Zwischen Marmor und Schlachterei
Fünf Tage Trainingslager mit fünf Bundesligisten in Belek:
Mehr als 100 Stunden damit auf Tuchfühlung mit vielen Akteuren und Machern des VfB Stuttgart, 1. FC Nürnberg, von Hertha BSC Berlin, Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach.
Die "Fohlen" und die Hanseaten sind schon wieder weg - und der SPORT1-Reporter verlässt nun auch die türkische Riviera.
Was das Trainingslager tatsächlich wert war (nicht, was es gekostet haben mag, Anm. d. Verf.), wird der Rückrundenstart ab dem 20. Januar zeigen.
Eine Bilanz abseits des Sportlichen lässt sich allerdings schon jetzt ziehen:
In ihren noblen 5-Sterne-Unterkünften, davon konnte sich SPORT1 überzeugen, kann es nicht gelegen haben, sollte den Klubs der jeweilige Aufgalopp misslingen. Allenfalls am Wetter mit teils sintflutartigen Regenfällen darf leise Kritik geübt werden.
Ein subjektives Hotel-Ranking über Logis und Luxus:
Das Glamouröseste (Maxx Royal Belek Golf & Spa / Werder Bremen): Ein Riesentrumm mit diversen Nebengebäuden, auf dem Weg zur ersten Presserunde kann man sich deshalb durchaus mal ins Convention Center verlaufen, wo Schalkes Ex-Manager Andreas Müller - inzwischen Spielerberater - trotzdem genüsslich seinen Kaffee schlürft.
Im Hauptgebäude funkelt's dann noch teurer im Zusammenspiel von Marmor und Glas: Was hier in den Auslagen von Gucci und Co. liegt, gefällt augenscheinlich auch Marko Arnautovic.
Naldo wiederum und ein paar andere des Werder-Trupps lassen sich lieber gediegen ein Eis von Häägen Dasz munden. Hat der SPORT1-Mann dann auch gemacht.
Das Chilligste (Gloria Serenity Resort / Borussia Mönchengladbach): Herrlich, wenn man die klobigen Sicherheitsschranken erst überwunden hat und drin steht im Hauptgebäude, das sich auf zwei Wohnflügel verteilt sowie 99 Villen, die inmitten einer großzügigen Gartenanlage liegen.
Beim Interview-Termin mit Neuverpflichtung Alexander Ring in der Lobby fällt die musikalische Dauerberieselung mit Elektropop allerdings latent auf die Nerven. Vielleicht auch Igor de Camargo, der Marco Reus kurz vorm Essen mal kurz in den Schwitzkasten nimmt.
Im froschfgrünen V-Auschnitt-Pullver so oder so resistent gegen die Endlosschleifen: Borussia-Präsident Rolf Königs.
Das Lockerste (Cornelia Diamond Resort und Spa/Hertha BSC): Ganz kurze Wege zum benachbarten Trainingsplatz, Presserunden- und Einzelgespräche, wo es gerade passt.
Draußen auch mal Disko-Musik, weil drinnen der weltgrößte Pizzaliefer-Service mit adretten Hostessen und Firmen-Maskottchen mit Riesenköpfen zu seinem Jahreskongress geladen hat.
Bei soviel Ungezwungenheit kratzt es auch niemanden, dass Ex-Manager Dieter Hoeneß gleich nebenan wohnt und Keeper Thomas Kraft als Einziger ein Einzelzimmer bezieht.
Das Getarnteste (Hotel Rixos Premium/1. FC Nürnberg): Von Außen erwartet man gar nicht so viel, weil der Rechteck-Bau eher funktional daherkommt. Noch viel weniger bei der Abkürzung vom angenzenden Trainingsplatz in den Innenbereich: Weiße Kacheln auf dem Gang wie in einer Schlachterei - und dann riecht das hier auch noch so verdächtig nach Gegrilltem…
Als sich danach ein Tür öffnet, beginnt jedoch eine Welt aus Reichtum: Nobel-Shop reiht sich an Nobelshop.
Gefällt nach einer 20-Stunden-Odyssee aus der argentinischen Heimat schätzungsweise auch Javier Pinola: Diese Büffel-Leder-Boots sehen aber auch echt gut aus, kann wohl aber nur ein Südamerikaner tragen.
Das Ruhigste (Kempinski Hotel The Dome/VfB Stuttgart): Wirkt trotz gewisser Anleihen an die Neo-Gotik mit seinen Spitzbögen irgendwie wie ein Maharadscha-Palast.
Total verwaist, kaum andere Gäste, der ganze Bau macht wahrlich keinen Mucks.
Umso mehr fällt es auf, wenn sich Khalid Bouhlarouz in der benachbarten Sofa-Ecke mal räuspert oder Coach Bruno Labbadia nach der Trainingseinheit mit feucht-quietschendem Schuhwerk in die riesige Empfangshalle marschiert.
Hier kann man mal abschalten vom Liga-Stress; ab und an hätte das dem SPORT1-Reporter auch gefallen.
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