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Huub Stevens gewann 1997 im Finale gegen Inter Mailand mit Schalke 04 den UEFA Cup © getty

Auf Schalke ist mit Huub Stevens der Erfolg zurück und mit ihm eine neue Euphorie. Gegen Mainz winkt eine Spitzenmarke.

Von Reinhard Franke

München - Hoffnung, Zufriedenheit, Zuversicht: Das sind die Worte, die bei Schalke 04 in dieser Saison an der Tagesordnung stehen.

Es ist der FC Harmonie 04. Das Menschliche ist in den Vordergrund gerückt, seit Huub Stevens wieder das Zepter übernommen hat.

Stevens tut Schalke allem Anschein nach gut.

Die Skepsis, die zu Beginn seiner zweiten Amtszeit beim königsblauen Traditionsklub herrschte, ist schon lange in Begeisterung umgeschlagen.

"Enorme Qualitäten als Mensch und als Trainer"

"Er besitzt enorme Qualitäten als Mensch und als Trainer, die er genauso einsetzt, wie es die Mannschaft braucht", sagt Manager Horst Heldt, der den 58-Jährigen im September 2011 überraschend als Nachfolger von Ralf Rangnick verpflichtete.

Am Samstag kann Schalke mit einem Heimerfolg gegen Mainz 05 (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) einen Klubrekord einstellen.

Sechs Siege nacheinander konnten vor Stevens als Trainer nur Rangnick (2004/05) und Mirko Slomka (2006/07) feiern.

Schalke winkt Platz an der Sonne

Ein Sieg gegen Mainz und die Schalker könnten sogar den Sprung an die Tabellenspitze schaffen, wenn Dortmund in Nürnberg und Bayern München beim Hamburger SV Punkte liegen lassen würden (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Doch das neue Wir-Gefühl lässt die "Knappen" nicht abheben. Das M-Wort (Meisterschaft) wird nicht in den Mund genommen.

"Die Mannschaft ist in der Entwicklung. Wir lassen uns die Favoritenrolle nicht einreden", sagt Stevens.

"Ich halte die Spieler nicht zurück, das Optimale anzustreben. Wir müssen aber realistisch bleiben."

Stevens mit hervorragender Bilanz

Stevens' Arbeit kann sich sehen lassen: neun Siege, ein Unentschieden und zwei Niederlagen. Eine hervorragende Bilanz.

Die Vorsicht beim Formulieren von Saisonzielen hat der Niederländer beibehalten, ansonsten präsentiert er sich im Vergleich zu seiner ersten Ära in Schalke von 1996 bis 2002 gewandelt.

Er ist aufmerksamer, herzlicher und viel seltener schlecht gelaunt.

Dem Image des harten Knochens und Knurrers entspricht er nicht mehr, selbst wenn er bisweilen mal eine härtere Tonart anschlägt.

"Er ist sehr feinfühlig, dabei aber klar und leistungsorientiert. Dazu ist er ein absoluter Teamplayer, der sich nicht wichtig nimmt", sagt Heldt.

[kaltura id="0_qby9e2ud" class="full_size" title="Der Assauer Schock"]

Stevens löst Problemfälle mit Besonnenheit

Und Stevens hat einiges mit seiner neuen souveränen Art geändert.

Der Coach verurteilte Jermaine Jones nicht, sondern suchte die Kommunikation mit dem Spieler. Er sprach davon, dass nun mal jeder einen guten oder weniger guten Tag erwischen könne.

Dabei bekam Jones für seinen Tritt auf Marco Reus' lädierten Fuß vom DFB eine Sperre von sechs Spielen aufgebrummt.

Stevens hofft auf Farfan-Verbleib

Auch im Transfer-Hickhack um Jefferson Farfan blieb Stevens ruhig und besonnen.

"Ich hoffe noch, dass da Einsicht einkehrt und es womöglich noch eine Chance auf eine Verlängerung gibt."

Im Herbst holte Stevens auch im Fall Lewis Holtby nicht den Hammer raus.

Holtby merkte vorsichtig an, dass er sich eigentlich auf einer anderen Position sehe, doch Stevens wählte auch beim Ex-Mainzer die harmonische Variante. Das kommt an.

Bleibt Raul?

Die Spieler erzählen, teilweise mit fast noch ungläubigen Unterton, jedem im Kader begegne Stevens mit großem Respekt.

Ersatzspieler oder junge Profis erhalten die gleiche Zuwendung wie die Topstars Klaas-Jan Huntelaar oder Raul, der nach dem Abklingen einer Wadenverhärtung gegen Mainz wieder in das Team zurückkehrt.

Stevens geht davon aus, dass Raul einsatzfähig ist.

In Sachen Raul steht wohl eine Entscheidung kurz bevor. Wie die "Bild" berichtet ist für kommende Woche der zweite und vielleicht schon entscheidende Verhadlungs-Gipfel geplant.

Team mit normalem Sozialleben

Schalke scheint ein Jahr nach der turbulenten Ära Magath wieder ein Team mit einem ausgewogenen Sozialleben.

Das zeigt sich auch darin, dass Stevens nicht wie andere Trainer ihren eigenen Trainerstab mitbrachte.

Stattdessen übernahm der Holländer mit Co-Trainer Seppo Eichkorn, Torwart-Trainer Bernd Dreher und Reha-Coach Markus Zeltmeisl drei Weggefährten von Felix Magath.

Auch Rangnicks vorheriger Assistent Markus Gisdol wurde bestens in die Teamarbeit eingebunden.

Tönnies war immer überzeugt

Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies war indes von Rückkehrer Stevens von Anfang an überzeugt.

Bei SPORT1 schwärmte er in den höchsten Tönen über den Coach: "Ich wünsche mir, dass wir oben mitspielen. Im Miteinander und in der Zusammenarbeit, offen miteinander umgehen das macht Schalke zu dem, was es jetzt ist. Dafür steht Huub."

Und was sagt der Gelobte? "Verändert habe ich mich eigentlich nicht", meinte Stevens, "ich bin vielleicht gelassener und reifer geworden."

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