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Holger Stanislawski trainierte vor Hoffenheim fünf Jahre den FC St. Pauli © getty

Nach dem Aus im DFB-Pokal gegen Fürth entlässt Hoffenheim den Coach. Nach SPORT1-Informationen wird Babbel sein Nachfolger.

Von Rainer Nachtwey

Sinsheim - Die Fans hielten ihre "Pro Stani"-Plakate hoch, die Spieler lobten das Verhältnis zum Coach, der Coach das Bemühen und den Willen der Spieler - genützt hat es dennoch nichts (516554DIASHOW: Das Viertelfinale).

1899 Hoffenheim hat die Konsequenz aus der Talfahrt der letzten Wochen mit dem Tiefpunkt Pokal-Aus gegen Zweitligist Fürth (Spielbericht) gezogen und sich von Trainer Holger Stanislawski getrennt.

"Die jüngsten sportlichen Entwicklungen waren hierfür ausschlaggebend", begründete Manager Tanner die Entlassung des Publikumslieblings.

Es sei im Interesse aller Beteiligter, ließ Tanner per Pressemitteilung verlauten.

Dabei hatte Stanislawski noch nach dem 2:2 gegen Aufsteiger Augsburg (Bericht) getönt: "Einknicken und aufgeben gibt es bei mir nicht. Ich schmeiße nicht hin, ich stelle mein Amt nicht zur Verfügung, dann wäre ich nicht Holger Stanislawski."

Babbel übernimmt

Nach SPORT1-Informationen übernimmt der ehemalige Berliner Trainer Markus Babbel Stanislawskis Posten.

Babbel wird am Donnerstagabend einen Vertrag unterzeichnen, am Freitag offiziell vorgestellt und am Samstag gegen Bremen bereits auf der Bank sitzen.

Kritik von Hopp

Stanislawskis Entlassung hatte sich in den letzten Tagen angebahnt. Nach nur einem Sieg aus den letzten zehn Spielen hatte Mäzen Dietmar Hopp Stanislawski scharf kritisiert. (EINWURF: Scheitern mit Ansage)

"Es ist schwer, eine Linie zu erkennen. Bei Ralf Rangnick war zu sehen, dass er ein Pressing spielte ", verglich Hopp den Coach mit einem seiner Vorgänger.

[kaltura id="0_33nta706" class="full_size" title="Stani muss gehen"]

Stanislawski lobt Mannschaft

Stanislawski hatte noch am späten Abend nach dem Pokal-Aus gegen Fürth trotzig reagiert: "Was in den Zeitungen geschrieben und was alles so gesagt wird, ist mir egal."

Vielmehr stellte er die Vorzüge der Mannschaft heraus, nachdem er sie nach dem Augsburg-Spiel noch angegriffen hatte: "Ich bin stolz auf die Jungens. Sie haben alles abgerufen und sind marschiert ohne Ende. Ich kann niemandem einen Vorwurf machen."

Starke stärkt Stanislawski

Torwart Tom Starke versuchte Stanislawski den Rücken zu stärken: "Trainer und Mannschaft sind eine Einheit", hatte er nach der Niederlage gesagt.

Vielmehr ging er auf die Verantwortlichen los. "Wenn Sie wüssten, was hier los ist im Verein, das ist nicht normal", sagte der Keeper zu den Journalisten, schränkte aber sofort ein: "Ich muss aufpassen, was ich sage. Ich bin Angestellter bei Hoffenheim."

Leistungsträger verkauft

Stanislawski war im Sommer von St. Pauli in den Kraichgau geholt worden, um das Image der "grauen Maus" Hoffenheim wieder aufzubessern und an die Zeiten anzuknüpfen, als 1899 in der Saison 2008/09 als Aufsteiger die Bundesliga verzauberte.

Die Leistungsträger von einst sind großteils verschwunden. Carlos Eduardo wurde im Sommer 2010 zu Rubin Kasan transferiert, Demba Ba und Luiz Gustavo verließen das Kraichgau in der Winterpause 2010/2011, Chinedu Obasi und Vedad Ibisevic wechselten in der vergangenen zu Schalke bzw. Stuttgart.

"Alle wussten doch, was uns erwartet", sagte Tanner zu den Abgängen. "Dass uns Chinedu Obasi und Vedad Ibisevic wahrscheinlich verlassen würden, war schon im Sommer abzusehen. Da muss man sich drauf einstellen."

Hopp hofft auf acht Jahre

Stanislawski war auch nach Hoffenheim geholt worden, um dort etwas Neues aufzubauen.

"Seine Handschrift wird uns noch guttun", hatte Hopp im Ende Januar noch erklärt, "ich hoffe, Stani ist in acht Jahren noch hier."

Nach jener Aussage wurden es gerade einmal zehn Tage.

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