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Sportlich ist der 1. FC Köln auf Talfahrt. Zwischen Trainer und Sportdirektor steht es offenbar nicht zum Besten, wie der Tese-Transfer zeigt. Und die Zukunft des Stars ist ungewiss.

Von Thorsten Mesch

München - Sportlich auf Talfahrt, der Star für Wochen außer Gefecht und zwischen Trainer und Sportdirektor scheint es zu knistern.

Nach zuletzt drei Niederlagen in Folgen ist der 1. FC Köln in der Bundesliga auf Platz 14 abgerutscht. Lukas Podolski verletzte sich beim 1:4 gegen Schalke erneut am Sprunggelenk und fällt mehrere Wochen aus.

Tese kam ohne Rücksprache

Als Ersatz für Podolski verpflichtete Sportdirektor Volker Finke den Bochumer Chong Tese - allerdings ohne vorherige Rücksprache mit Trainer Stale Solbakken.

Dementsprechend war der Norweger nicht ganz glücklich mit dem Ablauf des Transfers.

"Es ist immer so, dass du als Cheftrainer die Kontrolle über alle Spieler haben willst, die kommen und die gehen. Bei Tese war es so, dass ich ihn nur kurz vor der Verpflichtung gesehen habe", sagte Solbakken der "Bild". "Dafür haben andere ein großes Wissen über den Spieler, die ihn länger analysiert haben", ergänzte der Coach.

"Ich kenne den Spieler nicht so gut, ich habe am Freitag zum ersten Mal davon gehört, ich muss ihn im Training in Konkurrenz zu anderen Spielern sehen", wählt Solbakken deutliche Worte.

Wunschspieler zu teuer

Bei seinen Wunschkandidaten musste der FC "aus wirtschaftlichen Gründen abbrechen", wie es Finke formulierte.

Bei Tese sei es "eben knapp mit der Zeit" geworden, so Solbakken. Er vertraue aber dem Verein, "dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben."

Solbakken vertraut Finke. Doch kann sich der Coach auch wirklich auf den Sportchef verlassen?

Solbakken: Verhältnis zu Finke "professionell"

Das Verhältnis zu Finke sei "professionell", erklärt Solbakken. "Aber wir gehen zum Beispiel nicht jeden Tag zusammen essen. Wir wollen beide das Beste für den Verein in unseren unterschiedlichen Positionen."(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Der Fall Tese ist jedoch ein weiteres Beispiel dafür, dass es um die Kommunikation zwischen den beiden sportlichen Entscheidungsträgern nicht zum Besten steht.

Finke mischt sich in Trainerangelegenheiten ein

Finke, der Solbakken im vergangenen Sommer vom FC Kopenhagen nach Köln holte, soll sich bereits mehrfach in die Arbeit des Trainers eingemischt haben.

Nach dem 0:5 in Dortmund im Oktober habe der Sportchef in Abwesenheit des Coaches in der Kabine gefragt, wer denn auf die Idee gekommen sei, Martin Lanig im Sturm aufzustellen, berichtet der "kicker".

Und nach dem 0:1 in Wolfsburg analysierte Finke im "Kölner Stadtanzeiger": "1:15 Ecken gegen uns, 4:26 Flanken ? da fällt dann irgendwann mal ein Gegentor.

Der Sportchef betonte zwar, er habe "auch die positiven Dinge erwähnt", aber Rückendeckung für den Trainer sieht anders aus.

Unglückliche Äußerungen von Finke

Auch dass Finke erklärte, Solbakken habe Podolski dessen Hobbykick, bei dem er sich im Dezember erstmals am Sprunggelenk verletzt hatte, erlaubt, verwundert.

Solbakkens Position wird durch solche Äußerungen zunehmend geschwächt.

Während der Trainer, unter dem der FC die erfolgreichste Hinrunde der vergangenen zehn Jahren spielte, in Köln mit der Mannschaft arbeitete und Material zu möglichen Zugänge sichtete, war Finke beim Afrika-Cup.

Doch der Sportchef präsentierte aber schließlich den Nordkoreaner Tese aus dem nicht einmal 100 Kilometer entfernten Bochum als Verstärkung für die Offensive.

Podolski übt leise Kritik

"Dass nach dem Chaos der letzten Wochen dieser Transfer so zustande gekommen ist, wundert mich nicht", äußerte sich Podolski im "Express". Begeisterung hört sich anders an.

Der Nationalspieler lässt die FC-Verantwortlichen über seine Zukunft weiter im Ungewissen.

Finke hatte die Gespräche über eine Vertragsverlängerung bereits öffentlich angekündigt, doch Podolski hatte plötzlich keine Lust mehr. Verhandlungen vertagt.

"Ich glaube, er weiß im Moment selbst nicht, in welche Richtung es für ihn in der Zukunft geht", sagte Solbakken nun. "Köln ist ein sehr attraktiver Klub. Ich hoffe, wir sind auch attraktiv genug für Poldi."

Nur Siege stärken Solbakken

Ob Solbakken für Finke weiterhin attraktiv genug ist, wird nicht zuletzt von den Ergebnissen der kommenden Spiele abhängen.

Mit einem Sieg am Sonntag in Kaiserslautern würde der Trainer seine Position zumindest vorerst stärken.

Sollte der FC aber die Negativserie fortsetzen, könnte es sein, dass Finke bald selbst wieder auf der Bank sitzt.

Wie zuletzt nach der Trennung von Solbakkens Vorgänger Frank Schaefer.

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