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Bayern-Profi Holger Badstuber (l.) im Gespräch mit SPORT1-Redakteur Mathias Frohnapfel © getty

Holger Badstuber glaubt im Rennen mit dem BVB an Bayerns Dominanz. Bei SPORT1 spricht er vorm HSV-Spiel auch über die Abwehrmisere.

Vom FC Bayern berichtetMathias Frohnapfel

München - Beim Training sind es minus sieben Grad und doch erscheint Holger Badstuber frisch geduscht und in kurzen Hosen zum Interviewtermin.

Von der Einheit an der Säbener Straße hat er natürlich auch keine Frostbeulen davon getragen, wie die Bayern-Verantwortlichen erfreut registrieren.

Die Situation in der Abwehr ist für den Rekordmeister ohnehin angespannt genug.

Schließlich fehlen für das Spiel in Hamburg (Sa., ab 18.15 Uhr im LIVE-TICKER) gleich vier Abwehrspieler: Daniel van Buyten fällt mit Mittelfußbruch aus, Diego Contento laboriert an einem Zehenbruch und Breno hat Knieprobleme. Zudem muss der Brasilianer Rafinha gelbgesperrt passen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Badstuber bleibt trotz dieser Misere gelassen, der 22-jährige Innenverteidiger hat in seiner Karriere schon brenzligere Situationen, inklusive Champions-League-Kämpfen in Manchester und Lyon, gemeistert.

Im SPORT1-Interview spricht der Nationalspieler über Bayerns Defensive, zurückhaltende Dortmunder und die eigenen Rechenkünste im Titelkampf.

SPORT1: Herr Badstuber, Daniel van Buyten fällt mit Mittelfußbruch wochenlang aus, Rafinha ist gelbgesperrt, Diego Contento verletzt. Wie groß ist die Not in der Bayern-Defensive?

Holger Badstuber: Klar ist es unglücklich, dass alle drei gleichzeitig fehlen. Trotzdem werden wir eine gute Aufstellung ins Rennen schicken, da mache ich mir gar keine Gedanken. Die Woche drauf ist Rafinha wieder dabei und wir haben wieder eine Option mehr. Meiner Meinung nach muss eine Top-Mannschaft solch einen Ausfall kompensieren können. Und der Trainer hat immer einen guten Plan im Hinterkopf.

SPORT1: Sie haben in dieser Saison immer als Innenverteidiger gespielt, insgesamt gab es in der Bayern-Abwehr aber einige Veränderungen. Wie stellt man sich auf die neuen Partner in der Viererkette ein?

Badstuber: Bisher waren es ja in der Innenverteidigung nur zwei (Jerome Boateng und Daniel van Buyten, Anm. d. Red.) und da hatte ich keine Probleme, mich neu einzustellen. Vor dem Spiel gegen Wolfsburg wurde auch ständig so getan, als ob wir das erste Mal in der Innenverteidigung zusammen spielen würden. Aber das haben wir vorher schon öfter getan.

SPORT1: Gegen Gladbach wirkte die Verteidigung allerdings nicht sonderlich kompakt. Muss das Team erst wieder verinnerlichen, dass die Abwehrarbeit alle angeht?

Badstuber: In der Hinrunde war unser Erfolgsrezept, dass wir sehr kompakt verteidigt und großen Druck auf den Gegner ausgeübt haben. Der Gegner hatte kaum Zeit, einen kontrollierten Ball nach vorne zu spielen. Da gab es eine Phase, in der wir auch ziemlich oft zu null gespielt haben. Das Spiel gegen Wolfsburg war nun wieder ein Schritt nach vorne.

SPORT1: Inwiefern?

Badstuber: Die Wolfsburger haben kaum Akzente nach vorne gesetzt und das obwohl sie meiner Meinung nach besser sind als noch in der Hinrunde.

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SPORT1: Schätzen Sie den HSV denn auch stärker ein als in der Hinrunde?

Badstuber: Die Hamburger haben eine schwierige Zeit hinter sich. Aber durch den neuen Trainer haben sie einen Aufschwung erlebt und Thorsten Fink kennt den FC Bayern darüber hinaus ziemlich gut. Er wird seine Mannschaft richtig gut motivieren. In Hamburg haben wir uns in den vergangenen Jahren immer recht schwer getan. Aber die Atmosphäre dort ist sehr gut und deshalb freuen wir uns auf dieses Spiel.

SPORT1: An der Tabellenspitze ist es momentan so eng wie schon seit Jahren nicht mehr, drei Teams sind punktgleich. Setzt den FC Bayern diese Situation zusätzlich unter Druck?

Badstuber: Den Druck sind wir hier gewohnt. Aber es sind noch so viele Spiele, in denen noch so viel passieren kann - gerade in den direkten Duellen. Wir müssen jetzt versuchen, eine neue Serie zu starten.

SPORT1: Die Dortmunder sprechen nach wie vor nicht von der Meisterschaft. Halten Sie das überhaupt für glaubhaft?

Badstuber: Ehrlich gesagt ist mir das relativ egal, was die Dortmunder machen. Wir schauen auf uns. Natürlich ist es unser Anspruch, in diesem Jahr den Titel zu holen und dafür werden wir auch alles tun.

SPORT1: Werden die Dortmunder in den kommenden Jahren der größte Rivale des FC Bayern sein?

Badstuber: Sicherlich haben sie eine gute und vor allem junge Mannschaft, die noch wachsen und sich als Mitkonkurrent etablieren kann. Das Maß aller Dinge ist und bleibt meiner Meinung nach aber der FC Bayern.

SPORT1: Auch die Schalker sind momentan punktgleich. Können auch sie bis zum Ende um die Meisterschaft mitspielen?

Badstuber: Schalke hat nun einige Spiele in Folge gewonnen. Lange Zeit hat man gar nicht richtig mitbekommen, dass sie so weit oben dabei sind. Aber wie gesagt: Es sind noch viele Punkte zu vergeben. Auch wir spielen ja noch gegen Schalke.

SPORT1: Sie sind Pate der Schulaktion "Mathe macht das Tor". Sind Sie denn auch wirklich von Mathematik begeistert?

Badstuber: Früher in der Schule war Mathe auf jeden Fall meins. Und mit dieser Sache haben wir nun etwas Gutes für die Kids gemacht.

SPORT1: Können Sie denn schon ausrechnen, wann der FC Bayern womöglich Meister wird?

Badstuber: (lacht) Nein, das kann man nie. Es liegt noch ein sehr langer Weg vor uns, auf dem noch viel passieren kann. Das haben wir auch in den letzten Jahren gesehen. Man muss immer etappenweise denken.

SPORT1: Im Hinspiel beim 5:0 über den HSV haben Sie einen Assist gegeben. Wird Ihnen das am Samstag wieder gelingen?

Badstuber: Ehrlich gesagt zählen zunächst die drei Punkte. Aber klar, auch für uns Innenverteidiger ist es immer schön, mal ein Tor zu schießen oder eines vorzubereiten.

SPORT1: Mit Blick auf die Offensive: Glauben Sie, dass Arjen Robben so langsam wieder besser in Schwung kommt?

Badstuber: Ich denke schon. Ich hatte ja auch eine Verletzung am Schambein und die ist sehr zäh. Da braucht man etwas Zeit, um wieder seinen Rhythmus zu finden. Man kann nicht erwarten, dass er nach drei Spielen wieder top ist. Arjen ist ein Profi, sehr engagiert und auf einem guten Weg. Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass er bald zu seiner alten Form findet und in der kommenden Phase sehr wichtig für uns sein wird.

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