Favres Erfolgsformel: Hab' Acht!
Von Maik Rosner und Mathias Frohnapfel
München/Mönchengladbach - Gegen den prognostizierten Einbruch haben sie sich einfach verteidigt.
So, wie sie das schon in der Hinrunde erfolgreich praktizierten, als sie sich den Ruf des Überraschungsteams erwarben.
Und weitere kleinere und größere Sensationen dürfte Borussia Mönchengladbach auch in der Zukunft im Programm haben.
Dass sich die Mannschaft von einem Beinahe-Absteiger zum Kandidaten für die Champions League entwickelt hat, liegt vor allem an der Defensivarchitektur des Trainers.
Ball stibitzen und kontern
Lucien Favre predigt vereinfacht gesagt eine Erfolgsformel, die auch beim 3:1-Sieg gegen den FC Bayern München wieder gut zu beobachten war (Herrmann: "Wir werden uns jetzt nicht ausruhen").
Die Erfolgsformel lautet: "Hab' Acht und kontere schnell!"
Zwei Viererketten lässt der Schweizer wie ein engmaschig verwobenes Netz vor dem Strafraum aufbauen - acht (!) Spieler also - die nur eines im Sinn haben:
Den Gegner in die Enge treiben, den Ball stibitzen und die aufgerückte Defensive mit rasanten Kontern überrumpeln.
"Geschlossene Defensivleistung"
Für Martin Stranzl, Innenverteidiger der Gladbacher, war das gegen die Bayern das Erfolgsrezept, das wie schon beim 1:0-Sieg im Hinspiel griff (Bericht: Katzenjammer und Schuldsuche bei Bayern).
"Wir haben wenig zugelassen und eine geschlossene Defensivleistung gezeigt", sagt der ehemalige Profi von FCB-Lokalrivale 1860 München im Gespräch mit SPORT1:
"Wir wussten schon vorher, dass wir unsere Konterchancen suchen müssen. Und diese haben wir zum Glück auch genutzt."
Gladbacher Spinnennetz
Das Gladbacher Spinnennetz ist auch deshalb so stabil, weil sich die Spieler bei gegnerischen Angriffen besonders eng zusammenziehen.
Wie eine Doppelwand stehen dann die beiden Viererketten, also quasi acht Verteidiger, vor der Offensive der ballführenden Mannschaft.
Und da bereits die eigenen Angreifer den Aufbau stören, sind Ballverluste in der Enge programmiert.
Taktik eingetrichert
"Der Trainer hat der Mannschaft von Anfang an eingetrichtert, dass sie geschlossen verteidigen muss, um erfolgreich zu sein. Das haben wir gut verinnerlicht", sagt Stranzl und verweist auf die Entwicklung, die die gelehrigen Schüler auf dieser Grundlage durchlaufen haben:
"Seit dieser Saison geht es auch darum, besser nach vorne zu spielen, verschiedene Varianten einzustudieren und dann schnell umzuschalten."
"Champions League möglich"
Das gelang zuletzt gegen die Bayern, natürlich begünstigt durch Manuel Neuers Fehler vor dem 0:1 durch Marco Reus in der Anfangsphase, besonders gut beim zweiten und dritten Tor durch Patrick Herrmann.
Chancen der Münchner waren dagegen kaum zu sehen.
Weil es weiterhin gut läuft und sich der prognostizierte Einbruch der Borussia bisher nicht einstellt, glaubt Stranzl an weitere Überraschungen, vielleicht sogar an die Sensation.
Der Einzug in die Champions League sei zu schaffen, "wenn es so weitergeht. Wenn wir weiterhin so konsequent sind, wird das möglich sein", sagt Stranzl zu SPORT1.
Favorit Gladbach
Eine Schwäche könnte das allerdings durchkreuzen.
Gegen Mannschaften, die selbst auf eine eher defensive Taktik samt Kontern setzen, stellten sich zuweilen Probleme ein, wie bei den drei 0:1-Niederlagen in Freiburg, Hoffenheim und Augsburg.
Favre wird wohl an einer weiteren Erfolgsformel tüfteln müssen, wenn Gladbach als Favorit ins Spiel geht.
Und das wird immer häufiger der Fall sein.
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