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Von 2005 bis 2009 war Marcel Koller Trainer des VfL Bochum, zuvor war er in Köln tätig © imago

Österreich stellt neben Brasilien die meisten Legionäre in der Bundesliga - ganz zur Freude von Nationaltrainer Marcel Koller.

Von Daniel Michel

München - Kreativ, technisch versiert und torgefährlich:

Der von Austria Wien verpflichtete österreichische Nationalspieler Zlatko Junuzovic ist Werder Bremens neue Hoffnung im Kampf um die Europacup-Plätze ? und der 24-Jährige symbolisiert einen Trend in der Bundesliga: den Österreicher-Boom.

20 Kicker aus der Alpenrepublik spielen in der Bundesliga, nur Brasilien stellt die gleiche Anzahl an Legionären.

Das freut auch Marcel Koller, seit November Österreichs Nationaltrainer, im Interview mit SPORT1.

"Viele der Österreicher sind in ihren Klubs nicht einfach Ergänzungsspieler, sie kommen regelmäßig zum Einsatz", betont der 51-jährige Schweizer, der in der Bundesliga bereits den 1. FC Köln und den VfL Bochum trainierte. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Bei SPORT1 erklärt Koller, warum David Alaba einen Stammplatz beim FC Bayern erobern kann, er nimmt Marko Arnautovic in Schutz und verrät seine Ziele mit dem ÖFB-Team.

SPORT1: Herr Koller, die größte Anzahl an Legionären stellen in der Bundesliga Brasilien und - Österreich. Ein Vorteil für Ihre Arbeit als Nationaltrainer?

Marcel Koller: Die Anzahl an Legionären in der Bundesliga ist für den österreichischen Fußball ein sehr gutes Zeichen. Auffallend ist: Viele der Österreicher sind in ihren Klubs nicht einfach Ergänzungsspieler, sie kommen regelmäßig zum Einsatz und lernen in der Bundesliga schnell hinzu.

SPORT1: Profitiert auch die Bundesliga von den österreichischen Profis?

Koller: Blicken Sie zum VfB Stuttgart. Martin Harnik führt dort die interne Torschützenliste an - und der VfB hat mit ihm kürzlich den Vertrag bis 2016 verlängert. So haben auch deutsche Klubs einen Vorteil.

SPORT1: Österreichs "Fußballer des Jahres" ist David Alaba. Kann er sich einen Stammplatz beim FC Bayern erkämpfen?

Koller: David Alaba bringt die Qualität für einen Stammplatz beim FC Bayern mit. Er ist ein hervorragender Techniker, hat einen starken linken Fuß und leitet aus der Defensive auch Aktionen für die Offensive ein - wobei Alaba für mich ein klassischer Allrounder ist. Jupp Heynckes (Trainer des FC Bayern, Anm. d. Red.) führt ihn immer näher an die Mannschaft heran. Mit 19 Jahren ist David noch kein ausgereifter Spieler, doch er ist in der Lage, Tipps sehr schnell umzusetzen.

SPORT1: Mit Talent ausgestattet ist auch Marko Arnautovic. Allerdings rücken ihn Eskapaden bei Werder Bremen und Streit mit Ihrem Vorgänger Didi Constantini in ein schlechtes Licht.

Koller: Viele setzen Marko sofort mit Negativem in Verbindung, aber so ist es nicht. Ich habe mit Marko gesprochen ? und bei mir kommt ein positives Ergebnis heraus. Markos Kritiker vergessen: Er ist erst 22 Jahre alt. Wir Trainer müssen das Gute aus Marko herauskitzeln, damit er das Team nach vorne bringt. Werder Bremen arbeitet sehr gut mit ihm zusammen, auch ich will ihn unterstützen. Sein Talent ist einfach zu groß, um es zu verschenken.

SPORT1: In Bremen spielt nun auch Zlatko Junuzovic. Wie bewerten Sie den Transfer?

Koller: Es ist für ihn eine tolle Herausforderung. Spieler in Österreich wollen den nächsten Schritt machen - und in der Bundesliga ist alles viel größer: der Druck, die Stadien, der Konkurrenzkampf. Diese Bedingungen bringen einen jungen Profi weiter.

SPORT1: Ähnlich wie in der deutschen Nationalmannschaft haben zahlreiche Spieler des ÖFB-Teams Eltern, die im Ausland geboren sind. Müssen diese Spieler noch besonders um Anerkennung kämpfen?

Koller: Die Zeiten sind vorbei, bei der ein Spieler wegen der Herkunft seiner Eltern kritisch beäugt wird. Die Spieler leben nicht erst seit einem Jahr hier, wechseln schnell die Staatsbürgerschaft und das Trikot der Nationalmannschaft. Die Spieler, die für Österreich oder Deutschland auflaufen, sind in dem Land aufgewachsen, mit der Mentalität vertraut und besitzen oft große Kompetenz im Sozialen.

SPORT1: Seit drei Monaten sind Sie Österreichs Nationaltrainer. Wollen Sie den Verband - ähnlich wie Jürgen Klinsmann 2004 in Deutschland - umkrempeln?

Koller: Ich will mit den Verantwortlichen eine einheitliche Philosophie entwickeln, wozu das gleiche Spielsystem bei allen ÖFB-Teams zählen soll. Ich will die Durchlässigkeit zwischen dem A-Team und den Nachwuchs-Mannschaften funktionalisieren. Jedes Team soll im Angriff und in der Defensive ? wenn möglich - die gleiche Strategie verfolgen.

SPORT1: 1998 hat Österreich das letzte Mal bei einer WM mitgespielt. Nun sollen Sie sich in einer Gruppe mit Deutschland für die WM 2014 qualifizieren. Wie sieht Ihr Plan aus?

Koller: Die Qualifikation für die EM 2016 in Frankreich ist unser Hauptziel, denn dort dürfen erstmals 24 statt 16 Teams mitspielen. Aber ich habe dem ÖFB gesagt: Ich will bei der Qualifikation zur WM 2014 nicht einfach nur mitspielen. Ich will mit dem Team versuchen, das Unmögliche möglich zu machen. Deutschland ist im Moment die Übermacht, dahinter folgen Schweden und Irland - Österreich ist auf Platz vier. Ich will nichts versprechen, aber mit harter Arbeit und großer Leidenschaft kann das Team viel erreichen.

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