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Der Argentinier Lucas Barrios erzielte gegen Nürnberg seinen ersten Saisontreffer © getty

Das Rührstück um Lucas Barrios veredelt Dortmunds Sieg in Nürnberg. Der Meister wird zum Orientierungspunkt der Konkurrenz.

Aus Nürnberg berichtet Matthias Becker

Nürnberg - Zu sagen, der Abend sei wie gemacht gewesen für Lucas Barrios, würde dann doch zu weit führen.

"Für einen Südamerikaner war es sehr hart", sagte der Paraguayer mit einem Lächeln im Gesicht nach seinem knapp 20-minütigen Einsatz bei Temperaturen um Minus zehn Grad.

Dieses Lächeln hatten sie in Dortmund bei ihrem einzigen wirklichen Sorgenkind in dieser Saison lange nicht gesehen.

Nach dem 2:0 (0:0)-Erfolg des Meisters beim 1. FC Nürnberg (Bericht) konnte aber sogar Barrios wieder lachen - und das sagt sehr viel aus über den Arbeitssieg im eiskalten Frankenland im Speziellen und die Lage in Dortmund im Allgemeinen.

"Geschichte, die der Fußball schreibt"

Zu Beginn der Woche schien der Abschied von Barrios, erfolgreichster Torjäger des Meister-Jahres, noch beschlossene Sache. Ihm sollen mehrere Angebote aus der Premier League vorgelegen haben.

Doch Barrios blieb und machte wenige Tage später mit seinem ersten Saisontor in einem zähen Auswärtsspiel den Deckel drauf. "Meine Mitspieler haben immer gesagt, dass ich weiterarbeiten soll und dann würde ich meine Chance bekommen", erinnerte sich Barrios.

"Eine Geschichte, die wirklich nur der Fußball schreibt", nannte Klopp dessen Auftritt 514795(DIASHOW: Der 20. Spieltag).

Arbeitssieg im Repertoire

Doch auch wenn Barrios nach dem Spiel die größte Aufmerksamkeit gehörte, wird die Dortmunder Konkurrenz im Kampf um die Tabellenspitze vor allem wahrgenommen haben, dass die Borussia im Jahr 2012 auch den Arbeitssieg im Repertoire hat.

In den ersten 20 Minuten hatten die Gäste mit den gefährlichen Standards der engagierten Nürnberger noch Probleme. Danach lösten sie die Aufgabe spielerisch, unterließen es aber auch, dem Club Räume zu öffnen.

"Das war definitiv ein Arbeitssieg. Das ganze Spiel war eine große Herausforderung, weil der Gegner sich etwas hat einfallen lassen", analysierte Klopp zufrieden.

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Auch Mats Hummels lobte: "Auswärts gewinnt man nicht jedes Spiel, indem man Fußball zelebriert. So wie ab der 20. Minute muss man es dann machen: Geduldig sein und die Chancen reinmachen."

"Freitags zu gewinnen ist immer schön"

Im Vierkampf um die Tabellenspitze hat der BVB vorgelegt, die Rivalen aus München, Schalke und Mönchengladbach müssen nachziehen.

"Freitags zu gewinnen ist immer ganz schön, da hat man alles andere vor sich", sagte der 1:0-Torschütze Sebastian Kehl zu SPORT1.

Hummels hoffte, "dass vielleicht nicht wieder alle drei anderen Teams da oben gewinnen, so wie letztes Wochenende".

Leitner fügt sich nahtlos ein

Nach dem dritten Sieg im dritten Rückrundenspiel und der 14 Partie ohne Niederlage in Folge ist die Borussia derzeit der Orientierungspunkt für die Konkurrenz.

Auch auf personelle Rückschläge reagiert der Meister in beeindruckender Variabilität. Nachdem Sven Bender, das Herz des BVB-Spiels, in Nürnberg nach 20 Minuten mit Verdacht auf Bänderriss im Sprunggelenk ausgewechselt wurde, übernahm der junge Moritz Leitner seine Rolle.

Prompt leitete Leitner kurz nach der Pause mit einem raumöffnenden Pass auf Lukas Piszczek das "Sensationstor" (Zitat Klopp) zum letztlich vorentscheidenden 1:0 ein.

Trotzdem hoffen die Dortmunder, dass es bei Bender keine zu lange Pause gibt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Die Verletzung von Manni tut uns richtig weh", sagte Klopp. Eine Kernspin-Untersuchung am Montag soll zeigen, wie schlimm die Blessur wirklich ist.

Klopp will Druck niedrig halten

Trotz des starken Rückrundenstarts will Klopp den Druck auf sein Team nicht zu groß werden lassen.

"Das Problem ist, dass die anderen drei Mannschaften so gut sind, dass sie jede Woche gewinnen. Also müssen wir auch gewinnen", rechnete Klopp vor: "Damit dieser Druck nicht zu groß wird, denken wir nicht drüber nach, sonst verlieren wir den Spaß am Fußball - und das wäre richtig scheiße."

Nürnberg couragiert aber punktlos

Solche Sorgen hätten sie beim Club gerne, stehen die Franken trotz eines couragierten Auftritts doch mit leeren Händen da und nur drei Punkte über der Abstiegszone.

"Dortmund hatte in der zweiten Halbzeit die besseren spielerischen Lösungen", erklärte FCN-Kapitän Timmy Simmons, der selbst in der Anfangsphase eine der beiden Großchancen zur Nürnberger Führung vergeben hatte.

Trainer Dieter Hecking tröstete sich mit der Qualität des BVB: "Andere Gegner haben es nicht geschafft, Borussia Dortmund so herauszufordern."

So spricht die Konkurrenz meist nur über kommende Meister.

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