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Arjen Robben wechselte 2009 von Real Madrid zum FC Bayern München © imago

Heynckes' Pokal-Rotation lässt den Star plötzlich wackeln. Bayern spielt das Thema herunter, doch Konflikte sind programmiert.

Aus Stuttgart berichtet Christian Paschwitz

Stuttgart - Auch nach Abpfiff zog Arjen Robben die rote Mütze tief in die hohe Stirn.

Den Kragen seiner wattierten Thermojacke hatte der Starspieler des FC Bayern hoch aufgestellt.

Die Arme nach wie vor verschränkt, als er sich nach dem 2:0 (1:0)-Halbfinaleinzug beim VfB Stuttgart von der Ersatzbank erhob und schnell in Richtung Kabine stapfte. (Nachbericht und 516554Bilder)

Wegen der minus sechs Grad Kälte, natürlich. (DATENCENTER: Das DFB-Pokal-Viertelfinale)

Robbens lustloses Aufwärmprogramm

Dass Robben mit zu einem schmalen Schlitz verkniffenen Lippen das Weite suchte und sich danach auch jedes Statements enthielt, hatte wohl aber auch mit seiner Ausbootung für die Startelf zu tun als denn ausschließlich mit der Witterung.

Frust im Frost: Jupp Heynckes hatte Robben erstmals in dieser Saison auf die Bank gesetzt.

Was den niederländischen Vizeweltmeister sichtlich ärgerte. Was man wiederum auch aus seinem laxen Aufwärmprogramm ableiten konnte.

Müller wieder auf Rechtsaußen

Weil Toni Kroos als Zehner hinter den Spitzen zurückkehrte, verschob der Bayern-Coach dafür den dort zuvor eingesetzen Thomas Müller auf Rechtsaußen.

Und damit auf eigentlich Robbens Position. Für den deshalb plötzlich kein Platz mehr blieb im Offensiv-Schema des Rekordmeisters.

Zumal für Heynckes auf dem linken Flügel Franck Ribery ebenso gesetzt ist wie ganz vorne Torjäger Mario Gomez.

Heynckes: "Ich musste reagieren"

"Nach dem Start in die Rückrunde musste ich reagieren", hatte Heynckes zuvor in Anspielung auf die durchwachsenen Leistungen in den vergangenen drei Spielen über Robben gesagt.

Der Coach suchte dabei den Eindruck eines Konflikts um den Exzentriker, der auf der Bank wenig amüsiert wirkte, zu zerstreuen: "Ich hätte vorne jeden wegnehmen können, die haben alle nicht so gut gespielt."

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Wie auch Sportdirektor Christian Nerlinger meinte: "Manchmal muss man auch mal einen Hochkaräter opfern."

Wohl auch gegen Lautern draußen

Dass der exzentrische und nicht unbedingt als ganz großer Teamspieler geltende Robben die Entscheidung jedoch so einfach akzeptiert, sei mal dahingestellt.

Die kommenden Tage könnten einigen Zündstoff bergen.

Denn Heynckes hat wenig Grund, für die anstehende Bundesliga-Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) erneut etwas zu ändern an seiner Formation, die nach Schweinsteigers Auswechslung auf dem Rasen stand (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Es ist davon auszugehen, dass Heynckes gegen die nicht als offensivstark bekannten Lauterer mit David Alaba auf der "Sechser"-Position plant, anstatt auf Anatoliy Tymoshchuk zu setzen.

Spannende Frage also, ob sich Robben abermals in die Rolle des Bankdrückers und Reservisten fügt oder aufmuckt.

[kaltura id="0_9l2fi1ix" class="full_size" title="Strunz analysiert Robbens Spiel"]

Kroos als Zehner klar gesetzt

Rein sportlich müsste Heynckes diesmal nichts umstellen. Ganz im Gegenteil:

Will er sich selbst treu bleiben, lässt er gegen die Pfälzer auf rechts erneut Müller ran, der gegen Stuttgart stark spielte, überdies die beiden Torvorlagen für Ribery (30.) und Gomez (46.) gab.

Kroos, wie Müller ebenfalls wieder auf seiner Lieblingsposition angelangt, scheint als Spielmacher ohnehin endgültig gesetzt nach zuvor eher unscheinbaren Auftritten im defensiven Mittelfeld.

Getrübte Vaterfreuden

Wo also soll Robben hin, der am vergangenen Sonntagabend einen schwachen Auftritt beim Hamburger SV (1:1) hinlegte, während seine Frau Bernadien im fernen München einen kleinen Jungen namens Kai zur Welt brachte?

Die Vaterfreuden des Ehrgeizlings von Weltklasse-Anspruch sind getrübt durch die Aussicht, dass Heynckes auf große Namen ab sofort keine Rücksicht mehr nehmen mag.

Nachdem Kritiker wie auch SPORT1-Experte Mario Basler unlängst gefordert hatten: "Robben muss raus!"

Das Leistungsprinzip des Fußball-Lehrers macht nun auch vor einem niederländischen Viezeweltmeister nicht mehr Halt, der im Herbst gegen Dortmund (0:1) selbst nach einer mehrwöchigen Verletzung noch von Beginn an ran durfte.

Müller: "Er ist ja nicht weg"

Bei den Bayern versucht man, den Trend und die Verbannung des Superstars herunterzuspielen:

"Nur weil Arjen nicht gespielt hat, ist er ja jetzt nicht weg oder verkauft", meinte Müller.

Während Nerlinger süffisant ergänzte: "Diesmal hat sich Heynckes gegen Robben entschieden. Mal sehen, wer es am Samstag ist. Arjen ist sehr enttäuscht, ganz klar. Aber damit müssen die Spieler umgehen können. Man darf das nicht dramatisieren. Es ist normal, dass hochkarätige Spieler auf der Bank sitzen, wenn alle fit sind."

Normal wäre es auch, die in Stuttgart bestens funktionierende Achse Müller, Kroos, Ribery und Gomez nicht so einfach wieder auseinander zu brechen.

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