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Tristesse pur: Ariel Borysiuk, Teammanager Roger Lutz und Trainer Marco Kurz (v.l.) © getty

Im Winter wurde groß aufgeräumt. Sportlich dümpelt Lautern weiter am Tabellenende herum. SPORT1 analysiert die Lage am "Betze".

Von Reinhard Franke

München - Meisterschaften werden über die Abwehr gewonnen, der Abstieg über den Sturm verhindert.

Wenn es nach dieser Abwandlung einer goldenen Regel des Fußballs ginge, wäre der 1. FC Kaiserslautern schon so gut wie mit einem Bein in der 2. Liga.

Nach dem enttäuschenden 0:1 gegen den 1. FC Köln (Bericht) sind die "Roten Teufel" nun schon seit zehn Spielen ohne Sieg, der letzte Dreier gelang der Mannschaft von Trainer Marco Kurz am 22. Oktober 2011 beim 1:0 zu Hause gegen Freiburg.

"Große Chance vertan"

Die Niederlage gegen die ebenfalls gefährdeten Kölner war ein herber Rückschlag im Abstiegskampf.

"Wir wollten durch ein sehr positives Auftreten das Publikum mitnehmen ? das ist uns von Beginn an nicht gelungen", sagte Kurz frustriert.

Und Christian Tiffert meinte im "kicker": "Wir haben eine große Chance vertan, uns hinten etwas abzusetzen."

Eklatante Sturm-Misere

Gegen Köln offenbarte die Abwehr nicht nur beim Gegentor Schwächen, doch das Hauptproblem bleibt die Offensive.

Das letzte Stürmer-Tor erzielte Adam Nemec am 17. Spieltag beim 1:1 gegen Hannover (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Der Tscheche ist aber nicht mehr da, wechselte in der Winterpause zum FC Ingolstadt. Die Sturm-Misere haben Verantwortlichen schon länger erkannt. Kein Wunder also, dass FCK-Präsident Stefan Kuntz in der Winterpause handelte.

Kuntz als "Magath light"

Es gab ein großes Kommen und Gehen wie selten zuvor in den letzten Jahren auf dem Betzenberg. Kalkül oder blinder Aktionismus? Kuntz entpuppte sich zu einem "Felix Magath light".

Fünf neue Spieler wurden geholt und acht Spieler abgegeben. Neu sind die Stürmer Jakub Swierczok, Sandro Wagner und Nicolai Jörgensen. Zudem kamen noch Mittelfeldspieler Ariel Borysiuk und Abwehrmann Anthar Yahia in die Pfalz.

Getrennt hat man sich von Stiven Rivic (Vertrag aufgelöst), Bilek (Polen), Clemens Walch (Dresden), Gil Vermouth (er wurde vor der Saison erst geholt), Ilian Micanski und Chadli Amri (beide FSV Frankfurt) und eben Nemec.

Was verwundert: Auch der Ex-Kapitän und Publikumsliebling Martin Amedick konnte gehen. Er schloss sich Zweitligist Eintracht Frankfurt an.

Neues Gesicht, altes Problem

Das Team zeigt teilweise ein neues Gesicht, zumindest von den Namen her, doch auf dem Platz war gegen Köln immer noch das alte zu sehen. Ängstlich, leidenschaftslos und vor dem Tor wie das Kaninchen vor der Schlange.

Das größte Manko konnten auch die neuen Stürmer Wagner, Jörgensen und Swierczok nicht abstellen. Kaiserslautern schießt nach wie vor zu wenig Tore. Nur 15 Treffer haben die Pfälzer bisher erzielt - die wenigsten in der Liga.

Zu allem Übel war auch noch Neuzugang Borysiuk gegen die "Geißböcke" der traurigste Mann des Abends. Wegen wiederholten Foulspiels quittierte der 20-Jährige schon vor der Pause Gelb-Rot 514795(DIASHOW: Der 20. Spieltag).

Borysiuk mit unglücklichem Debüt

Das Debüt des Zwei-Millionen-Manns hätte unglücklicher nicht sein können. Auch der andere neue "Rote Teufel" Yahia war nicht glücklich über seine Premiere im FCK-Dress.

"Es war ein wichtiges Spiel für unsere Mannschaft, für unseren Verein", so der ehemalige Bochumer, "wir hätten drei Punkte gebraucht und natürlich auch gerne geholt."

Verfolger machen Boden gut

Lautern bleibt Drittletzter vor Augsburg und Freiburg, die beide durch ihre Unentschieden am Wochenende Boden gut machen konnten. Der FCK gewinnt seine guten Spiele nicht, die schlechten verliert er.

Was bei den "Roten Teufeln" momentan fehlt ist der unbedingte Wille, sich gegen den drohenden Abstieg zu wehren.

Doch noch bleiben alle gelassen. Der Trainer sitzt weiterhin fest im Sattel. Panikmache ist nicht das Ding von Kuntz und Kurz. Kurzfristig wird es aber schwer, das Ruder herumzureißen

Schwere Spiele vor der Brust

Am Samstag geht?s zu den Bayern, dann kommt Borussia Mönchengladbach auf den Betzenberg. Danach muss die Kurz-Truppe zum Derby nach Mainz.

"Jetzt heißt es, den Kopf oben zu behalten und ruhig, aber sehr hart arbeiten", betont Yahia. Wohl wahr.

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