

Gladbachs Konter-Könige: Keine Zeit zum Träumen
Von Olaf Mehlhose
München - Die Gladbacher Fans feierten ihre Helden noch lange nach dem Abpfiff mit euphorischen Gesängen.
Nach der neuerlichen Gala-Vorstellung ihrer Borussia beim VfB Stuttgart träumen einige Anhänger schon von der ersten Teilnahme an der Champions League. (DIASHOW: Der 19. Spieltag)
Mit gutem Grund: Nach dem 3:0 (1:0) beim vermeintlichen Angstgegner ( Bericht) beträgt der Abstand zu Platz fünf, der das Tor zur Champions League verschließen würde, bereits acht Punkte.
Aber vor allem die Art und Weise, in der der Sieg der "Fohlen" zu Stande kam, sollte Anlass zur Zuversicht geben. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
Gladbacher Understatement
Das Gladbacher Abwehrbollwerk um Rückkehrer Dante war erneut nicht zu bezwingen.
Auf der anderen Seite des Feldes produzierten der überragende Marco Reus, Patrick Herrmann und Co. einen atemberaubenden Gegenstoß nach dem anderen.
Doch Gladbachs Konter-Könige zeigten sich auch nach dem Bravourstück von Stuttgart, wo es in der vergangenen Saison eine peinliche 0:7-Pleite gesetzt hatte, weiterhin als Meister des Understatements.
Fragen nach einer möglichen Qualifikation für die Champions League blockten Gladbachs "Himmelsstürmer" kategorisch ab.
"Nicht so viel träumen"
"Wir dürfen nicht so viel träumen, sondern müssen weiterhin so kompakt stehen", warnte Abwehrspieler Dante und gab Platz fünf als Ziel aus.
Auch Mike Hanke ließ sich nicht aus der Reserve locken - der Sieg sei keinesfalls so souverän gewesen, wie sich das Ergebnis liest.
"Es täuscht ein bisschen. Wir haben heute nicht die Souveränität der Heimspiele gezeigt. Nichtsdestotrotz sind wir stolz und zufrieden, dass wir gewonnen haben" sagte der Angreifer, der seine Mannschaft mit seinem Führungstreffer (31.) auf die Siegerstraße gebracht hatte, bei LIGA total!:
"Wir bleiben realistisch. Wir sind noch keine Spitzenmannschaft und haben nicht vergessen, wo wir herkommen."
Favre warnt
Lucien Favre wird die Worte seines Spielers gerne vernommen haben, der Schweizer gilt als unnachgiebiger Perfektionist, der auch nach Siegen noch nach Verbesserungsmöglichkeiten sucht.
Das Formulieren offensiver Saisonziele ist seine Sache hingegen nicht.
"Wir wollen so viele Punkte wie möglich sammeln. Wir schauen nur auf uns, denn es wird noch sehr schwer für uns in den kommenden Wochen. Schon am nächsten Samstag in Wolfsburg wird es sehr hart", sagte Favre.
Reus kritisiert Chancenverwertung
Hart wurde es in Stuttgart allerdings nicht mehr. Torjäger Reus (81.) und Igor de Camargo (84.) besiegelten in Hälfte zwei den den ersten Erfolg der Borussia gegen Stuttgart seit sieben Jahren.
Aber auch Reus, der nach seinem inzwischen zwölften Saisontreffer eigentlich allen Grund hätte abzuheben, übte sich in Bescheidenheit.
"Wir gucken von Spiel zu Spiel", sagte der 22-Jährige: "Es ist ein schönes Gefühl, da oben drin zu stehen. Ich glaube, man merkt uns an, dass wir im Moment großen Spaß am Fußball haben. Aber die Saison ist noch sehr lang."
Und auch wenn Reus einräumte, "in diesem Jahr öfter auf die Tabelle zu schauen als im letzten Jahr", wies er im gleichen Atemzug darauf hin, dass in Stuttgart trotz des Sieges nicht alles perfekt gelaufen sei.
"Schon in der ersten Halbzeit hatten wir einige Möglichkeiten, in der zweiten haben wir auch noch zahlreiche Chancen vergeben. Wir hätten den Sack früher zumachen müssen", meinte der "Fohlen"-Goalgetter.
"Ein Konstrukt, das passt"
Sportdirektor Max Eberl hieb in die gleiche Kerbe. "Wir haben derzeit ein Konstrukt, das sehr gut passt. Aber wir können uns noch verbessern", sagte der 38-Jährige.
Im SPORT1-Interview hatte er zuvor bereits angekündigt, dass in Gladbach niemand die Bodenhaftung verlieren werde.
"Träumen darf jeder. Ob es der Spieler ist, der Trainer oder der Sportdirektor - vorausgesetzt, dass man dabei nicht die Realität aus den Augen verliert", so Eberl.
Für forschere Ansagen sind die Erinnerungen an die letzte Saison, in der die Borussia bis zum Saisonende in akuter Abstiegsgefahr war, offenbar noch zu frisch.
Und wer weiß, vielleicht erweisen sich eine gesunde Selbsteinschätzung und der Fokus auf das Wesentliche im weiteren Saisonverlauf ja als die richtigen Strategien - im Kampf um den internationalen Wettbewerb, oder auch im Kampf um mehr.
Tasci schlägt Alarm
Gedanken an das internationale Geschäft dürften bei den Stuttgartern inzwischen passe sein.
Nach der vierten Niederlage in Folge muss sich der VfB an den unteren Tabellenregionen orientieren. Der Vorsprung auf den Abstiegs-Relegationsplatz beträgt nur noch vier Punkte.
"Man sieht, dass wir wollen, aber wir sind nicht clever genug. Wir brauchen endlich wieder ein Erfolgserlebnis, sonst wird es bald eng", sagte Kapitän Serdar Tasci.
Sven Ulreich sah es ähnlich. "Wir müssen unbedingt eine Schippe drauflegen", appellierte der Keeper an seine Mannschaftskollegen.
Ibisevic voller Zuversicht
Teamkollege Vedad Ibisevic hätte sich sein Debüt für seinen neuen Klub sicherlich anders vorgestellt.
Doch negative Stimmung ließ der bonische Stürmer gar nicht erst aufkommen: "Ich bin glücklich, dass ich jetzt hier bin und fühle mich gut."
Und auch das lange noch nicht perfekt laufende Zusammenspiel mit Sturmkollege Cacau bereitete ihm keine Sorgen.
"Es ging alles sehr schnell Wir konnten nur ein paarmal miteinander traineiren - aber mit guten Fußballern versteht man sich gut", stellte der Neu-Stuttgarter klar.
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