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SPORT1-Reporter Christian Paschwitz (r.) traf Pierre-Michel Lasogga zum Interview © getty

Bei SPORT1 spricht Berlins Pierre-Michel Lasogga über seine Rolle im Verein, Herthas neuen Trainer Skibbe und Söldner im Fußball.

Von Christian Paschwitz

München/Belek - Er ist einer der jungen Wilden in der Bundesliga - und Pierre-Michel Lasogga ist mit 20 Jahren schon Stammkraft bei Hertha BSC.

Nicht nur wegen seiner sechs Tore hat der gebürtige Gladbecker einen großen Anteil am Mittelfeld-Platz des Aufsteigers nach der Hinrunde. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ich fühle mich in der Bundesliga angekommen", sagt Lasogga im Interview mit SPORT1 während des Trainingslagers im türkischen Belek.

Auch zu Herthas Neu-Coach Michael Skibbe, der Nationalmannschaft und der Söldner-Debatte hat der Stürmer eine klare Meinung.

SPORT1: Herr Lasogga, Sie sind Herthas Topstürmer: Sechs Treffer in weniger als 1000 Spielminuten, dazu noch drei Vorlagen. Wie gehen Sie mit solchen Zahlen um?

Pierre Michel Lasogga: Auf der einen Seite freut es mich sehr, auf der anderen Seite ist gerade mal die Hälfte der Saison rum. Ich kann mich auf solchen Werten bestimmt nicht ausruhen und muss weiter hart arbeiten.

SPORT1: Das klingt sehr bescheiden. Sehen Sie sich denn nicht auch schon jetzt mit 20 Jahren als Führungsspieler?

Lasogga: Im erweiterten Kreis sehe ich mich auf jeden Fall. Ich glaube, ich habe in den letzten Jahren erst mal Leistung gebracht, bevor ich den Mund aufgemacht habe. Und dann hat man auch als junger Spieler etwas zu sagen und wird akzeptiert. Aber zu Spielern, die 30 oder älter sind, wie zum Beispiel Levan Kobiashvili, zu denen schaut man natürlich trotzdem auf. Aber ich fühle mich in der Bundesliga angekommen.

SPORT1: Markus Babbels Abschied in Berlin verlief ziemlich unschön. Wie sehen Sie die Geschichte im Nachhinein?

Lasogga: Es ist schon unglücklich gelaufen, und es hat die Mannschaft zunächst auch getroffen. Die Kommunikation zwischen der Mannschaft und dem Trainer war schließlich sehr gut.

SPORT1: Bedauern Sie seinen Abgang? Zumal Babbel, der Sie sogar mal als künftigen Mario Gomez bezeichnet hat, Ihnen in die Bundesliga verholfen hat...

Lasogga: Ich will es so sagen: Es ist so, dass Markus Babbel und Rainer Widmayer (damaliger Co-Trainer, Anm. d. Red.) mich geformt haben und auch die Zusammenarbeit super war. Diese Gomez-Aussage hat mich natürlich auch gefreut damals.

SPORT1: Was macht Nachfolger Michael Skibbe nun anders als Babbel?

Lasogga: Die Trillerpfeife kommt wieder zum Einsatz, das ist vielleicht das sichtbarste Merkmal. Aber nun auch nicht übermäßig, und härter geht es unter dem neuen Trainer auch nicht zu. Die Atmosphäre ist recht entspannt, und er lässt viel mit dem Ball spielen.

SPORT1: Tore macht die Hertha ja nicht zuletzt dank Ihnen. Ist die Abwehr also das eklatanteste Problem angesichts von 26 Gegentoren?

Lasogga: Am Anfang der Saison standen wir aber sehr kompakt, haben sogar in Dortmund gewonnen. Zum Ende der Hinrunde ist es ein bisschen unglücklich gelaufen. Da haben wir viele Tore kassiert - da muss sich das ganze Team angesprochen fühlen. Es gab aber selten Spiele, wo wir klar unterlegen waren.

SPORT1: Mit 20 Punkten ist Hertha als Aufsteiger Tabellen-Elfter, steht dazu im DFB-Pokal-Viertelfinale. Wohin geht die weitere Saison-Reise?

Lasogga: Priorität hat natürlich immer der Klassenerhalt, es träumt bestimmt niemand vom internationalen Geschäft. Aber wir haben an den ersten drei Spieltagen machbare Aufgaben, das kann gut losgehen. Im Pokal ist Gladbach eine harte Nuss. Aber wir spielen zu Hause, und in der Liga (1:2, Anm. d. Red.) hat uns Gladbach nun auch nicht dominiert.

SPORT1: Stichwort Gladbach: Marco Reus ist nicht viel älter als Sie, geht im Sommer von Gladbach nach Dortmund. War es schlau, wie er mit seinem Wechsel umgegangen ist?

Lasogga: Ich glaube, er hat das gut gelöst. Zwei Monate vor Ende der Saison wäre das sicher nicht so gut gewesen. Jetzt aber hat Gladbach Zeit, einen Ersatz zu finden - und Reus ist Profi genug, der wird sich weiter für Borussia reinhängen.

SPORT1: Reus hat Bayern einen Korb gegeben: Könnten Sie sich denn Bayern vorstellen?

Lasogga: Momentan bin ich sehr zufrieden in Berlin. Da fühle ich mich sehr wohl und will noch viel erreichen.

SPORT1: Aber Sie träumen insgeheim von England?

Lasogga: Die Premier League ist Ziel und Traum von mir. Die Art, wie in England gespielt wird, kommt mir sehr nahe. Schon wie die Stürmer da arbeiten, sich reinhauen und keinen Ball verloren geben. Man guckt auch schon mal, wie sich der ein oder andere Stürmer bewegt, wie eben auch ein Wayne Rooney. Ich finde diese Liga sehr anziehend - man weiß nie, was mal wird.

SPORT1: Das gilt ja vielleicht auch für die Nationalmannschaft und die bevorstehende EM...

Lasogga: Davon träume ich schon. Jeder würde lügen, wenn er sagen würde, dass er nicht dran denken würde. Ich spiele jetzt in der U 21, diese Erfahrungen kann mir schon mal keiner nehmen. Mein Ziel ist natürlich die A-Nationalmannschaft. Wenn Jogi Löw anrufen würde, dann würde ich nicht auflegen.

SPORT1: Wie denken Sie eigentlich über die immer wieder aufkommende Debatte darüber, dass Profi-Fußballer sich zu sehr als Söldner verstehen und sich nur bedingt mit ihrem Klub identifizieren? 492198 (DIASHOW: Die Bundesliga-Wechselbörse)

Lasogga: Alle Fußballer sind in gewisser Weise Söldner. Jeder spielt, um Geld zu verdienen. Die Zeit als Profi ist sehr begrenzt - höchstens 15, 16 Jahre, wenn es gut läuft. Da muss man versuchen, das Geld zusammenzukriegen, dass man danach entspannt leben kann. Aber das tut letztlich wohl jeder, insofern sind auch Journalisten Söldner. Ich finde das Thema wird insgesamt zu hoch gepusht. Denn ein Fußballer wird nie ins Spiel gehen und sagen: "Heute müssen drei Punkte her, weil ich kein Geld mehr auf dem Konto habe." Ich gehe immer raus und will Spaß haben. Dabei denke ich dann bestimmt nicht ans Finanzielle.

SPORT1: Ihr Trainer ist bei Eskisehirspor in der Türkei aus seinem laufenden Vertrag heraus zur Hertha gewechselt. Ist Michael Skibbe auch ein Söldner?

Lasogga: Ich würde da nicht groß unterscheiden zwischen Trainer und Spieler. Auch als Trainer willst du dich weiterentwickeln. Wenn man ein Angebot aus der Bundeliga bekommt, dann würde ich als Trainer nicht ganz so lange überlegen. Der Fan muss verstehen, wenn man den nächsten Schritt machen will.

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