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Lucien Favre war zwischen 2007 und 2009 Trainer bei Hertha BSC Berlin © getty

Lucien Favre wertet das Gladbacher Remis in Wolfsburg nicht als Rückschlag. Wolfsburg Träsch schöpft neues Selbstvertrauen.

Von Jakob Gajdzik und Jürgen Blöhs

Wolfsburg/München - Die Situation schien wie immer.

Als Marco Reus in der 69. Minute alleine auf den Wolfsburger Kasten zulief, schien es nur eine Frage von Sekunden, bis er jubelnd umdrehen und sich der traumhafte Gladbacher Siegeszug fortsetzen würde.

Doch Reus bugsierte den Ball neben das Tor und die Borussia erhielt beim 0:0 in Wolfsburg (Bericht) nach vier Pflichtspielsiegen in Folge einen kleinen Dämpfer. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Reumütiger Reus

"Ich habe das Tor nicht gemacht, das tut mir sehr leid für die Mannschaft", gab sich der Gladbacher Überflieger nach der Partie kleinlaut.

Dass er bei der Riesenchance auch noch seinen besser postierten Kollegen Mike Hanke übersah, machte die Angelegenheit doppelt bitter.

"Ich habe Mike Hanke nicht gesehen, ich wollte den Ball direkt rein machen. Daher kann ich mich auch nicht freuen. Weder über den Punktgewinn noch über die 40 Punkte", sagte Reus.

Auch Hanke selbst, der vor der Partie das Spiel der "Fohlen" noch mit dem des FC Barcelona verglich, hatte Pech, dass ihm ein Treffer wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung aberkannt wurde (36.). 514795(DIASHOW: Der 20. Spieltag)

Erstes Saisonziel erreicht

Dass in Mönchengladbach die 40 Punkte überhaupt zur Sprachen kamen, ist dem Beinahe-Abstieg in der vergangenen Saison geschuldet.

Somit wurde diese Marke vor der Saison als erstes Ziel ausgegeben - und ist nach etwas mehr als der Hälfte bereits erreicht.

Dass die Spieler sich mit dem mittlerweile so absurd scheinenden Thema Klassenerhalt überhaupt nicht auseinandersetzen, bestätigte Verteidiger Roel Brouwers.

"Das ist bei uns schon lange kein Thema mehr. Wir müssen so weitermachen, dann können wir das Wunder schaffen und uns für Europa qualifizieren", sagte der Niederländer.

Dante: "Platz drei oder vier realistisch"

Nur Dante schien nicht zu vergessen, wo die Borussia herkam: "Wir haben unser erstes Ziel erreicht - die 40 Punkte."

Dennoch träumt auch der brasilianischer Verteidiger von mehr, auch wenn die Meisterschaft ein wohl zu forsches Ziel ist: "Der dritte oder der vierte Platz ist realistisch. Neun Punkte auf Leverkusen sind schon ein schönes Polster."

Und obwohl die Gladbacher in Wolfsburg ein wenig ins Stolpern kamen, sollte man nicht vergessen, dass Gladbach mit sieben Punkten aus drei Spielen dennoch glänzend in die Rückrunde gestartet ist und trotz des weitgehend blassen Auftritts in der VW-Stadt weiter ganz oben mitmischt.

"Sind Sie verrückt?"

Das sah auch Trainer Lucien Favre so, der die Nachfragen, ob dieses Remis ein Rückschlag wäre, heftig dementierte. "Sind Sie verrückt?", entgegnete er entrüstet.

Zu bemängeln hatte der Schweizer dennoch etwas: "Ich bin mit dem 0:0 zufrieden, mit der Leistung nicht ganz. Wir haben zu oft durchs Zentrum gespielt und zu viele hohe Bälle. So waren wir zu leicht auszurechnen."

Immerhin: Die mit zwölf Gegentoren beste Defensive der Liga stand mal wieder sicher.

Dass die Gladbacher Himmelstürmer sich nicht wie gewohnt zur entfalten konnte, war allerdings auch einem verbesserten VfL Wolfsburg geschuldet.

Starke Wolfsburger Defensive

Die Niedersachsen überzeugten besonders in der Defensive und nahmen die "Fohlen" an die Leine.

"In der ersten Halbzeit waren wir nicht aggressiv genug und hatten zu viel Respekt. Mit der zweiten bin ich sehr zufrieden. Das Spiel war auf jeden Fall ein großer Schritt nach vorne", sagte folglich Wolfsburg Trainer Felix Magath.

Träsch schöpft Selbstbewusstsein

Ausdruck der hohen Konzentration war der Fakt, dass die Gastgeber Reus, Hanke und Co. 13 Mal ins Abseits laufen ließen.

Kapitän Christian Träsch schickte nach dem fünften ungeschlagenen Heimspiel in Folge gar eine Kampfansage an die Liga: "Ich bin sehr zufrieden, wenn wir so weitermachen, ist in dieser Saison noch mit uns zu rechnen."

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