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Der FC Bayern ist für Jürgen Klinsmann die erste Station als Vereinstrainer © getty

Jürgen Klinsmanns erste Vorbereitung als FCB-Trainer verlief alles andere als störungsfrei. Doch die Vereinsoberen erwarten viel.

Von Daniel Rathjen

München - Der Beginn der Bundesliga-Saison 2008/2009 steht dicht bevor. Sport1.de stellt alle 18 Teams vor. Zum Abschluss: FC Bayern München.

Am 30. Juni betrat Jürgen Klinsmann offiziell das erste Mal in seiner Funktion als Coach des FC Bayern den Trainingsplatz an der Säbener Straße.

Er strahlte, sprühte vor Optimismus und verbreitete Aufbruchstimmung. Kaum etwas schien das Gemüt des ewig lächelnden 44-Jährigen trüben zu können. Aber direkt vor dem schweren Saisonstart weht ihm bereits Gegenwind ins Gesicht.

Große Erwartungen

Die Vereinsoberen erwarten viel. Für Präsident Franz Beckenbauer, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Manager Uli Hoeneß zählen nur Erfolge. Dafür, dass sie auf einen zusätzlichen großen Transfer verzichtet und stattdessen viele Millionen Euro in das nach Klinsmanns Vorstellungen errichtete "Leistungszentrum" gesteckt haben, wollen sie Titel.

"Der Erfolg muss sich sofort einstellen", fordern die Bosse unisono.

Seine Zuversicht hat der "Sunny-Boy", der aus dem fernen Kalifornien kam und mit seiner Familie eine Villa in Grünwald bezog, deshalb längst nicht verloren, doch verlief seine erste Vorbereitung als Vereinstrainer alles andere als störungsfrei.

Arbeit macht einen "Riesenspaß"

Auf Grund von EM-Nachzüglern, Verletzungen und einer Asien-Reise wurde in Etappen trainiert, aktuell gibt es zudem viele Ausfälle. "Jeder ist individuell auf einem ganz anderen Stand", merkt "Klinsi" leicht besorgt an.

Trotz der schwierigen Situation mache ihm die Arbeit jedoch insgesamt einen "Riesenspaß".

Er kann schalten und walten in seinem neuen Leistungszentrum, das locker mit den Anlagen in Mailand oder Madrid mithalten kann. Dolmetscher, Achtstundentag, Buddhas als Dekoration, Sprachkurse, Workshops, Bibliothek und DJ-Pult bilden den Rahmen für optimale Bedingungen.

"Es geht darum, dass wir den Spieler besser kennen lernen und seine Interessensgebiete sehen", formuliert Klinsmann seine Intention.

Wer ist neu?

Vollkommen neu ist natürlich der Trainer: Für Jürgen Klinsmann ist der FC Bayern die erste Station als Vereinstrainer. Sein Gefolge ist beeindruckend. Es umfasst die Trainer Nick Theslof, Walter Junghans, Oliver Schmidtlein, Marcelo Martins, Thomas Wilhelmi, Darcy Norman sowie Chefscout Michael Henke und Manager Christian Nerlinger.

Als Verstärkung holte der Rekordmeister "nur" die ablösefreien Tim Borowski und Hans-Jörg Butt. Die angedachten Transfers von Gennaro Gattuso, Alexander Hleb und Mario Gomez scheiterten. "Aber wir holen keine Spieler mehr", stellte Hoeneß vor kurzem noch mal klar.

Wer ist der Hoffnungsträger?

Vor allem Klinsmanns "Ziehsöhne" aus DFB-Zeiten sollen unter dem Trainer aufblühen. Bei Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Marcell Jansen werden ebenso Leaderqualitäten vorausgesetzt wie bei Borowski.

Mark van Bommel soll die Jungen als neuer Kapitän auf dem Feld antreiben. Eine schwere Bürde trägt Keeper Michael Rensing, der aus dem großen Schatten von Oliver Kahn treten muss. Die Vereinsführung stärkt ihm uneingeschränkt den Rücken.

Wie ist die Stimmung?

Der sportliche Ist-Zustand ist noch nicht meisterlich. Zu zersplittet war die Vorbereitung, zu kurz die Eingewöhnungszeit der EM-Fahrer. Außerdem sind zu viele Leistungsträger verletzt.

Von den Offensivakteuren Franck Ribery und Luca Toni bis zum Abwehrchef Martin Demichelis, dessen Ausfall wohl am schwersten wiegt. Das Umfeld wird langsam nervös. Klinsmann und die Spieler bleiben aber (noch) gelassen.

Was sind die Ziele?

Wie immer beim FC Bayern sind die Ambitionen groß. Das Ziel ist mindestens die Verteidigung des Doubles. Springt auch der Champions-League-Titel heraus, wäre das auch ganz im Sinne der Führungsetage.

Doch vorrangig zählt für sie auch, dass in der Allianz Arena endlich wieder durchweg schöner Fußball zelebriert wird. Klinsmann will sein Team offensiv ausrichten und viel vertikal spielen.

Sport1-Prognose:

Der Start wird noch holprig, die Umstellung auf Klinsmann und auch auf Rensing wird dauern. Doch im Laufe der Saison fängt sich der Rekordmeister - die Mannschaft hat ausreichend Potenzial für den Gewinn der Meisterschaft und des Pokals.

Sind die Stars in Topform, braucht sich der FC Bayern auch in Europa nicht zu verstecken und kann mit der Dosis des berühmt berüchtigten "Bayern-Dusels" ins Halbfinale vorstoßen.

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