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In Torlaune: Robert Lewandowski kam 2010 von Lech Poznan zu Borussia Dortmund © getty

Robert Lewandowski spricht bei SPORT1 über seinen tollen Lauf, den Titelkampf - und verrät, zu welchem Klub er nie gehen würde.

Von Reinhard Franke

München - Eigentlich ist er ein ruhiger Typ. Fast schüchtern.

Doch kaum steht Robert Lewandowski auf dem Platz, dann explodiert er. Mit einer kleinen Verspätung von einem Jahr blüht der Pole bei Borussia Dortmund auf.

Im letzten Jahr kam er zum BVB und erzielte in 33 Spielen acht Tore, in dieser Saison sind es schon 14 Treffer in 19 Spielen.

Lewandowski hat maßgeblichen Anteil an der erneuten Dortmunder Rückkehr zur Spielfreude und Souveränität (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Und er hat Kollege Lucas Barrios verdrängt, der im letzten Jahr zu den Leistungsträgern des Meisters gehörte.

Jetzt ist Lewandowski der Leistungsträger und zeigt sich vor dem Spiel in Nürnberg (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) im SPORT1 -Interview ganz selbstbewusst - und kess.

Während zuletzt die Dortmunder bei Kampfsansagen im Titelrennen mit Zurückhaltung glänzten, verrät der 23-Jährige, dass er insgeheim schon an die Meisterschale denkt.

Zudem erklärt er seine wiederentdeckten Torjägerqualitäten.

SPORT1: Glückwunsch zu einem gelungenen Start in die Rückrunde mit zwei tollen Siegen, Herr Lewandowski. Wie glücklich sind Sie?

Robert Lewandowski: Klar sind wir zufrieden. Aber am Freitag wartet schon Nürnberg, das ist auch ein wichtiges Spiel. Wir sind punktgleich mit Bayern und Schalke und wollen jetzt auch die drei Punkte am Freitag.

SPORT1: Man hat das Gefühl, dass die Borussia wieder so gut ist wie im letzten Jahr, wo das Team auf einer Euphorie-Welle geschwommen ist.

Lewandowski: Wir hatten in der Hinrunde ein paar Probleme, weil einige Spieler verletzt waren, aber bis auf Mario (Götze, Anm. d. Red.) sind jetzt alle gesund. Wir haben ein großes Potenzial. Borussia hat eine richtig gute Mannschaft, und auf dem Platz sieht man das. Ich hoffe auch am Freitag.

SPORT1: Sie haben nach einem nicht so guten ersten Jahr jetzt den Durchbruch geschafft, haben 14 Tore auf dem Konto. Verraten Sie uns Ihr Erfolgsgeheimnis?

Lewandowski: Letztes Jahr war meine erste Saison in der Bundesliga. Ich habe ein bisschen Zeit gebraucht. In der letzten Rückrunde habe ich auf der Zehn gespielt, das war eine ganz neue Position, aber jetzt läuft alles besser, ich spreche besser Deutsch und will noch viele Tore schießen. Es gibt ja noch jede Menge Spiele, wo ich meine Torausbeute höher schrauben kann (lacht).

SPORT1: Sie haben mit Ihren Toren den Kollegen Lucas Barrios verdrängt, der fast den Verein verlassen hätte. Wie sehen Sie Ihren Konkurrenzkampf, den der Kollege ja wohl verloren hat?

Lewandowski: Für mich ist der Konkurrenzkampf sehr gut. Lucas ist ja ein sehr starker Spieler. Ich konzentriere mich aber auf meine Leistung. Ich will immer Tore schießen, und es ist immer besser, wenn ich Konkurrenz habe.

SPORT1: Sind Sie stolz, dass Sie im Sturm gerade gesetzt sind?

Lewandowski: Schon. Ich bin jetzt in der ersten Elf, weil ich auch 14 Tore gemacht habe. Ich will immer spielen. Das ist doch ganz normal. Lucas hat im Moment leichte Probleme mit dem Oberschenkel, aber ich denke, dass es bis Nürnberg am Freitag wieder gehen wird bei ihm. Aber nochmal: ich konzentriere mich auf meine Leistung, aber ich freue mich nicht, wenn ein Kollege keinen Erfolg hat.

SPORT1: Wie ist Ihr Verhältnis?

Lewandowski: Wir haben kein Problem miteinander. Wir sind normale Kollegen. Wir reden ganz normal in der Kabine und auf dem Platz. Unser Verhältnis ist okay.

[kaltura id="0_vlzuuq12" class="full_size" title="Der Ersatz f r G tze"]

SPORT1: Spüren Sie durch Ihre guten Leistungen innerhalb der Mannschaft mehr Anerkennung?

Lewandowski: Ich denke schon. Es läuft viel besser für mich, und dauerhaft in der ersten Elf zu spielen, das macht einen schon selbstbewusst. Ich bin wichtig für die Mannschaft, und die Jungs zeigen mir das auch. Das ist ein positiver Kreislauf. Wenn ich Tore mache, ist alles gut, ich bin plötzlich viel wertvoller als vor einem Jahr. Natürlich kann ich nicht in jedem Spiel treffen, aber ich will nicht mehr raus aus der Stammformation. Ich bin gerade sehr zufrieden.

SPORT1: Das sieht man auf dem Platz. Sie blühen geradezu auf. Ist die Stimmung im Team besser als letztes Jahr?

Lewandowski: Ich glaube ja. Wir spielen sogar ein bisschen besser als in der Hinrunde. Man sagt ja, dass das Jahr nach einer Meisterschaft immer schwerer ist, aber wir sind punktgleich mit den Bayern. Also sind wir noch besser geworden. (lacht). Und die Atmosphäre im Team ist gleich, aber das ist ja kein Wunder, wenn man gewinnt.

SPORT1: Herr Lewandowski, wird Borussia Dortmund Deutscher Meister?

Lewandowski: Jetzt haben Sie mich ganz schön kalt erwischt. Wir denken noch nicht so weit. Wir haben noch 15 Spiele und schauen nur auf das nächste Spiel. Im Herzen denke ich schon wieder an die Schale. Und wir haben eine große Chance auf den Titel. Bayern muss Meister werden, wir nicht. Wir haben eine top Mannschaft mit so viel Potenzial, da ist einiges möglich. Wir haben keine Angst vor Bayern.

SPORT1: Und der BVB hat den Vorteil, dass man sich ganz auf die Liga konzentrieren kann. Ein Vorteil?

Lewandowski: Ja. Bayern hat noch die Champions League, und das ist schwerer für sie. Der Pokal ist für uns auch wichtig, aber Bayern hat natürlich eine tolle Mannschaft. Hoffentlich wird es für die Bayern schwer (lacht).

SPORT1: Wenn Sie so weiterspeilen, dann werden die großen Klubs anrufen. Vielleicht ja auch die Bayern. Franck Ribery hat sich zuletzt als ein Lewandowski-Fan geoutet. Haben Sie das mitbekommen?

Lewandowski: Ja, und das macht mich stolz. Dass so ein großer Spieler meinen Namen als erstes nennt, wenn er über Borussia spricht, ist eine wunderbare Sache. Mit so einem Spieler zusammenspielen, wäre natürlich großartig. Aber ich denke nur an Borussia.

SPORT1: Was wäre bei einem Anruf von Schalke?

Lewandowski: Schalke? Keine Chance. Das geht nicht. Da würde ich nie hingehen. Borussia hat die bessere Mannschaft. Wenn man beim BVB spielt, dann kann man doch nicht zu Schalke gehen. Wir werden am Ende vor denen stehen.

SPORT1: Trainer Jürgen Klopp und Sportdirektor Michael Zorc haben bis 2016 verlängert. Wie beurteilen Sie diese zwei wichtigen Personalien?

Lewandowski: Ich freue mich sehr. Das ist gut für den Verein, ein "Dream-Team". Klopp ist ein guter Trainer, er weiß, was er hier machen muss. Auch Zorc ist ein guter Sportdirektor. Sie geben beide alles für Borussia.

SPORT1: Wie gehen Sie in das Spiel am Freitag?

Lewandowski: Wir wollen gewinnen, das ist doch klar. Und ich denke, dass es uns gelingen wird. Letztes Jahr haben wir 2:0 im Schnee gewonnen, so wird es hoffentlich auch am Freitag sein.

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