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Christian Nerlinger bekleidet seit 2009 beim FC Bayern das Amt des Sportdirektors © getty

Der FC Bayern richtet sein Nachwuchleistungszentrum neu aus. Dabei werben die Münchner den Chef der Jugendabteilung von 1860 ab.

Vom FC Bayern berichtet Julian Buhl

München - Die Aufgabe, die Präsident Uli Hoeneß seinem Sportdirektor Christian Nerlinger noch vor dem Jahreswechsel auftrug, war mehr als deutlich.

"Es kann nicht sein, dass wir so dastehen, wie wir dastehen - das ist nicht so, wie wir uns das bei Bayern vorstellen", sagte Hoeneß zuletzt über die Nachwuchsabteilung des FC Bayern.

Aktuell stehen mit Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Holger Badstuber, Thomas Müller und David Alaba zwar einige Profis im Kader, die der Verein selbst ausgebildet hat. Es mangelt allerdings an ähnlich qualifiziertem Nachschub.

Hoeneß' Aussagen beziehen sich vor allem auf den momentanen Zustand der zweiten Mannschaft: Nach dem Abstieg in die Regionalliga rangiert das U-23-Team dort lediglich in der unteren Tabellenhälfte. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Setzen speziell auf bayerische Spieler"

Zudem konzentrieren sich die Hoffnungen auf Talente, denen der Sprung zu den Profis zuzutrauen ist, aktuell nahezu ausschließlich auf Emre Can.

"Wir müssen jetzt nicht den ganzen Verein verändern, sondern nur ein paar Stellschrauben", sagte Hoeneß.

"Der Weg ist angedeutet, mehr auf europäische, mehr auf deutsche und ganz speziell auf bayerische Spieler zu setzen." Das Scouting in Südamerika wird der Verein komplett einstellen.

Nerlinger holt 1860-Scout

Nerlinger arbeitet unterdessen akribisch an einer Neuausrichtung der Nachwuchsarbeit des FC Bayern. Der jüngste Baustein, den er seinem Konzept hinzufügen konnte, heißt Jürgen Jung.

Pikanterweise leitete der 36-Jährige in den vergangenen drei Jahren das Nachwuchsleistungszentrum des Lokalrivalen 1860 München.

Daraus gingen in der jüngsten Vergangenheit immerhin Spieler wie etwa Lars Bender (Leverkusen), dessen Zwillingsbruder Sven Bender, Moritz Leitner (beide Dortmund), Fabian Johnson, Peniel Mlapa (beide Hoffenheim) oder Timo Gebhardt (Stuttgart) hervor.

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"Wichtige Säule bricht weg"

Nun wird Jung das Lager der "Blauen" verlassen und in der Scouting-Abteilung der "Roten" nach Talenten suchen.

"Dadurch bricht uns eine wichtige Säule weg", sagte "Löwen"-Sportchef Florian Hinterberger zu SPORT1, "aber es spricht für unser Personal, wenn der große FC Bayern einen von uns abwirbt."

Die Münchner könnten im Jugend- und Amateurbereich "sicher noch effizienter arbeiten", glaubt Bayern-Cheftrainer Jupp Heynckes: "Dafür möchten wir auch das beste Personal haben. Das ist nachvollziehbar und auch erforderlich."

Butt neuer Nachwuchschef

Nerlinger selbst will sein Konzept in Kürze der Öffentlichkeit vorstellen und genauer erläutern.

Fest steht bereits, dass Jörg Butt, momentan noch Ersatztorhüter der ersten Mannschaft, nach dieser Saison seine Karriere beenden und den Posten des Nachwuchsleiters von Werner Kern übernehmen wird.

Butts Stellvertreter wird mit Michael Tarnat ebenfalls ein Ex-Profi. Mehmet Scholl übernimmt zudem den Trainerposten des U-23-Teams.

"Das ist genau in meinem Sinne. Ehemalige Leute holen und einbauen, die prädestiniert für diese Aufgabe sind, ist bayern-like", sagte Hoeneß über diese Maßnahmen.

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