"Natürlich kann ich Reus' Position spielen"
Von Christian Paschwitz
München/Belek - Mit Finnen kennen sie sich aus bei Borussia Mönchengladbach.
Spätestens seit Mikael Forssell, der die "Fohlen" einst vor dem Abstieg rettete und Publikumsliebling war.
"Mikael ist bei den Länderspielen mein Zimmernachbar. Er hat mir nur Gutes über Borussia erzählt", sagt mit Alexander Ring nun der nächste Finne am Niederrhein.
Die 20-jährige Leihgabe von Meister HJK Helsinki, der mit seinen skandinavischen Eltern lange in Bonn lebte und in der Jugend von Bayer Leverkusen kickte, ist heiß auf seine neue Aufgabe in der Bundesliga.
Und den Rückrunden-Start mit dem "Knaller gegen Bayern" (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER).
Im SPORT1-Interview spricht Ring auch darüber, wie er den scheidenden Marco Reus ersetzen könnte, über seinen Schalker Landsmann Teemu Pukki, Trainer Lucien Favre - und Vorfreude auf eine mögliche Glatze.
SPORT1: Herr Ring, wie fühlt sich Borussia Mönchengladbach an?
Alexander Ring: Es ist ein super Verein. Das war mir aber auch vorher schon klar. Der Verein war für mich die erste Wahl. Ich wusste auch, dass in der Bundesliga alles etwas professioneller abläuft als in Finnland. Das Spiel ist vielleicht nicht unbedingt härter, dafür präziser. Ich wache jetzt aber bestimmt nicht morgens mit Muskelkater auf.
SPORT1: So ähnlich wie Ihnen ist es vor kurzem wohl auch Teemu Pukki gegangen, mit dem Sie kürzlich noch zusammen gespielt haben und der nun Ihr Gegner beim FC Schalke 04 ist…
Ring: Wir haben schon ein paar Mal miteinander gesprochen, seitdem er in der Bundesliga ist - und er ist froh, dass ich nun auch hier bin. Er wohnt ja jetzt auch in der Nähe, da werden wir uns öfters sehen und auch mal einen Kaffee trinken gehen.
SPORT1: Stichwort zusammen spielen: Sind Sie eigentlich ein bisschen wehmütig, dass Sie mit Star-Spieler Marco Reus, der im Sommer nach Dortmund geht, nur noch kurz in einem Team stehen?
Ring: Leider kann man daran nichts ändern: Spieler kommen und gehen, so ist das Geschäft. Ich glaube, Marco wird jetzt nicht schlechter spielen und in diesem letzten halben Jahr noch mal alles geben. Es ist ein neuer Karriere-Schritt für ihn, den muss er nun vielleicht auch gehen. Für den Verein ist es natürlich hart, dass Spieler wie Marco Reus oder Roman Neustädter den Verein verlassen. Aber viele haben damals in Gladbach auch nach dem Abgang von Marko Marin gesagt: Jetzt geht nix mehr. Aber es geht immer weiter - mit neuen Spielern.
SPORT1: Sie sind ja nun neu bei der Borussia - und Sportdirektor Max Eberl hat bei Ihrer Verpflichtung geschwärmt, Sie könnten alle vier Mittelfeld-Positionen besetzen…
Ring: Normal spiele ich zentral-defensiv, jetzt im Moment eher außen. Und Marco Reus spielt viel offensiver. Aber ich kann natürlich auch Reus' Position spielen, das ist kein Problem - wenn der Trainer mich da aufstellt. Der neue Reus bin ich aber nicht. Wir sind komplett andere Spieler.
SPORT1: Welche Rolle hat Lucien Favre bei Ihrem Wechsel gespielt?
Ring: Ich wollte einen Trainer, der mich entwickelt, und Lucien Favre hat dafür einen guten Ruf. Er will junge Spieler formen, diesen Eindruck hatte ich schon länger. Und das ist enorm wichtig für mich.
SPORT1: Und wenn Favre im Sommer ginge?
Ring: Da mache ich mir keine Gedanken. Auch Trainer kommen und gehen, doch selbst dann geht das Leben weiter. Ich hoffe aber, dass Favre noch lange bleibt.
SPORT1: Gladbach spielt eine sensationell starke Saison, ist Vierter. Das internationale Geschäft muss inzwischen doch das Ziel sein, oder?
Ring: Wir denken nur von Spiel zu Spiel und wissen, wie knapp es im letzten Jahr noch im Abstiegskampf war. Wir werden jetzt bestimmt nicht arrogant und anfangen, über Europa zu reden.
SPORT1: Dann haben Sie also auch keine Sorge über Ihre Frisur? Dante hat gesagt, er werde dafür sorgen, dass jeder Spieler eine Glatze rasiert bekommt, sollte die Borussia gar in die Champions League kommen.
Ring: Ich weiß zwar nicht, wie er das schaffen will mit dem Rasieren. Es wäre aber ganz lustig und dann auch nur halb so wild. Die Haare wachsen ja auch wieder nach - wenn man dafür Champions League spielt...
SPORT1: Erst einmal muss sich Gladbach aber mit dem FC Bayern messen.
Ring: Auf den Knaller gleich gegen Bayern freue mich natürlich sehr. Das ist eine Top-Mannschaft, eine Top-Herausforderung. Leider habe ich bisher nur in der Jugend gegen sie gespielt. Aber auch dem Schalke-Spiel fiebere ich entgegen, wenn es gegen Pukki geht.
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