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Martin Harnik spielt seit 2011 beim VfB Stuttgart © imago

Ungeachtet der siebten sieglosen Partie wähnt Stuttgart das Leverkusen-Remis als Wende - und denkt an den Pokal.

Leverkusen - Fünf Minuten vor dem Abpfiff legte sich Fredi Bobic lautstark mit dem vierten Offiziellen Marcel Unger an, trat anschließend stinksauer mit voller Wucht gegen die Mannschaftsbank.

Zu diesem Zeitpunkt lagen die Nerven beim Sportdirektor des VfB Stuttgart blank, Bayer Leverkusen führte 2:1 gegen die Schwaben und nichts deutete auf eine Wende hin. (Spielbericht)

Als "Joker" Martin Harnik dann aber in der 89. Minute den Ball zum 2:2 (1:1)-Endstand über die Leverkusener Torlinie stocherte, jubilierten sowohl Bobic als auch der schon heftig in die Kritik geratene VfB-Trainer Bruno Labbadia, als hätten sie die deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal an einem Tag gewonnen.

"Da kam die ganze Erleichterung raus. Vor dem Pokal-Viertelfinale gegen Bayern München ist dieser Punkt ganz wichtig und gut für das Selbstvertrauen", berichtete Bobic anschließend mit normalem Pulsschlag mit Blick auf den kommenden Mittwoch (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER).

Bobic attackiert Referee

Seine Wut über Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer war aber immer noch nicht verraucht. 514795(DIASHOW: Der 20. Spieltag)

"Fußball ist ein körperbetontes Spiel, da muss man nicht körperlos spielen", kritisierte der Europameister den Unparteiischen, der seiner Meinung nach in der 47. Minute einen unberechtigten Strafstoß gegen die Gäste verhängt hatte.

"Es war ein normaler Zweikampf zwischen Serdar Tasci und Lars Bender", sagte Bobic zu der Szene, aus der das 1:2 durch Simon Rolfes resultierte. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Zoff über Elfer und Platzverweise

Dem widersprach Bayer-Trainer Robin Dutt ganz energisch: "Das war ein berechtigter Elfmeter. Tasci hatte keine Chance, an den Ball zu kommen."

Diskutiert wurden auch die beiden Platzverweise gegen Leverkusens Michal Kadlec, der wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte (63.) sah, und den Stuttgarter Cristian Molinaro, der nach einem unglücklichen Zweikampf mit Andre Schürrle in der Nachspielzeit sogar glatt Rot erhielt.

"Der Schiedsrichter hat einen unglücklichen Tag gehabt, weil er mit dem Schreiben nicht mehr hinterherkam", kommentierte Bobic süffisant den Auftritt Kinhöfers, der zu den beiden Platzverweisen noch sechs weitere Verwarnungen aussprach.

Labbadia erleichtert

Ungeachtet dessen freute sich Stuttgart nach zuvor vier Niederlagen am Stück über einen "gefühlten Sieg" (Christian Gentner) und Vizemeister Leverkusen ärgerte sich über eine "gefühlte Niederlage" (Daniel Schwaab).

Aufseiten der Gäste wirkte vor allem Labbadia an seiner ehemaligen Wirkungsstätte erleichtert, nachdem im Ländle bereits offen über seinen möglichen Nachfolger (Ralf Rangnick) gesprochen wird.

"Wir haben uns den Punkt redlich verdient", sagte der Stuttgarter Coach, der seine Mannschaft im Gegensatz zur 0:3-Pleite gegen Borussia Mönchengladbach kräftig durcheinandergewirbelt und damit am Ende Erfolg gehabt habt.

Schieber trifft erstmals

Und Labbadia ergänzte: "Wir sind sehr konzentriert aufgetreten und haben jeweils nach den Rückständen die Ruhe bewahrt und gut reagiert. Das war ein Schritt in die richtige Richtung."

"Bei uns waren heute Leidenschaft, Einsatz und Willen vorhanden. All die Eigenschaften, die man uns zuletzt abgesprochen hat", sagte auch der starke Gentner.

Julian Schieber, der mit seinem ersten Treffer für den VfB in der 23. Minute die Bayer-Führung durch Stefan Kießling (11.) egalisiert hatte, war ebenso zufrieden: "Auf diese Leistung können wir aufbauen, das müssen wir jetzt gegen die Bayern bestätigen."

Dutt umgarnt eigene Fans

Bei Bayer tat man sich in der Bewertung der 90 Minuten deutlich schwerer, zumal die Werkself im Kampf um die Europacupplätze nicht vom Fleck kommt.

"Ich bin mit der Leistung meiner Mannschaft sehr zufrieden", sagte Dutt, der sich vor dem Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund zudem bei den eigenen Fans bedankte.

"Sie haben heute honoriert, dass wir in Unterzahl alles gegeben haben", meinte der Bayer-Trainer in Anspielung an die Pfiffe nach dem 3:2 gegen den FSV Mainz 14 Tage zuvor.

Ballack friert draußen

Da hatte auch der Coach sein Fett wegbekommen, weil er Michael Ballack ausgewechselt hatte.

Gegen Stuttgart saß der ehemalige DFB-Kapitän nach einer turbulenten Woche zum zweiten Mal in Folge 90 Minuten auf der Bank.

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