Sein Rauswurf überrascht wenig - nicht nur wegen der sportlichen Bilanz. Stanislawski hat im Kraichgau nicht funktioniert.

Holger Stanislawskis Rauswurf bei 1899 Hoffenheim verwundert kaum (Bericht: Stanislawski gefeuert).

Zu wenig passte der Trainer mit dem Kult-Status aus launischen St.-Pauli-Zeiten seit seinem Amtsantritt im Sommer in den beschaulichen Kraichgau.

Zu wenig - und vor allem das muss sich Stanislawski selbst ankreiden neben der schwachen Bilanz von nur einem Sieg aus den vergangenen zehn Spielen - entfachte er bei dem im Tabellen-Niemandsland dümpelnden Verein wieder Euphorie (DATENCENTER: Bundesliga).

Vielleicht war das auch unmöglich angesichts der noch immer wehmütig erinnerten Glanzzeiten nach dem Aufstieg 2008, als das die Liga begeisternde Projekt Hoffenheim den Etablierten mit erfrischendem Offensivfußball zusetzte, ehe davon nur noch ein lahmes Vehikel übrig blieb.

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Womöglich waren die Erwartungen an Stanislawskis charismatische Strahlkraft schlichtweg zu groß.

Das Pokal-Aus nun gegen Zweitligist Greuther Fürth war nur noch der vielzitierte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte (Spielbericht).

Zumal Klub-Mäzen Dietmar Hopp den Coach vorher angezählt und ohne Wenn und Aber den ersten Halbfinaleinzug verlangt hatte.

Schon vorher wurde offenbar, dass "Stani" dem einstigen Retortenklub keine neue Aufbruchsstimmung würde einimpfen können.

Was auch daran lag, dass der 42-Jährige zu wiederholend haderte über schwache Einstellung und fußballerische Ausführung seiner Profis, für die schließlich er als Coach verantwortlich zeichnete ("Wie im Amateurfußball. Wobei, da tue ich den Amateuren Unrecht ...").

Bisweilen deutete Stanislawski auch an, die Brocken hinzuschmeißen, um genau das tags darauf dann wieder zu entkräften.

Zum anderen liegt das Scheitern aber wohl auch im persönlichen Zusammenspiel mit Hopp und Manager Ernst Tanner begründet: Trainer und Klub-Führung wirkten nie wirklich synchron.

Auch weil es den Anschein hat, als stünden betriebswirtschaftliche Ziele dem Sportlichen stets übergeordnet.

Dass war bereits bei Ralf Rangnicks Trainer-Abgang Anfang 2011 so, als die Gallionsfigur des Hoffenheimer Erfolgsmodells hinwarf, weil Hopp wenig dafür tat, dem vom FC Bayern gelockten Luiz Gustavo das Bleiben schmackhaft zu machen.

Mittlerweile erscheint das Konstrukt 1899 Hoffenheim poröser denn je, nachdem die Begeisterung schon lange futsch ist, die Außendarstellung bisweilen tölpelhaft und das Portfolio der Offensivstars um das ehemals gefürchtete Trio Demba Ba, Chinedu Obasi nun durch Vedad Ibisevics Abgang vollends aufgelöst .

Umso bitterer, dass nach dem gescheiterten No-Name-Trainer-Experiment Marco Pezzaiuoli nun mit Stanislawski einen Mann das Aus ereilt hat, der neben dem Fachlichen auch das seit langem vermisste Charisma eines echten Chefs mitgebracht hatte.

Umsetzen konnte er es nicht.

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