

"Langsam habe ich die Schnauze voll"
Von Reinhard Franke und Jürgen Blöhs
München - Eigentlich ist Dieter Hecking ein ruhiger Typ.
Im SPORT1-Interview hatte Nürnbergs Coach vor dem Spiel bei seinem Ex-Klub Hannover 96 noch gesagt, ihn könne eigentlich nichts aus der Ruhe bringen.
Es dauert zumindest sehr lange, bis Hecking mal aus der Haut fährt.
Dass er nach dem Spiel aber sofort Gelegenheit bekommen würde, um sein Temperament mal auf Betriebstemperatur zu bringen, hätte der gebürtige Westfale wohl auch nicht gedacht.
Seine Mannschaft hatte soeben 0:1 in Hannover verloren ( Bericht). Nach zuletzt neun Punkten aus den letzten fünf Bundesliga-Partien (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
In Hälfte zwei das bessere Team
Nach klaren Vorteilen der Hannoveraner in Halbzeit eins und 61 Prozent Ballbesitz waren die drei Zähler im zweiten Durchgang noch gewaltig in Gefahr geraten.
Nürnberg war nämlich die bessere Mannschaft, kam stark auf und bestimmte über weite Strecken das Geschehen.
Pogatetz-Tätlichkeit wird nicht geahndet
96 hatte in dieser Phase Glück, das Spiel in kompletter Besetzung beenden zu können.
Was Hecking erzürnte, war eine Szene in der 59. Minute:
Hannovers österreichischer Nationalspieler Emanuel Pogatetz ließ sich im Strafraum zu einem Schlag in den Nacken des Nürnbergers Philipp Wollschied hinreißen. Eigentlich eine klare Tätlichkeit. So sahen es auch Hecking und seine Spieler.
"Entscheidungen gegen uns summieren sich"
"Das war eine klare Tätlichkeit. Es hätte die Rote Karte und Elfmeter geben müssen", echauffierte sich Hecking gegenüber SPORT1.
Einmal so richtig in Fahrt fügte er wütend hinzu: "Langsam habe ich die Schnauze voll. Die Entscheidungen gegen uns summieren sich."
Das Argument, dass sich solche Entscheidungen während einer Saison ausgleichen, wollte Hecking erst gar nicht hören.
Spielentscheidende Szene
"Mittlerweile sind es sieben Spiele mit gravierenden Entscheidungen gegen uns", so der 46-Jährige. "Da wird es schwer, das in den letzten 15 Spielen bis zum Saisonende noch auszugleichen. Daran glaube ich nicht."
Für Hecking war diese Szene die spielentscheidende: "Wir hätten das 1:1 gemacht und noch eine halbe Stunde Zeit, gegen zehn Mann das Siegtor zu schießen."
Wollscheid realistisch und zuversichtlich
Wollscheid selbst regte sich nicht so sehr über das unfaire Verhalten von Pogatetz auf, sondern ärgerte sich vielmehr über die verschlafene erste Hälfte.
"Wir wollten hier heute was mitnehmen und von Beginn an so spielen, wie wir es zweite Halbzeit gemacht haben", sagte der Abwehrspieler zu SPORT1.
"Wir müssen uns alle klar werden, dass wir im Abstiegskampf stecken. Aber ich bin sicher: Wenn wir kämpfen und alles geben, werden wir die nötigen Punkte holen", betonte Wollscheid
Hecking macht vor allem die Steigerung nach der Pause Mut für die nächsten Spiele. "Die zweite Halbzeit war klar besser. Da haben wir taktisch umgestellt. Da hat man gesehen, dass wir etwas mitnehmen wollten."
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