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Hertha-Trainer Michael Skibbe verlor die ersten drei Spiele mit seinem neuen Klub © getty

Nach der Pleite gegen 96 geht in Berlin die Angst vor einem Abstiegs-Deja-Vu um. Der Trainer flüchtet sich in Durchhalteparolen.

Berlin - Michael Skibbe mummelte sein verärgertes Gesicht tief in die warme Daunenjacke ein und stampfte kopfschüttelnd in die Kabine.

Drei Rückrundenspiele unter seiner Leitung, drei Niederlagen - der katastrophale Start bei Hertha BSC hat auch beim Daueroptimisten Skibbe Spuren hinterlassen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch nach wenigen Minuten hatte sich der enttäuschte Trainer wieder gesammelt, auf der Pressekonferenz war von Untergangsstimmung nichts zu spüren.

Durchhalteparolen bei Skibbe

Doch Skibbes Analysen wie "positive Ansätze gesehen" und "müssen das Glück erarbeiten" klangen wie Durchhalteparolen, die bei den Fans böse Erinnerungen an die Horror-Saison 2009/10 weckten.

Damals stieg die Hertha ab, und ein solches Schicksal droht dem Hauptstadtklub spätestens nach dem 0:1 (0:0) gegen Hannover 96 (Spielbericht) erneut.

"Deutlicher Fortschritt"

"Ich möchte überhaupt nichts schönreden, auf keinen Fall. Aber es war über weite Teile des Spiels eine gute Leistung meiner Mannschaft", sagte Skibbe: "Das war ein deutlicher Fortschritt gegenüber der Vorwoche, aber jetzt ist es an der Zeit, auch mal Punkte zu holen."

Dass ihm das als Nachfolger des in der Lügen-Affäre entlassenen Markus Babbel bislang noch nicht gelungen sei, fand der ehemalige DFB-Trainer "schade."

Schade - diesen harmlosen Ausdruck wird die wenig zimperliche Berliner Medienwelt in den kommenden Tagen sicher nicht verwenden, wenn sie Skibbes Fehlstart bewertet. 514795(DIASHOW: Der 20. Spieltag)

Preetz erwartet vernichtende Schlagzeilen

Manager Michael Preetz stellt sich moralisch auf vernichtende Schlagzeilen ein: "Das ist normal in Berlin." Der Trainer werde das aber problemlos wegstecken, meinte Preetz: "Er ist sehr erfahren, ist schon ein paar Jahre dabei. Ich glaube, er kennt das."

Doch auch Preetz sah die Mannschaft verbessert: "Das war eine deutliche Leistungssteigerung von uns. Wir wollten den Gegner früh stellen. Diese Maßnahme hat gefruchtet. Aber der Abschluss hat gefehlt."

Natürlich ist es noch zu früh, die Arbeit von Michael Skibbe seriös zu bewerten, zumal Hertha schon vor seinem Amtsantritt sechs Spiele in Serie nicht gewinnen konnte.

Angst vor Abwärts-Dynamik

Sollte der 46-Jährige aber auch das DFB-Pokal-Viertelfinale am Mittwoch gegen Borussia Mönchengladbach und das kommende Ligaspiel beim VfB Stuttgart verlieren, könnte sich eine Dynamik entwickeln, die nur noch schwer zu stoppen wäre. Dann dürfte es ungemütlich werden - für Skibbe und Preetz.

Der Manager machte in der öffentlichen Auseinandersetzung mit Babbel keine gute Figur - so wie schon in der Abstiegssaison bei der Trennung von Lucien Favre.

Da Preetz zudem vor zwei Jahren scharf dafür kritisiert wurde, dass er zu lange an Friedhelm Funkel festgehalten hatte, dürfte seine Geduld mit Skibbe nicht unendlich sein, allein schon aus Selbstschutz.

"Herzlich willkommen im Abstiegskampf"

Während sich die Berliner Verantwortlichen wenigstens den kritischen Fragen stellten, verschwanden die meisten Hertha-Profis wortlos in die Kabine.

Einzig der 21 Jahre alte Startelf-Debütant Alfredo Morales und Peter Niemeyer stellten sich. "Ich sag' nur: Herzlich willkommen im Abstiegskampf!", meinte Niemeyer: "Wir haben gerackert, und die haben uns mit einer Chance einen eingeschenkt."

Über die Heimschwäche sagte der Mittelfeldspieler: "Wenn wir zu Hause weniger Punkte holen als auswärts, ist mir das scheißegal, wenn wir am Ende trotzdem mit 40 Punkten drin bleiben."

Eigentlich hatte das "schwache Spiel auf unterem Bundesliganiveau" (96-Trainer Mirko Slomka) vor 36.997 Zuschauern im "Gefrierschrank" Olympiastadion keinen Sieger verdient gehabt, doch Hannovers Torjäger Mohammed Abdellaoue hatte etwas dagegen.

Mame Diouf mit klasse Einstand

Mit seinem satten Distanzschuss markierte er nicht nur sein elftes Saisontor, sondern auch den Siegtreffer (68.).

Die Vorlage zum Tor gab Neuzugang Mame Diouf, der zur Halbzeit eingewechselt wurde.

"Ich bin sehr glücklich, besser hätte mein Einstand kaum laufen können", sagte der Neuzugang von Manchester United. Nur eine Kleinigkeit hatte der Senegalese auszusetzen: "Es war ganz schön kalt."

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