"Jeder darf vom Titel träumen"
Von Mathias Frohnapfel
München - Er ist einer der Baumeister des Mönchengladbacher Höhenflugs in dieser Saison.
Zusammen mit Trainer Lucien Favre hat Sportdirektor Max Eberl die neue Borussia auf die Beine gestellt.
Die "Fohlen" stehen nach 18 Spieltagen sensationell auf Platz vier (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
Und der Verein will mit Favre erfolgreich in die Zukunft gehen. "Ich bin überzeugt, dass er noch sehr lange in Gladbach sein wird. Er passt sehr gut in diesen Verein", sagte Eberl im SPORT1-Doppelpass.
Daher wolle der Verein möglichst bald mit dem Erfolgscoach vorzeitig verlängern. "Er ist genau der richtige Trainer für uns. Natürlich ist die Intention, dass mit ihm fortzusetzen, was wir angefangen haben. Deshalb wollen wir verlängern."
Eberl bleibt auch nach dem Reus-Verkauf zu Borussia Dortmund ruhig. Er hat schon gesagt, dass der komplette Transfer-Erlös für Reus von 17, 1 Millionen Euro in die Mannschaft investiert werde: "Wir werden aber nicht zehn oder zwölf Millionen Euro auf einen Spieler setzen."
Vor dem Spiel in Stuttgart (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER) spricht Eberl im SPORT1-Interview über die tolle Saison der Gladbacher, die Zukunft von Trainer Favre und die Talente des Klubs.
SPORT1: Herr Eberl, die Erwartungshaltung von Fans und Öffentlichkeit hat durch den Sieg gegen Bayern nochmal angezogen. Wie reagiert die Mannschaft darauf?
Max Eberl: Nach Bekanntwerden des Wechsels von Marco Reus wurde ja eine Hysterie aufgebaut, als ob der Verein zusammenbrechen würde. Dass die Mannschaft darauf aber professionell reagiert, hat sie gegen die Bayern gezeigt. Die Spieler haben nur ihre persönlichen Leistungen und Spiele im Auge. Sie können sich gut einschätzen, wissen, dass sie an einem guten Tag jeden schlagen können.
SPORT1: Dürfen die Spieler denn vom Titel träumen?
Eberl: Träumen darf jeder. Ob es der Spieler ist, der Trainer oder der Sportdirektor - vorausgesetzt, dass man dabei nicht die Realität aus den Augen verliert.
SPORT1: Und darf man als Spieler auch von der Meisterschaft sprechen?
Eberl: Jeder Spieler darf das sagen, was er für richtig hält und was er gerade im Kopf hat. Aber ich denke, dass gerade unsere Spieler eine sehr realistische Einschätzung haben und wissen, was die Bundesliga bedeutet.
SPORT1: Wird es nun auch gegen vermeintlich schwächere Gegner schwieriger, weil jeder den Ehrgeiz hat, Gladbach zu schlagen.
Eberl: Das bringt der Erfolg so mit sich. Gestartet sind wir in diese Saison als vermeintlicher Underdog, der nur gerade eben so die Relegation geschafft hat. Nach der Hinrunde und dem Sieg gegen Bayern sind wir jetzt in den höchsten Tabellenregionen. Dementsprechend wird unsere Qualität ganz anders wahrgenommen.
SPORT1: Was bedeutet das für das Spiel gegen Stuttgart?
Eberl: Es wird wie in jedem Bundesliga-Spiel extrem schwierig. Jedes Spiel muss mit 100 Prozent Engagement, Konzentration und Vorbereitung angegangen werden. Das gilt auch für das Spiel in Stuttgart. Und: Dort haben wir in den letzten Jahren sehr schlecht ausgesehen.
SPORT1: Der Vertrag mit Lucien Favre läuft noch bis 2013. Trotzdem möchte Gladbach am liebsten schon jetzt verlängern. Warum?
Eberl: Der Trainer ist ein wichtiger Bestandteil des Klubs, in meiner Ära habe ich in Michael Frontzeck ja erst einen Trainer entlassen müssen. Favre passt sehr gut zum Verein und zur Mannschaft, das möchten wir damit unterstreichen.
SPORT1: Favre scheint sich noch zu zieren. Sie haben aber bereits von positiven Signalen gesprochen. Was macht Sie zuversichtlich?
Eberl: Er fühlt sich wohl in Gladbach und kann kontinuierliche Arbeit leisten. Wir hoffen einen gemeinsamen Nenner zu finden und uns dann auf den Sommer konzentrieren zu können.
SPORT1: Was sagen Sie eigentlich zu Ihrem neuen Spitznamen "Dagobert Duck", der Ihnen beim Neujahrsempfang der DFL verpasst wurde?
Eberl: Dieser Name wurde nur ein oder zwei Mal von Kollegen erwähnt und bezieht sich auf die Millionen, die der Transfer von Marco Reus in die Kassen spült. Ich nehme es mit einem Schmunzeln zur Kenntnis, weiß aber auch, dass die Aufgabe dadurch nicht leichter wird.
SPORT1: Ist es nun schwieriger in eine Verhandlung zu gehen, wenn die anderen Klubs wissen, dass bei diesem Verein jetzt Geld vorhanden ist?
Eberl: Das wird sich zeigen. Natürlich weiß man, dass wir Geld zur Verfügung haben und das Optimum rausholen möchten. Für uns ist aber wichtig, dass wir gute Spieler sehen und ihnen zu verstehen geben, dass wir sie verpflichten wollen. Die Gespräche mit den Vereinen kommen dann erst an dritter Stelle.
SPORT1: Es wurde schon viel über die Gladbacher Talente wie etwa Patrick Herrmann gesprochen. Aber auch die Personalie Tony Jantschke ist interessant. Ist das für Sie ein Spieler, der um einen Platz im Nationalteam kämpfen kann?
Eberl: Fakt ist erstmal, dass sowohl Patrick Herrmann als auch Marc-Andre ter Stegen und Tony Jantschke zur Zeit Stammspieler der U21 und damit auch im erweiterten Fokus des DFB sind. Wenn sie ihre bisherigen Leistungen bestätigen, kommen die von Ihnen angesprochenen Schritte ganz von allein. Es ist auf jeden Fall ein wichtiger Stützpfeiler unserer Philosophie, unsere eigene Jugend nach vorne zu bringen.
SPORT1: Mit nur zwölf Gegentoren hat die Borussia nach 18 Spielen die beste Defensive der Liga. Freut Sie das als ehemaliger Verteidiger besonders?
Eberl: Das zeigt auf jeden Fall, dass wir in diesem Bereich ein sehr großes Potenzial haben. Die Abgänge der Offensivkräfte Marco Reus und Roman Neustädter werden die Defensive nicht beeinträchtigen und das ist eine gute Basis, um einerseits erfolgreich Fußball zu spielen und andererseits im Sommer das Hauptaugenmerk auf Neuzugänge für die Offensive legen zu können.
SPORT1: Haben Sie das Gefühl, dass diese starke Defensive zu wenig Wertschätzung erfährt und Spieler wie etwa ein Martin Stranzl zu selten in der Öffentlichkeit gelobt werden?
Eberl: Stranzl, Dante, ter Stegen, Nordtveit oder auch Jantschke haben bisher Großartiges geleistet. Aber im Fußball ist es nun mal so, dass gerne die Offensive gesehen wird. Aber die Basis eines Fußballspiels ist definitiv, dass man nicht allzu viele Gegentore bekommt und nicht ständig einem Rückstand hinterher laufen muss, sondern sein eigenes Spiel aufziehen kann. In unserem Fall ist es das Konterspiel und das kann man mit einer 1:0-Führung im Rücken eben noch besser betreiben.
Zum Forum - hier mitdiskutieren!
Zurück zur Startseite


