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Rafael van der Vaart (r.) wechselte im vergangenen Sommer zu Real Madrid © imago

Mit Ivica Olic verliert der HSV erneut einen absoluten Leistungsträger. Doch die Hamburger sehen den Umbruch als Chance.

Von Matthias Becker

München - Man sagt den Hanseaten nach, klug kalkulierende Geschäftsleute zu sein.

Ein Klischee, sicher, aber die Entwicklung rund um den Wechsel von Ivica Olic vom Hamburger SV zum FC Bayern München sprechen dafür, dass auch ein Fünkchen Wahrheit an diesem Klischee dran ist.

Zwar ist ein sofortiges Tauschgeschäft zwischen Olic und Bayern-Reservist und -Dauerquerulant Lukas Podolski erstmal vom Tisch (Podolski frühestens im Sommer zum HSV)). HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer hält eine Verpflichtung des Nationalstürmers als Ersatz für Olic aber weiterhin für möglich.

Dritter Publikumsliebling vor dem Abgang

Die frühzeitigen Planspiele über einen adäquaten Olic-Ersatz, sie sind nur ein neues Beispiel für die nüchterner Entscheidungen im Sinne des großen Ganzen - des langfristigen Erfolg des HSV (Teamseite). Auf erworbene Meriten wird wenig Rücksicht genommen, Olic ist binnen eines Jahres schon der dritte Hamburger Publikumsliebling, der die "Rothosen" verlassen wird.

Während "Eintänzer" Timothee Atouba von sich aus das Hamburger Angebot zur Vertragsverlängerung ablehnte und spätestens im Sommer den Verein verlässt, war auch die Personalie Rafael van der Vaart zu Beginn dieser Saison erstaunlich schnell abgehakt.

Lange hatten die Hamburger um ihren Spielmacher und Publikumsliebling gekämpft. Als er dann nicht mehr zu halten war und zu Real Madrid wechselte, putzte man sich beim HSV den Mund ab, plante um - und war erfolgreich.

Reinhardt zögert mit Vertragsverlängerung

Da wird es die HSV-Verantwortlichen kaum schocken, dass auch Verteidiger Bastian Reinhardt (Spielerporträt) vor dem Abgang stehen könnte. Das Angebot zur Vertragsverlängerung lässt ihn sehr zweifeln.

"Das hat mich nicht vom Hocker gehauen, da gibt es noch in allen Punkten etwas zu drehen", sagte der 33 Jahre alte Innenverteidiger dem "Hamburger Abendblatt"

Bleibt die Frage, ob die "Rothosen" ihn überhaupt mit aller Macht halten wollen.

Positiver Effekt nach van-der-Vaart-Wechsel

Fast scheint es, als wäre der Bundesliga-Dinosaurier HSV in der Lage, sich blitzschnell zu häuten und sich mit neuen Situationen anzufreunden.

"Besonders in den ersten Spielen war ein unglaublicher Drang da, Rafael van der Vaart vergessen zu lassen", blickt Beiersdorfer im Gespräch mit "Spiegel online" auf den Beginn der aktuellen Saison zurück. Vor allem Piotr Trochowski blühte nach dem Abgang des Niederländers auf, insgesamt wurde das Hamburger Offensivspiel unberechenbarer.

Ohne van der Vaart spielte sich der HSV bis auf Rang vier der Tabelle vor, nur zwei Punkte hinter dem Spitzenduo Hoffenheim und Bayern. Auch im DFB-Pokal und im UEFA-Cup ist die Mannschaft des ebenfalls noch recht frischen Trainers Martin Jol noch dabei.

Das Gehaltsgefüge soll gewahrt bleiben

Mit diesen positiven Erfahrungen gehen sie beim Traditionsklub jetzt wohl auch an die Olic-Situation heran. Zumal mit dem Wechsel des Kroaten nach München ein potenzieller Unruheherd frühzeitig vermieden wurde.

"Wir wollen nicht, dass hier jemand vier oder fünf Millionen Euro verdient. Daher war es schwer, Ivica Olic zu halten", gesteht Beiersdorfer unumwunden ein. Das Gehaltsgefüge und damit auch die Ruhe im Kader ist den Hamburger wichtiger als die Dienste ihres Stürmers, der in der ersten Saisonhälfte in den Pflichtspielen zwölf Tore erzielte und acht vorbereitete.

Eine Position wie gemalt

Ob ein Lukas Podolski die gleiche Quote bringen würde, ist nicht klar. Klar ist aber, dass er sich für einen Bundesliga-Stammplatz nach dem Bayern-Fiasko voll reinhängen wird. Zumal die Position von Olic auf der linken Angriffsseite für ihn wie gemalt ist.

Das Potenzial zum neuen Publikumsliebling hat "Poldi" obendrein.

Eine Verpflichtung des "Prinzen" würde sich für den HSV also durchaus lohnen - ganz nüchtern betrachtet.

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