Fall Favre: Gladbach zwischen Hoffen und Bangen
Mönchengladbach - Lucien Favre mimt im Augenblick den großen Schweiger.
Der Schweizer Fußballlehrer, der maßgeblich am Aufschwung von Borussia Mönchengladbach in dieser Saison beteiligt ist, lässt sich nicht in die Karten schauen.
Sein Vertrag bei der Borussia läuft noch bis 2013, doch sein bislang ausgebliebenes Treuebekenntnis nach den Transfers von Marco Reus (Borussia Dortmund)und Roman Neustädter (Schalke 04) zur neuen Saison lässt Raum für Spekulationen.
"Favre hat uns sehr geholfen"
Am liebsten würden die Borussen-Bosse zeitnah mit dem Erfolgscoach verlängern - am besten noch vor dem Schlagerspiel zum Auftakt der Rückrunde gegen Bayern München am Freitag (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER).
"Lucien Favre hat uns sehr geholfen. Er weiß, dass er bei Borussia ein exzellentes Standing hat. Wir setzen uns in den nächsten Wochen zusammen, sind aber sowieso permanent im Austausch", sagte der Vize-Präsident und Weltmeister von 1974, Rainer Bonhof, der "Bild".
Ein erstes Treffen mit dem Trainer soll noch vor dem Rückrunden-Start geplant sein.
Abgänge machen Favre skeptisch
Doch zumindest eine gewisse Resignation konnte man Favre nach den bevorstehenden Abgängen anmerken.
Zudem merkte der 54-Jährige schon einmal vielsagend an: "Es wird mit Sicherheit nicht leichter werden. Wichtig ist, dass jetzt kluge Entscheidungen getroffen werden."
Entscheidung mit Signalwirkung
Bei der Borussia bleibt man gelassen.
"Lucien Favre muss sich nicht öffentlich bekennen. Es reicht, dass wir intern wissen, wie er denkt", sagte Sportdirektor Max Eberl.
Doch auch Eberl und Co. wissen: Eine zeitnahe Vertragsverlängerung mit dem Coach würde in der Öffentlichkeit ein Zeichen setzen - eine Trennung könnte hingegen die Aufbruchsstimmung abrupt beenden.
Favre als Vater des Erfolgs
Ein Abgang Favres dürfte die Borussia noch schwerer treffen, als die Wechsel von Reus und Neustädter. Der jüngste Erfolg des fünfmaligen Meisters ist vor allem mit seinem Namen verbunden.
Favre hat den einst ruhmreichen Bundesligisten im Eiltempo vom Abstiegskandidaten zum Champions-League-Anwärter geformt. Als der Schweizer die Borussia im Februar 2011 übernahm, lag das Team abgeschlagen am Tabellenende.
Der Schweizer hauchte seinem Team neues Leben ein, führte die Borussen noch auf Tabellenplatz 16 und schaffte über die Relegationsspiele gegen den VfL Bochum den Klassenerhalt.
Beste Hinrunde seit 35 Jahren
In dieser Spielzeit starteten die Gladbacher unter dem Eidgenossen dann bis in die Tabellenspitze durch. Schon jetzt ist Favre der nach dem Punkte-Schnitt erfolgreichste Gladbach-Coach aller Zeiten - unter ihm feierte die Borussia die beste Hinrunde seit 35 Jahren.
Gelingt gegen den Rekordmeister ein Sieg, würden die Rheinländer bis auf einen Punkt an den Herbstmeister heranrücken und dürften sogar vom Titel träumen.
Schon im Hinspiel zum Saisonstart hatten die Favre-Schützlinge mit einem überraschenden 1:0-Erfolg drei Punkte aus München entführt.
Fürchtet Favre ein Déjà-vu?
Nicht umsonst nannte der ehemalige Bundestrainer und Gladbach-Ikone Berti Vogts Favre schon im Herbst einen "Heilsbringer". Bei einer Umfrage des Sportmagazins "kicker" unter den Bundesligaprofis wurde er zudem zum "Gewinner unter den Trainern" gewählt.
Doch Favre dürfte sich vor allem nach dem Reus-Transfer an die eigene Vergangenheit erinnert fühlen.
Vor drei Jahren verpasste er mit Hertha BSC aus Berlin nur knapp den Bundesliga-Titel und bekam den Spitznamen "Super-Hirnli" verpasst.
Danach verkaufte der Hauptstadtklub in Andrej Woronin, Marko Pantelic und Josip Simunic drei Leistungsträger und stürzte in der folgenden Saison bis auf den letzten Tabellenplatz ab.
Auf Platz 18 musste Favre damals gehen.
Gladbacher planen nächsten Schritt
Sieht Gladbach eventuell ebenfalls diese Parallelen?
"Hertha hat damals nichts mehr in die Mannschaft gesteckt. Wir re-investieren im Sommer die gesamte Reus-Ablösesumme in unser Team, um den nächsten Schritt zu gehen", sagte Sportdirektor Eberl.
Gerade die Aussicht auf eine Einkaufstour soll dem Trainer einen Verbleib in Mönchengladbach schmackhaft machen: "Lucien Favre ist ein Trainer, der etwas aufbauen möchte. Und genau das kann er bei uns tun."
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