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Holger Stanislawski ist seit 2011 Trainer bei 1899 Hoffenheim © getty

Nach dem Remis gegen Augsburg explodiert Hoffenheims Trainer - seine Spieler kriegen ihr Fett weg. Hinschmeißen will er nicht.

Sinsheim - Noch lange nach dem Schlusspfiff saß Holger Stanislawski in einer Mischung aus Winter- und Schockstarre auf seinem Trainerstuhl, gleich darauf kündigte der Coach eine Eiszeit im Verhältnis zu seinen Schützlingen an.

"Mit dem Streicheln und Tätscheln ist es vorbei. Der Zeitpunkt ist gekommen, an dem nichts mehr schönzureden ist", sagte Stanislawski nach der enttäuschenden Vorstellung von 1899 Hoffenheim (Bericht) beim 2:2 (1:1) gegen Aufsteiger FC Augsburg (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Obwohl sich der frustrierte Coach zum wiederholten Mal in Rage redete und die Verantwortung für den enttäuschenden Saisonverlauf übernahm, schloss er einen Rücktritt aus.

"Schmeiße nicht hin"

"Einknicken und aufgeben gibt es bei mir nicht. Ich bin nicht ohnmächtig, aber ich bin realistisch", sagte Stanislawski, dessen Team nur eines der vergangenen zehn Punktspiele gewonnen hat: "Es liegt am Trainer. Ich trage die Verantwortung. Aber ich schmeiße nicht hin, ich stelle mein Amt nicht zur Verfügung, dann wäre ich nicht Holger Stanislawski."

Der erst vor Saisonbeginn in den Kraichgau gewechselte Hamburger hatte zuvor den Abstiegskampf ausgerufen und anschließend seine Profis, die vier Spiele in Folge nicht gewonnen und zuletzt im Oktober 2011 einen Heimsieg gelandet haben, in die Pfanne gehauen.

"Stanis" mit gnadenloser Kritik

"Vom achten bis zum 18. Platz stecken die Mannschaften da drin", äußerte Stanislawski: "Wir sind auf dem achten Platz und gehören zu dem Klub, dessen Mitglieder nicht auf die letzten drei Plätze wollen."

Ohne die Namen seiner Stars Ryan Babel, Roberto Firmino und Sejad Salihovic konkret zu nennen, ging der Coach vor allem mit diesen Spielern gnadenlos ins Gericht.

Eigenbrötler am Werk

"Taktische Disziplin, Wege für einen Mitspieler zu machen, ist bei dem ein oder anderen nur wenig vorhanden. Der ein oder andere ist zu sehr auf sich fixiert. Da fehlt die Bereitschaft, sich dem System unterzuordnen. Der ein oder andere meint, ausscheren zu müssen", sagte Stanislawski.

Obwohl Hoffenheim am Mittwoch gegen den Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth die große Chance hat, zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte ins Halbfinale des DFB-Pokals einzuziehen, werden Babel, Firmino und Salihovic das Spiel nicht auf dem Platz erleben.

"Jetzt werden diejenigen, die die Bereitschaft haben, ihre Chance bekommen. Die haben vielleicht nicht die individuelle Qualität, aber den Leistungswillen", sagte Stanislawski: "Die anderen hatten genügend Chancen."

Mlapa mit dem Ausgleich

Obwohl vor allem die Kritik an Salihovic, der den Treffer von Peniel Mlapa (38.) vorbereitete und per Foulelfmeter selbst traf (51.), verwunderlich war, haute der Manager in die gleiche Kerbe wie der Coach 514795(DIASHOW: Der 20. Spieltag).

Laut Ernst Tanner hatten "einige Herren kein Interesse" an der vom Coach vorgegebenen Strategie. Tanner kündigte an, dass die Profis den Rest der Saison auf Bewährung spielen.

"Wir werden uns ein Bild davon machen, wer die Bereitschaft zeigt und wer nicht", erklärte der Manager.

1899 droht Zäsur

Damit droht dem Klub, der nach dem Willen von Mäzen Dietmar Hopp künftig sparen soll, nach den jüngsten Abgängen von Chinedu Obasi und Vedad Ibisevic im Sommer eine erneute personelle Zäsur.

"Stani" wird voraussichtlich nur in die nächste Saison gehen, wenn er den Kader nach seinen Wünschen zusammenstellen darf.

Zuschauer-Negativrekord

Dann werden möglicherweise auch wieder mehr Zuschauer ins Stadion kommen, die 22.500 Besucher gegen Augsburg bedeuteten Negativrekord.

Die Zuschauer sahen neben den Treffern der Gastgeber noch die Tore der Augsburger Sascha Mölders (31.) und Sebastian Langkamp (72.).

"Krampf statt Kampf"

Das Debüt von Neuzugang Srdjan Lakic, der in der 75. Minute eingewechselt wurde, ging angesichts der Hoffenheimer Misere unter. Das sah auch Torwart Tom Starke so:

"Das war wieder nur Krampf und Kampf. Wenn es wenigstens nur Kampf wäre, dann könnte man die Suppe, die wir verbrochen haben, noch nachvollziehen."

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