"Farfan war schlecht beraten"
Von Reinhard Franke
München - Für Clemens Tönnies ist Schalke "der beste Klub der Liga". Und er spricht gerne über seinen Verein.
Nach einer nervenaufreibenden Vorrunde mit dem Trainerwechsel von Ralf Rangnick zu Huub Stevens blickt der Schalke-Boss inzwischen beruhigter auf das Treiben in der Mannschaft.
Kein Wunder, sportlich läuft es zufriedenstellend. Die "Königsblauen" belegen Champions-League-Platz drei.
Im Trainingslager in Doha sorgten die Diskussion um den Verbleib von Jefferson Farfan und die Acht Spiele-Sperre von Jermaine Jones aber auch für schlechte Nachrichten.
Im Gespräch mit SPORT1 bezieht Tönnies Stellung zur aktuellen Lage bei den "Knappen" und spricht über die Personalien Farfan, Raul und Jones.
SPORT1: Herr Tönnies, wenn Sie sich zurücklehnen und auf Ihr Schalke schauen, wie zufrieden sind Sie?
Clemens Tönnies: Wir sind auf einem guten Weg, nicht erst seit Huub (Stevens, Anm. d. Red.) wieder bei uns ist. Insgesamt hält die Truppe sehr gut zusammen und wir haben ein gemeinsames Ziel - deshalb bin ich hochzufrieden.
SPORT1: Kann Stevens aus Schalke einen echten Bayern-Konkurrenten machen?
Tönnies: Unser Ziel ist es nicht der Bayern-Jäger Nummer eins zu werden. Bayern ist weit weg von allen anderen Vereinen. Wir wollen im oberen Bereich mitspielen und dafür arbeiten wir hart.
SPORT1: Warum dieses Understatement, Herr Tönnies?
Tönnies: Schalke ist der beste Klub der Liga. Wir sind so wie wir sind. Wir sind nicht großkotzig, wir wollen keinen anmachen, sondern wir wollen guten Fußball spielen und den Laden ordentlich auf die Beine stellen. Wir sind auf einem guten Weg das Unternehmen und den Klub Schalke gut aufzustellen.
SPORT1: Es gibt aber auch einen Brennpunkt: Jefferson Farfan. Was sagen Sie zu diesem Spieler, der angeblich 14 Millionen Euro Handgeld für eine Verlängerung gefordert haben soll, aber immer noch nicht verlängert hat.
Tönnies: Ich kann diese 14 Millionen Euro jetzt nicht bestätigen. Natürlich sind wir enttäuscht, aber nicht über die Forderung, sondern darüber, dass er sich solange nicht geäußert hat zu unserem Angebot. Da haben wir irgendwann mal gesagt: "Jetzt muss Schluss sein". Wir wollten nicht diejenigen sein, die als letzte erfahren, ob es nun klappt oder nicht. Deshalb hat Horst Heldt gesagt, "pass auf, wir ziehen unser Angebot zurück und wir sind gerne bereit nochmal in den Ring zu gehen und zu verhandeln". Das Tischtuch ist noch nicht zerrissen. Jetzt warten wir einfach ab.
SPORT1: Was meinen Sie wie sich Farfan entscheiden wird?
Tönnies: Ich glaube, dass der "Jeffy" schlecht beraten war. Er selber ist ein ordentlicher Junge. Jetzt gilt es die Dinge von der anderen Seite zu analysieren und zu sagen inwieweit Schalke der richtige Klub ist, auch im internationalen Vergleich. Ich gehe davon aus, dass wir in der nächsten Saison international spielen werden und da gibt es viele Abwägungen. Die Entscheidung liegt nicht bei uns, das muss er selber wissen.
SPORT1: Können Sie verstehen, wenn Fans, die hart für ihr Geld arbeiten müssen, wütend sind, weil Schalke so einen Spieler immer noch halten will?
Tönnies: Im Augenblick hat er sich verzockt. Ich halte ihn für einen sehr guten Spieler, das dürfen wir nicht vergessen. Wir bringen gerade den sportlichen Möglichkeiten in Einklang zu dem, was wir finanziell leisten können. Wir werden nicht nachbessern. Wir haben ein vernünftiges Angebot gemacht und entweder Farfan bleibt, oder er geht. Da geht die Welt nicht unter.
SPORT1: Raul dagegen hat betont, dass er gerne weiter bei Schalke spielen möchte. ( Bericht)
Tönnies: Mein persönlicher Wunsch ist, mit ihm zu verlängern. Nur der zählt in diesem Bereich nicht. Es geht um finanzielle Dinge. Im Gegensatz zu Farfan fühlt sich Raul auf Schalke sehr wohl. Die Familie ist glücklich, und Raul ist wahnsinnig gerne auf Schalke. Das sagt er auch. Er lebt Schalke, er wird geliebt von den Fans und von ihm wie auch von uns gibt es eine große Bereitschaft den Vertrag zu verlängern.
SPORT1: Sie sagen Raul fühlt sich im Gegensatz zu Farfan wohl. Fühlt sich Farfan also nicht mehr wohl?
Tönnies: Der eine spielt gerne auf Schalke und der andere liebt Schalke.
SPORT1: Lassen Sie uns über Jermaine Jones sprechen. Dieser Spieler ist in der Vergangenheit immer wieder negativ aufgefallen. Jetzt wurde er für seinen Tritt gegen Marco Reus im Pokal für acht Spiele gesperrt. Eine zu harte Strafe? ( Bericht)
Tönnies: Ich sehe Jermaine Jones als einen wichtigen Spieler. Wir dürfen nicht vergessen, dass sich Fußballspieler auch immer weiterentwickeln. Ich sehe bei Jones die positive Veränderung, sich für die Mannschaft einzubringen, mit einem totalen Siegeswillen zu kämpfen. Da hat er sich gerade in den letzten Monaten sehr positiv gezeigt.
SPORT1: Ist die Strafe gerechtfertigt?
Tönnies: Das trifft uns unheimlich hart. Wir haben dieses Vergehen auch intern sehr intensiv diskutiert. Die Entscheidung ist richtig. Es ist auch richtig nicht noch weiter in Verhandlungen zu treten, wir müssen die Spiele über die Runden bringen und so was darf nicht nochmal passieren.
SPORT1: Nehmen Sie sich Jones eigentlich nochmal zur Brust?
Tönnies: Wenn das gewünscht wird gerne. Aus der Emotion heraus hätte ich das gerne gleich nach dem Spiel gemacht. Aber das ist nicht meine Aufgabe. Ich kann mal dem einen oder anderen die Ohren langziehen oder in den Arm zu nehmen, aber ich glaube, dass dieses Talent der Huub Stevens wie kein Zweiter hat.
SPORT1: Ein Wort von Ihnen zu Horst Heldt. War der sehr ruhige Wechsel Rangnick zu Stevens sein Meisterstück?
Tönnies: Horst Heldt arbeitet sehr besonnen und ist ein richtig guter Fußballfachmann. Auch menschlich ist er tip top in Ordnung. Der hat keine falsche Eitelkeit, bringt sich nicht in die Öffentlichkeit, wenn er nicht muss, und deshalb ist diese Zusammenarbeit mit ihm so positiv. Ich bin wirklich glücklich, dass wir zusammengekommen sind - und das sagen wir uns auch.
SPORT1: Schalke ist innerlich zur Ruhe gekommen. Wo geht es mit dem Verein hin?
Tönnies: Wir sind dabei den Konsolidierungskurs fortzusetzen und da sind wir sehr erfolgreich und werden weiter guten Fußball präsentieren. Da steht Huub dafür. Ich wünsche mir, dass wir oben mitspielen. Im Miteinander und in der Zusammenarbeit, offen miteinander umgehen das macht Schalke zu dem, was es jetzt ist. Das freut mich sehr.
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