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David Jarolim wechselte 2003 vom 1. FC Nürnberg zum Hamburger SV © getty

Gefeiert, ausgemustert, wieder zurückgekämpft: HSV-Routinier David Jarolim spricht bei SPORT1 über seine Überlebenskünste.

Von Barnabas Szöcs

München - "Kugelblitz" Ailton hat es einigermaßen unbeschadet überstanden, Brigitte Nielsen konnte es sogar gewinnen.

Doch über Veranstaltungen wie das Dschungel-Camp, über das Schlucken von Maden und Körperkontakt mit glitschigen Amphibien kann HSV-Routinier David Jarolim nur schmunzeln.

Der Tscheche hat ganz andere Prüfungen überstanden.

In der Winterpause fast schon ausgemustert und vor dem Absprung, gehört der 32-Jährige vor der Partie beim 1. FC Köln (So., ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER) wieder zu den HSV-Leistungsträgern.

Dass im Fußball sehr schnell sehr "viel passieren" kann, weiß der Mittelfeldarbeiter, seit acht Jahren beim Bundesliga-Dino, nur zu gut.

Seine eigene Karriere-Achterbahnfahrt in dieser Saison hatte alles in sich - vom Stammspieler zum Auslaufmodell und zurück.

Bei SPORT1 spricht David Jarolim über seine Überlebenskünste, seinen neuen Höhenflug und den Einfluss von Trainer Thorsten Fink auf den Teamspirit.

Zudem wirft er einen Blick in die Zukunft.

SPORT1: Herr Jarolim, kurz vor dem Rückrundenstart galten Sie als ausgemustert und standen vor einem Wechsel. Doch in den letzten beiden Partien haben Sie 90 Minuten gespielt, gegen die Bayern wurden Sie in der Nachspielzeit ausgewechselt. Sind Sie ein Überlebenskünstler?

David Jarolim: Naja, das Dschungel-Camp würde ich schön überleben. Im Fußball kann viel passieren, das weiß man doch. An einem Tag bist du abgeschrieben, am nächsten wirst du plötzlich wieder gebraucht und bist in aller Munde. Ich freue mich einfach, dass ich jetzt wieder spielen kann. Das ist wichtig für mich. Und wenn wir dann noch Erfolg haben - was will ich mehr?

SPORT1: Von den Fans haben Sie sogar stehende Ovationen bekommen. Hätten Sie gedacht, so etwas im Hamburger Trikot nochmal zu erleben?

Jarolim: Vielleicht bei meinem letzten Spiel. Aber zum jetzigen Zeitpunkt sicher nicht. Das war ein tolles Gefühl für mich. Es hat mir gezeigt, dass es sich lohnt immer weiter hart zu arbeiten. Ich bin den Fans sehr dankbar dafür und kann versprechen, dass ich mich bis zum letzten Tag weiter reinhängen werde.

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SPORT1: Welche Bedeutung hatte der Punktgewinn gegen den FC Bayern für Ihr Team?

Jarolim: Der Punkt war wichtig. Noch wichtiger war aber, dass wir uns selbst gezeigt haben, was wir zu leisten im Stande sind. Ich denke, dass wir gegen die Bayern unser bislang bestes Saisonspiel gemacht haben. Wenn wir unser Potenzial ausschöpfen, können wir auch einer Spitzenmannschaft Paroli bieten. Jetzt ist entscheidend, dass wir so eine Leistung auch gegen Köln abrufen.

SPORT1: HSV-Trainer Thorsten Fink sagte, der Verein wollte Sie nicht gehen lassen, Ihnen den Weg aber auch nicht verbauen. Sind Sie mit ihrer aktuellen Situation zufrieden oder dominiert die Unsicherheit?

Jarolim: Es gibt und gab nie Unsicherheit. Für die Zeit nach meiner Karriere habe ich einen Anschlussvertrag beim HSV. Ich habe mit Frank Arnesen nur besprochen, dass er auch gültig bleibt, wenn ich vielleicht noch ein, zwei Jahre woanders Fußball spielen sollte. Wenn ich im Winter den Wunsch geäußert hätte, den Verein zu wechseln, hätte mir der HSV keine Steine in den Weg gelegt. Das ist alles. Ich bin geblieben und spiele jetzt wieder. Fertig.

SPORT1: Hat Thorsten Fink nach der sportlichen Talfahrt unter Michael Oenning die Wende beim HSV eingeleitet? Herrscht mit ihm ein anderer Teamgeist?

Jarolim: Thorsten Fink ist jetzt fast fünf Monate beim HSV. Wir müssen uns doch jetzt nicht mehr darüber unterhalten, was vor seiner Zeit hier passiert ist. Entscheidend ist, dass wir eine gute Stimmung in der Kabine haben und uns jeden Tag weiterentwickeln wollen. Der Trainer hat eine gute Ansprache und lebt uns vor, was er von uns erwartet. Ich bin sicher, dass das über einen längeren Zeitraum Früchte tragen wird.

SPORT1: Sie haben viele verschiedene Trainer beim HSV erlebt. Was ist das Besondere an Fink?

Jarolim: Er hat einen Plan. Er weiß genau, was für einen Fußball er spielen lassen will. An diesem Plan arbeitet er Tag für Tag im Training. Für eine Mannschaft ist es wichtig, vom Trainer ganz klare Vorgaben vermittelt zu bekommen.

SPORT1: Am Sonntag geht es zum 1. FC Köln, der drei Plätze über dem HSV steht, aber nur einen Punkt entfernt ist. Peilen Sie den ganz großen Sprung in die obere Tabellenhälfte an? Im Hinspiel gab es immerhin eine bittere 3:4-Heimpleite.

Jarolim: Ja, das war bitter. Da haben wir also noch eine Rechnung offen. Es wäre toll, wenn wir uns mit einem Sieg in die obere Tabellenhälfte absetzen könnten. Da waren wir ja noch gar nicht in dieser Saison...

SPORT1: Sicherlich ein reizvoller Kurs. Ist denn die Europa League ein Thema?

Jarolim: Darüber brauchen wir nicht zu reden. Von diesen Prognosen habe ich eh nie viel gehalten. Wir müssen sehen, dass wir unsere Spiele gewinnen. Dann kommt alles andere von selbst. Nach Dortmund waren wir schon in der Zweiten Liga, jetzt wieder kurz vor Europa. Das bringt keinem was.

SPORT1: Werden Sie dem HSV auch nach der Saison 2011/12 erhalten bleiben? Wollen Sie das überhaupt?

Jarolim: Ich bin selbst gespannt was in einem halben Jahr sein wird. Lassen wir uns überraschen.

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