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Jean-Marie Pfaff im Gespräch mit SPORT1-Mitarbeiter Christian Stüwe © SPORT1

Der frühere Bayern-Torwart Jean-Marie Pfaff spricht bei SPORT1 über das Champions-League-Finale in München und Manuel Neuer.

Von Christian Stüwe

München - Es ist schon ein Weilchen her, dass Jean-Marie Pfaff das Tor des FC Bayern München hütete.

Vor 30 Jahren wechselte der Belgier zum Rekordmeister und wurde in den darauffolgenden sechs Spielzeiten zum Rückhalt der Mannschaft und Liebling der Fans.

Auch heute noch verfolgt der 58 Jahre alte Pfaff genau, was beim FC Bayern passiert.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Mein Herz liegt bei den Bayern, München ist meine zweite Heimat", sagt Pfaff im Gespräch mit SPORT1.

Im Interview spricht der Welttorhüter von 1987 über das Meisterchancen der Bayern, die Konkurrenz, die Situation in der Abwehr und Manuel Neuer.

SPORT1: Der FC Bayern hat den Rückrundenauftakt verpatzt und sich zuletzt gegen Wolfsburg schwer getan. Dortmund, Schalke und Gladbach sitzen ihnen im Nacken. Ist Ihr ehemaliger Verein für Sie dennoch weiterhin Favorit auf die Meisterschaft?

Jean-Marie Pfaff: Bayern ist immer Favorit. Die anderen Klubs haben dann Erfolg, wenn die Bayern nicht gut sind. Dann nutzen sie das aus. Aber der FC Bayern ist ein gut geführter Verein. Jetzt wird gesagt: Die Bayern haben gegen Wolfsburg nicht gut gespielt. Aber es ist auch schwer. Die anderen Mannschaften kommen nicht nach München um zu gewinnen, sondern um die Null zu halten. Da muss man erst mal durchkommen.

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SPORT1: Warum tun sich die Bayern da immer wieder so schwer?

Pfaff: Arjen Robben und Franck Ribery werden gedoppelt. Wenn dann die Flanken in die Mitte nicht kommen, steht auch Mario Gomez ganz alleine da. Wenn sie dann den Ball verlieren, müssen die Mittelfeldspieler viel arbeiten, um ihn zurückzuholen. Wie etwa Bastian Schweinsteiger, der jetzt nach seiner Verletzung zurückgekehrt ist. Ein großes Problem ist immer auch das, was Dritte reinreden. Ich habe das in meinen Jahren bei Bayern München erlebt. Aber ich denke, wenn sie in Hamburg nicht verlieren, sind sie auf Kurs. Dann muss man den anderen zeigen, dass man besser ist, dass man die Nummer eins ist. Das ist nämlich das Schwierige, Nummer eins zu bleiben.

SPORT1: Wie schätzen Sie die Konkurrenten Dortmund, Schalke und Gladbach ein?

Pfaff: Gladbach war letztes Jahr ganz unten und wäre beinahe abgestiegen. Sie haben es sich verdient, ganz oben dabei sein zu sein. Dortmund ist progressiv, die Mannschaft dort ist super aufgebaut worden in den letzten Jahren. Die Borussia hat in diesem Jahr in der Champions League gespielt und gesehen, dass das nicht so einfach ist. Da waren sie nicht lange dabei. Aber in der Bundesliga sind sie super und sie werden noch stärker werden. Schalke ist - seit ich damals zu den Bayern gekommen bin - immer ein Titelkandidat gewesen. Aber am Ende der Saison haben sie die Meisterschaft immer verpasst, weil irgendwas los war. Die lassen sich auch zu viel einreden.

SPORT1: Nach dem Ausfall von Daniel van Buyten wird es knapp in der Innenverteidigung der Bayern. Jerome Boateng und Holger Badstuber müssen in den nächsten Wochen wohl durchspielen. Reicht das für höchste Ansprüche?

Pfaff: Es ist schade, dass Daniel van Buyten verletzt ist. Aber Bayern München hat so viele Spieler, man muss das nicht dramatisieren. Die Spieler sind dafür geholt worden, die müssen das schaffen. Das ist auch wieder so ein Ding, dass man sich nichts einreden lassen darf. Und vielleicht ist van Buyten ja auch in der Schlussphase wieder dabei.

SPORT1: Manuel Neuer hat in Gladbach gepatzt, auch im Hinspiel war ihm ein Fehler unterlaufen. Wie schätzen Sie seine Leistungen bisher ein?

Pfaff: Er ist ein sehr guter Torwart. Man muss die jungen Torhüter immer unterstützen. Im ersten Spiel ist ihm der Fehler gegen Gladbach unterlaufen. Das war bei mir auch so, damals mit Uwe Reinders (Pfaff unterlief in seinem ersten Spiel für die Bayern 1982 ein Eigentor nach einem Einwurf von Reinders, Anmerk. d. Red.). Das passiert einmal, da muss man nicht lange drüber reden. Niemand macht gerne Fehler, vor allem, wenn die Mannschaft dann verliert. Das war bei ihm so und auch bei mir so. Er ist ein großer Torwart, er muss sich aber noch beweisen. Etwa, wenn er trotz einer Verletzung spielt. Und vor allem, wenn die Mannschaft schlecht spielt. Dann muss man als Torwart die Spiele gewinnen.

SPORT1: Neben der Meisterschaft ist es ein Ziel der Bayern, das Champions-League-Finale im eigenen Stadion hier in München zu spielen. Denken Sie, das ist ein realistisch?

Pfaff: Oh, das wäre schön! Ich hoffe, dass sie das schaffen. Das Champions-League-Endspiel in München ist eine einmalige Sache. Und wenn die Bayern dabei wären, denke ich auch, dass sie gewinnen würden. Sie hätten es verdient, für alles, was sie in den letzten 30 Jahren geleistet haben, wo sich so viel im Fußball verändert hat und viel mehr Geld investiert wird. Aber dafür muss man arbeiten, das bekommt man nicht umsonst.

SPORT1: Sehen Sie den FC Bayern auf Augenhöhe mit den internationalen Topteams?

Pfaff: Bayern München hat keine Schulden, der Verein arbeitet ökonomisch sehr gut und geht sehr gut mit den Fans um. Wenn man etwa Real Madrid sieht, die Schulden haben? bei allem Respekt, ich persönlich finde, die FIFA muss da einschreiten. Früher musste ein Trainer mit einem begrenzten Kapital und Geduld eine Mannschaft bauen. Jetzt kauft man immer neue Spieler, um dem Trainer zum Erfolg zu verhelfen. Klubs mit zu hohen Schulden, dürften nicht in der ersten Liga spielen. Egal, wie sie heißen. Außerdem finde ich es nicht gut, dass während der Saison neue Spieler gekauft werden dürfen. Früher konnte man nur im Sommer Spieler kaufen und musste dann ein ganzes Jahr durchspielen.

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