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Herthas Peter Niemeyer ist nach der Niederlage gegen Hannover geknickt © getty

Die "Alte Dame" erlebt einen Abwärtstrend, der sich unter Skibbe noch verschärft hat. Neururer sorgt sich bereits um seinen Rekord.

Von Maik Rosner

München/Berlin - Die Zwischenbilanz ist frustrierend, die Prognosen sind düster.

Null Punkte und 1:5-Tore stehen für Trainer Michael Skibbe nach seinen ersten drei Spielen mit Hertha BSC zu Buche, abgerutscht sind die Berliner auf Tabellenplatz 15 (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Immerhin kommt kein weiterer Ausfall zu. Adrian Ramos hatte sich beim 0:1 gegen Hannover 96 (Nachbericht) zwar eine Prellung der Halswirbelsäule zugezogen.

Der Stürmer aus Kolumbien soll im Pokal-Viertelfinale gegen Borussia Mönchengladbach am Mittwoch aber einsatzbereit sein.

Gespräch mit dem Pfarrer

Es herrscht Krisenstimmung in Berlin. "Skibbe schon am Ende?", fragte die "BZ". "Alarm in der Hauptstadt! Hertha in der Skibbe-Krise", schrieb die "Bild".

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte viele übellaunig zusammengezogene "Zitronengesichter" gesehen und der "kicker" beobachtete Präsident Werner Gegenbauer, wie er nach dem Abpfiff lang mit Bernhard Felmberg sprach. Felmberg ist Pfarrer der Stadionkapelle.

Neururer der erfolgloseste Hertha-Trainer

Braucht es jetzt himmlischen Beistand für die "Alte Dame" Hertha, die nach neun Spielen ohne Sieg am Stock geht?

Beantworten kann das vielleicht einer, der eine noch schlimmere Krise mit den Berlinern erlebt hat.

Fünf Niederlagen setzte es, als Peter Neururer die Hertha 1991 übernahm. Am Ende stiegen die Hauptstädter sang- und klanglos ab.

"Ich war der erfolgloseste und chancenloseste Trainer aller Zeiten, der jemals bei der Hertha gearbeitet hat", sagt Neururer zu SPORT1.

"Ich möchte meinen Rekord behalten"

Doch jetzt wackelt sein sogenannter Negativrekord. Zwei Niederlagen fehlen noch, und Skibbe ist in dieser Disziplin gleichauf.

"Es kann gut sein, dass ich meinen Rekord loswerde", sagt Neururer ohne Anflug von Ironie, "aber ich möchte den Rekord behalten. Ich hoffe, dass er nicht geknackt wird."

Nicht nur um seiner Anekdote Willen, sondern auch wegen der Hertha und seines geschätzten Kollegens Skibbe.

[kaltura id="0_adv0v4vq" class="full_size" title="Hertha hofft auf die Wende"]

"Was Michael durchmacht, ist brutal"

"Was der Michael da mitmacht, ist brutal. Aber aus der Nummer wird er rauskommen. Schlechter als bei mir kann es ja gar nicht laufen", glaubt Neururer.

In Berlin werden allerdings schon düstere Szenarien entworfen, viele fühlen sich an die Abstiegssaison 2009/10 erinnert. Die Verantwortlichen versuchen zu beruhigen, doch wirklich überzeugend gelingt ihnen das nicht.

"Sein Start ist sicher unglücklich gelaufen", sagt Manager Michael Preetz über Skibbe, "aber wir werden jetzt zusammenstehen, uns gegen Einflüsse von außen immunisieren und die Ruhe bewahren."

Skibbes Maskenscherz

Der Trainer hofft auf die zuletzt fehlenden Andre Mijatovic und vor allem Raffael, die nun wieder zur Verfügung stehen. "Raffael wird dafür sorgen, dass wir bald besser dastehen", prophezeit Skibbe.

Am liebsten hätte der Trainer dem bislang gesperrten Brasilianer gegen Hannover "eine Maske übergestülpt" und ihn heimlich aufgeboten - was nicht gerade als Kompliment für die übrigen Offensivspieler durchgeht.

In Stuttgart, dann gegen Dortmund

Gegen Hannover stellten die Herthaner immerhin eine Steigerung fest. Doch Preetz und Skibbe wissen: "Wir müssen punkten."

Sonst ist Neururer seinen Rekord bald los - und Hertha dürfte auf einem Abstiegsplatz angekommen sein.

"Man darf nicht in Panik geraten"

Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering. Berlin muss am kommenden Samstag beim VfB Stuttgart antreten, danach kommt Meister Borussia Dortmund in die Hauptstadt.

Neururer findet: "Man macht in Berlin einen großen Fehler: Man schiebt dem Michael das Negative insgesamt zu. Es hat schon unter Markus Babbel damit angefangen, dass man sechs Spiele nicht gewonnen hat."

Neururers Empfehlung: "Man darf nur nicht in Panik geraten. Sonst kommt man in die gleiche Situation, in der ich damals war, also chancenlos zu werden."

"Ohnmächtig" habe er sich damals gefühlt, sagt der 56-Jährige, am hilfreichsten wäre "jetzt ein Glücksgefühl, indem man Gladbach schlägt".

Doch unabhängig davon gebe es jetzt nur noch eines, "was am Anfang der Saison auch angesagt war: Kampf um den Erhalt der Klasse."

"Andere sind eindeutig schlechter"

Aus Neururer spricht der "Feurwehrmann", als der er oft bezeichnet worden ist. Und als solcher weiß er natürlich auch, dass die Psychologie ein wichtiger Faktor sein kann.

Neururer verbreitet Zuversicht: "Andere Mannschaften sind eindeutig schlechter. Wenn sie die Füße stillhalten, werden sie auf jeden Fall die Klasse halten", sagt er über die Berliner.

Und Neururer erinnert: "Ein anderes Ziel hatten sie ja auch nicht."

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