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Für Robin Dutt ist Bayer Leverkusen die fünfte Station als Trainer © dpa Picture Alliance

Im SPORT1-Interview spricht Bayer-Coach Robin Dutt über sein Verhältnis zu dem umstrittenen Star und seine Arbeit in Leverkusen.

Von Björn Seitner

München - Robin Dutt hat es in Leverkusen nicht gerade leicht.

Trotz Platz sechs in der Liga und dem Erreichen des Champions-League-Achtelfinals muss sich der Trainer von Bayer Leverkusen immer wieder öffentlicher Kritik erwehren. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Besonders die Diskussionen um Ex-Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack sorgen derzeit für großen Wirbel.

Dutt glaubt dennoch an ein versöhnliches Ende des 35-Jährigen bei Bayer.

"Ballacks Zeit in Leverkusen ist nicht vor dem 30. Juni vorbei. Bis dahin hoffen wir auf eine gute Zusammenarbeit, vor allem hinsichtlich des sportlichen Nutzens, das ist klar", sagt der Trainer.

Im SPORT1-Interview spricht Robin Dutt über Ballack, sein Verhältnis zu den Fans und das kommende Heimspiel gegen den VfB Stuttgart (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER).

Außerdem zieht der 47-jährige eine Bilanz seiner bisherigen Arbeit in Leverkusen.

SPORT1: Herr Dutt, wie fällt die Zwischenbilanz Ihrer bisherigen Arbeit in Leverkusen aus?

Robin Dutt: Wir hatten einen schwierigen Beginn mit vier Niederlagen in den ersten zehn Spielen. Hinzu kam noch, dass wir extremes Verletzungspech hatten. In der zweiten Hälfte der Hinrunde haben wir uns aber besser reingearbeitet und in den letzten neun Spielen nur eins verloren. Außerdem stehen wir im Achtelfinale der Champions League.

SPORT1: Sind Sie mit dem Start in die Rückrunde mit vier Punkten aus zwei Spielen zufrieden?

Dutt: Ja definitiv. Wir haben gegen Mainz gewonnen, in Bremen einen Punkt geholt. Damit haben wir den ersten Schritt gemacht. Im Bereich des Pressingverhaltens sind wir auf einem guten Weg. Das Team zeigt immer wieder eine gute Moral. Spielerisch waren wir in der Vorrunde noch ein ganzes Stück weg von der Idealvorstellung. In den ersten beiden Rückrundenspielen war jedoch auch in diesem Bereich eine Verbesserung festzustellen.

SPORT1: Ihr persönliches Ziel ist nun erst einmal die Europa League?

Dutt: Unser Ziel ist momentan ganz bewusst anders formuliert als zu Beginn der Saison: Wir wollen zuallererst gute Leistungen bringen. Die Punkte und die Tabellenplätze kommen dann von selbst.

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SPORT1: Bayer-Boss Wolfgang Holzhäuser hat aber ganz deutlich die Champions-League-Qualifikation gefordert.

Dutt: Im Prinzip war Leverkusen in den letzten Jahren, mit Ausnahme dieser Saison, immer auf Europa-League-Niveau. Da wir in diesem Jahr in der Königsklasse spielen, wollen wir natürlich auch gerne wieder dort spielen. Man muss aber auch sagen, dass das Spitzen-Quartett einen Punkteschnitt hat, mit dem sie am Ende der Saison über 70 Punkte haben würden ? das würde eigentlich für die Deutsche Meisterschaft reichen. Von dem her ist es dieses Jahr schon eine außergewöhnliche Saison.

SPORT1: War Bayers schlechter Start im Sommer auch ein Grund, weshalb es mit den Fans von Anfang an nicht so gut lief?

Dutt: Wir hatten uns vor der Saison natürlich auch selbst eine hohe Erwartungshaltung geschaffen. Durch die Situation mit vielen verletzten Spielern konnten wir diese Erwartungen erst einmal nicht erfüllen und dann ist es klar, dass die Fans unzufrieden sind. Momentan merken sie aber, gerade durch die Art und Weise, wie die Mannschaft auftritt, dass wir wieder da sind.

SPORT1: Sie haben vor dem Rückrundenstart gegen Mainz extra noch einmal mit einigen Fanvertretern geredet.

Dutt: Ich habe das schon immer so gemacht, dass ich mit den Fans direkt rede, vor allem um transparent zu sein und nicht nur über die Medien zu sprechen.

SPORT1: Zum Thema Ballack: Hätten Sie vor ihrem Dienstantritt gedacht, dass diese Personalie so ein Spektakel werden würde?

Dutt: Das habe ich gewusst, denn das war ja im letzten Jahr (unter Trainer Jupp Heynckes, Anm. d. Red.) nichts anderes. Das ist halt einfach so, wenn man einen derart prominenten Spieler unter Vertrag hat.

SPORT1: Glauben Sie, dass dadurch einige andere Probleme in der Mannschaft in den Hintergrund gedrängt werden?

Dutt: Wir haben ja keinen Einfluss darauf, wie darüber berichtet wird. Wichtig ist, dass die Mannschaft auf einem richtig guten Weg ist ? und das ist sie, das sieht man deutlich an der Leidenschaft, mit der sie momentan in die Spiele geht.

SPORT1: Die Mannschaft lässt sich von dem Thema also gar nicht beeinflussen?

Dutt: Wenn man den Auftritt gegen Bremen gesehen hat, dann offensichtlich nicht.

SPORT1: Haben Sie mit Michael Ballack in den vergangenen Tagen noch einmal geredet?

Dutt: Natürlich, wir sind täglich in Kontakt.

SPORT1: Und was hält er davon, dass er gegen Mainz ausgewechselt wurde und gegen Bremen nur auf der Bank saß?

Dutt: Jeder Spieler möchte natürlich auf den Platz, auch Michael Ballack. Und wenn das mal nicht der Fall ist, dann sind sie natürlich nicht begeistert. Das ist normal.

SPORT1: Sportdirektor Rudi Völler hat Ihnen zuletzt im Fall Ballack den Rücken gestärkt und Ihre Auswechslung verteidigt. Sind Sie dankbar für diese Unterstützung?

Dutt: Als Trainer muss man immer versuchen, selbst die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wir haben in den letzten neun Spielen nur eine Niederlage einstecken müssen. Das haut uns zwar nicht vom Hocker, aber das ist auch weit von einer schlechten Leistung entfernt. Wir sind für das Champions-League-Achtelfinale qualifiziert, also sind meine Entscheidung ja offensichtlich nicht so falsch. Ich denke, das sehen auch die Verantwortlichen.

SPORT1: Herr Holzhäuser sagte, er wolle die Personalie Ballack "profimäßig abwickeln". Sehen Sie es auch so, dass Ballacks Zeit vorbei ist?

Dutt: Ballacks Zeit in Leverkusen ist nicht vor dem 30. Juni vorbei. Bis dahin hoffen wir auf eine gute Zusammenarbeit, vor allem hinsichtlich des sportlichen Nutzens, das ist klar.

SPORT1: Sie sind in Stuttgart aufgewachsen. Am Wochenende geht es mit Bayer gegen den VfB. Eine besondere Partie für Sie?

Dutt: Meine Familie hat ja ihren Wohnsitz in Stuttgart und alleine deswegen ist es schon ein besonderes Spiel für mich.

SPORT1: Ihr Ziel für das Spiel?

Dutt: Eigentlich nur eine gute Leistung. Und mit der Leistung kommt dann auch das Ergebnis.

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