vergrößernverkleinern
Landon Donovan (l., mit Jürgen Klinsmann) bestritt sieben Bundesligaspiele für Leverkusen © getty

Landon Donovan, dem Winterneuzugang des FC Bayern, schlagen viele Zweifel entgegen. Er selbst ist von seinem Durchbruch überzeugt.

Von Maximilian von Harsdorf

München/Dubai - Seit Freitag ist Landon Donovan (Spielerporträt) mittendrin. War er vor der Winterpause lange nur Trainingsgast beim FC Bayern, so bewirbt er sich jetzt als vollwertiges Kadermitglied um einen Platz in der Rückrundenelf des Meisters.

Der US-Amerikaner hat sich reichlich viel vorgenommen für die nächsten Monate.

Zwischen 1999 und 2001 hatte er bei Bayer Leverkusen vergeblich versucht, in der Bundesliga Fuß zu fassen.

Diesmal soll alles besser werden: "Damals in Leverkusen war ich noch nicht bereit für Deutschland und die Bundesliga. Jetzt weiß ich, dass ich reif bin", gibt sich Donovan selbstbewusst.

"Würde gerne länger bleiben"

Beim Probetraining im November 2008 überzeugte er Bayern-Coach Jürgen Klinsmann (Porträt), mindestens bis März verstärkt er nun das Münchner Aufgebot.

Donovan, von Los Angeles Galaxy ausgeliehen, weiß schon jetzt: "Ich würde gerne länger bleiben."

Auch sein großer Fürsprecher würde Donovan gerne über den Frühling hinaus im Dress des FC Bayern sehen:

"Der Junge ist heiß, er will sich hier beweisen", lobt Klinsmann den Kapitän der US-Nationalmannschaft schon beinahe überschwänglich: "Er kreiert viele Überraschungsmomente, ist kreativ, schnell und hat einen starken Zug zum Tor."

Calmund lobt seine Entdeckung

Eigenschaften, die vor fast zehn Jahren auch Reiner Calmund bewogen hatten, Donovan im Alter von 17 Jahren nach Leverkusen zu lotsen. Der Ex-Manager erinnert sich bei Sport1.de: "Schon damals war bekannt, dass Landon Donovan ein außergewöhnlicher Spieler mit außergewöhnlicher Qualität ist."

An der Bundesliga-Tauglichkeit des zweifachen WM-Teilnehmers hat er er keine Zweifel.

"Donovan hat nicht nur in der MLS gut gespielt. Er wurde bei der U17-WM in Neuseeland noch vor den kommenden Stars aus Argentinien und Brasilien zum Spieler des Turniers gewählt, im WM-Viertelfinale 2002 gegen Deutschland war er der beste Amerikaner auf dem Platz", lobt Calmund.

Klinsmann wisse, was er mache. Donovans Wechsel zu den Münchnern habe "Hand und Fuß", führt der 60-Jährige daher aus.

Zurückhaltung bei den Verantwortlichen

Auffällig ist allerdings, wie zurückhaltend die anderen Bayern-Verantwortlichen dem Transfer begegnen.

Uli Hoeneß, durchaus dafür bekannt, jeden Neuzugang in höchsten Tönen zu preisen, hüllt sich bisher in höfliches Schweigen. Schon beim Probetraining des Amerikaners gab er nüchtern zu Protokoll: "Er wird jetzt mal zehn Tage mittrainieren, dann schauen wir weiter." Euphorie hört sich anders an.

Weniger diplomatisch gab sich einmal mehr Franz Beckenbauer.

Auf den Wechsel von David Beckham zum AC Mailand angesprochen, konnte er sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: "Ich sehe in einem Transfer für drei Monate wenig Sinn, egal um welchen Spieler es geht."

Klinsmanns Wunschspieler

Klar ist: Donovan ist der Wunschspieler des Trainers. Das weiß der Offensivallrounder selbst am besten: " Jürgen hat mich sehr unterstützt. Er kennt meine Qualitäten."

Ob das allerdings reicht, um sich auf Dauer in die Mannschaft des Rekordmeisters spielen zu können? Klinsmann hat sich bisher selten gescheut, unpopuläre Entscheidungen zu treffen.

Dennoch ist derzeit schwer vorstellbar, dass der Wahl-Kalifornier mit Weltmeister Luca Toni oder Miroslav Klose einen Teil des etablierten Sturmduos auf die Bank setzt und stattdessen auf Donovan vertraut.

Zumal ihm mit Lukas Podolski derzeit noch ein weiterer deutscher Nationalspieler zur Verfügung steht, zur neuen Saison wird dann Ivica Olic die "Roten" verstärken (Hoeneß: Olic-Deal ist perfekt).

Donovan glaubt an die Chance

Bei soviel Klasse in der Offensive ist sich auch Calmund nicht sicher, ob Donovan zum Zug kommt: "Es ist schwer bei Bayern München im Offensivbereich Stammspieler zu werden. Donovan ist eine hängende Spitze oder ein offensiver Mittelfeldspieler. Bayern hat Schweinsteiger, Ribery und Podolski (Der Kader des FC Bayern) - da wird es dann schon eng."

Donovan selbst sieht in der Konkurrenz keinen Nachteil: "Wenn man mit solchen Klasseleuten zusammenspielt, macht das einen selbst besser. Ich kann viel von ihnen lernen."

Verstecken will er sich nicht: "Ich glaube, dass ich eigene Qualitäten in die Mannschaft einbringen kann. Ich bin ein anderer Spieler als Luca, Miro und Lukas."

Donovan ist hoch motiviert. Verständlicherweise: Mit seinen 26 Jahren ist er kein Talent mehr. Die Zeit bei den Bayern dürfte seine letzte Chance sein, sich außerhalb der USA in einer höherklassigen Liga zu beweisen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel