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Arjen Robben erzielte in der bisherigen Saison fünf Treffer für Bayern München © getty

Zwei Bayern-Stars sprechen aus, was die Münchner nach dem Remis beim HSV umtreibt. Nerlinger weist Ribery in die Schranken.

Von Mathias Frohnapfel und Björn Huth

München/Hamburg - Karl-Heinz Rummenigge hatte die schützende Mütze auf der Haupttribüne tief ins Gesicht gezogen.

Dass der Vorstandsboss des FCB in Hamburg ebenso wie Präsident Uli Hoeneß litt, war ihm dennoch anzusehen. 514795(DIASHOW: Der 20. Spieltag)

Schon früh in der Rückrunde geht es für seinen Klub um sehr viel, der leidenschaftliche Jubel mit Hoeneß und Finanzchef Karl Hopfner nach Bayerns Ausgleich zum 1:1 veranschaulichte das.

Da die Münchner aber nach diesem Hoffnungsmoment in der 71. Minute keinen weiteren Treffer folgen ließen, blieb am Ende nach dem Remis beim Hamburger SV viel Ratlosigkeit (SPIELBERICHT: Bayern stehen im "Nichts") .

Olic fordert Steigerung

Hinzu gesellte sich die Erkenntnis, dass der Weg zum erhofften 23. Meistertitel in der Bundesliga extrem hart werden könnte. Denn die an Borussia Dortmund verspielte Tabellenführung schmerzte die Münchner ungemein (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Das reicht so nicht für die Meisterschaft", stellte Ivica Olic enttäuscht fest.

Der ehemalige Hamburger hatte die Führung durch Jacopo Sala ausgeglichen und versuchte, sein Team anschließend auch verbal wachzurütteln.

"Wir müssen schnell wieder auf das Niveau zurück, auf dem wir waren", forderte Olic.

"Das reicht nicht für die Spitze"

Steigerungsfähig war - ein weiteres Mal in der Rückrunde - besonders das Münchner Offensivspiel. 21 Torversuche produzierte die FCB-Abteilung Attacke zwar, doch Mittelstürmer Mario Gomez kam in der gesamten Spielzeit nur zu einem einzigen Abschluss.

"Die letzte Aktion hat uns gefehlt", sagte Arjen Robben bei LIGA total!.

Der Niederländer durfte sich selbst in diese Analyse eingeschlossen haben, er verlor mehr als zwei Drittel seiner Zweikämpfe, schloss zudem in einigen Situationen überhastet ab.

"Das reicht nicht für die Spitze", befand Robben nach dem ernüchternden Auftritt gegen den Tabellenelften.

Heynckes bleibt gelassen

Die Münchner müssen jetzt auf einen Fehler der Dortmunder warten, um die Tabelle wieder mit Vergnügen lesen zu können.

"Am liebsten ist man Spitzenreiter! Das ist doch logisch", reagierte Jupp Heynckes auf die neue Ausgangslage.

"Aber zum jetzigen Zeitpunkt bedeutet das meines Erachtens nicht allzu viel, ob man punktgleich ist oder ein, zwei Punkte hinterher hinkt. Die Saison ist noch sehr lang."

Vier Punkte aus drei Spielen

14 Spiele sind noch zu bestreiten, ehe der neue Schriftzug auf die Meisterschale graviert wird. Aus Heynckes' Sicht muss da "FC Bayern München" stehen, das sei nunmal der Anspruch an der Säbener Straße.

Doch die Bilanz mit vier Punkten aus drei Spielen im Jahr 2012 fällt mager aus.

Heynckes war immerhin "mit dem Engagement, mit der Einstellung und Konzentration meiner Mannschaft" einverstanden.

Wende bleibt aus

Dass die Bayern zum sechsten Mal in der Saison nach einem Rückstand nicht mehr die Wende zum Dreier schafften, wurmte ihn aber.

"Wir können nicht zufrieden sein, hätten das zweite Tor erzwingen müssen", meinte der 66-Jährige.

Diese Ansicht teilte auch Heynckes' "Lieblingsschüler" Toni Kroos, der wie einige Teamkollegen nicht seinen stärksten Tag erwischte.

"Wir waren spielerisch überlegen", sagte Kroos gegenüber SPORT1.

Kroos trotzig

Und mit Blick auf den schwarzgelben Rivalen meinte er mit einer Mischung aus Trotz und Selbstbewusstsein: "Ich habe das Spiel der Dortmunder gesehen und glaube, sie sind spielerisch nicht besser als Bayern."

Kroos fand sogar die Partie der Bayern in Hamburg "einen Tick besser als gegen Wolfsburg".

Seine Begründung: "Wir hatten mehr Tempo in unserem Spiel, haben relativ schnell nach vorne gespielt. Nur ganz vorne, am Strafraum, schaffen wir es nicht, die hundertprozentigen Chancen zu kreieren."

Die Bayern-Bosse dürften diese Bewertung mit Interesse hören, kommt doch jetzt mit dem DFB-Pokalviertelfinale in Stuttgart am Mittwoch das erste Alles-oder-Nichts-Spiel im neuen Jahr.

Nerlinger rügt Ribery

Sportdirektor Christian Nerlinger eilte nach der Partie in Hamburg rasch in Richtung Mannschaftsbus.

Zu Franck Riberys Kritik an der "Null-Einkaufspolitik" in der Winter-Transferperiode hatte er sich schon vorm Spiel geäußert.

"Es gilt, dass die Spieler sich auf das konzentrieren sollten, was sie am besten können - nämlich Fußball spielen", sagte Nerlinger bei LIGA total! knapp.

"Ich denke schon, dass hier Qualität im Kader herrscht!".

Die Bayern müssen allerdings das baldmöglichst zeigen, um so auf den steigenden Druck zu antworten.

Zufriedenheit beim HSV

Beim HSV ziehen sie dagegen Honig aus dem Punktgewinn gegen den Rekordmeister.

"Wir haben gut gestanden und haben ein ordentliches Spiel gemacht", befand Marcell Jansen.

Und Mladen Petric meinte gar: "Wir haben mit sehr viel Leidenschaft gespielt. Wir haben um jeden Ball gekämpft und das hat sich ausgezahlt. Wir haben so ziemlich alles besser gemacht als zuletzt."

Mit solch einer Analyse nach dem Pokalhit in Stuttgart wären bestimmt auch die Bayern glücklich.

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