mannschaft Trainer Lucien Favre.

"Das war ein Superjahr. 33 Punkte in der Bundesliga und im Pokal weiter. Das ist unglaublich", stellte Favre stolz nach dem Pokalerfolg über Schalke fest.

Der 54-jährige Schweizer hat aus einem potentiellen Absteiger - ganz ohne große Transfers - eine spielstarke Truppe geformt, die auch gegen direkte Konkurrenten wie Bayern, Dortmund oder Bremen punktet.

"Jetzt bin ich frischer, habe viele neue Ideen", erklärte Favre nun in der Schweizer Zeitung "Blick" seinen neuen Schwung.

Das war schlecht:

Unnötige Niederlagen gegen Teams wie Hoffenheim oder Aufsteiger Augsburg offenbarten in der Hinrunde die große Schwäche der "Fohlen": die mangelnde Konstanz.

Zwar überzeugt und überrascht Gladbach als Team, doch ein Ausfall könnte den Höhenflug schnell beenden.

Gegen Augsburg etwa musste Favre auf den verletzten Reus verzichten, den Spielantreiber. Sollte der Toptorjäger längere Zeit ausfallen, würde den Borussen ihr Motor fehlen.

Auch fehlt der teilweise unerfahrernen Mannschaft die Ausgeglichenheit im Angriff.

Nur 25 Tore gelangen der Borussia. Auf Reus (zehn Treffer) folgen mit großem Abstand Mittelfeldspieler Juan Arango (3) sowie Patrick Herrmann und Verteidiger Filip Daems. Bester Stürmer ist Mike Hanke, ebenfalls mit drei Treffern.

Baustellen:

Die bislang ernüchternde Leistung der Angreifer Mike Hanke, Raul Bobadilla und Igor de Camargo sollte Lucien Favre zu Denken geben.

Auch ist der Kader qualitativ zu dünn besetzt, im Falle eines wichtigen Ausfalls hat Favre wenig Handlungsspielraum.

Wer kommt, wer geht?

Die Gerüchte halten sich hartnäckig, dass Rekordmeister Bayern München an Marco Reus interessiert ist. Doch der Nationalspieler hat noch einen Vertrag bis 2015, wird wohl auch nicht so bald den Tabellenvierten verlassen 492198(DIASHOW: Bundesliga-Wechselbörse).

"Mir liegt kein Bayern-Angebot vor", sagte Reus kürzlich dem "Express".

SPORT1-Prognose:

Ob es bereits in der ersten Saison nach dem Fast-Abstieg zu einem Platz unter den Top 3 reicht, hängt von der Personal- und Nervenstärke der Gladbacher ab. Denn ihre Unerfahrenheit, besonders in der Endphase der Saison, könnte dem Überraschungsteam zum Verhängnis werden.

Zudem könnte ein schwerer Ausfall von Reus, ter Stegen oder Dante ein tiefes Loch reißen.

Die Quali für die Europa League sollte allerdings kein Problem sein.

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