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Manuel Friedrich (r.) wechselte im Juli 2007 von Mainz nach Leverkusen © getty

Bei SPORT1 spricht Bayer-Verteidiger Manuel Friedrich über den schwachen Rückrundenstart, Michael Ballack und Barcelona.

Von Thorsten Mesch

Leverkusen - Es sind reizvolle Aufgaben, die Bayer Leverkusen in den kommenden Tagen zu bewältigen hat.

Am Samstag gastiert die Werkself bei Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER), am folgenden Dienstag kommt der FC Barcelona zum Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League in die BayArena (DATENCENTER: Das Achtelfinale).

Von Vorfreude kann bei Manuel Friedrich und Co. aber keine Rede sein.

Schwacher Start sorgt für Unruhe

Zu sehr nagt der schwache Start in die Rückrunde und das Theater um Michael Ballack an den Bayer-Profis (BERICHT: Die rheinische Eiszeit geht weiter) .

"Die Ergebnisse sind eindeutig zu wenig, um oben dran zu bleiben", sagt Abwehrspieler Friedrich bei SPORT1 und fordert, endlich mit dem Punktesammeln anzufangen.

Im SPORT1-Interview spricht er über den harten Kampf um die Stammplätze bei Bayer, die Situation um Michael Ballack und das zweifelhafte Vergnügen, gegen Barca zu spielen.

SPORT1: Bayer hat nur einen Sieg aus den letzten fünf Spielen geholt. Für die Ansprüche eines Vizemeisters zu wenig, oder?

Manuel Friedrich: Die Ergebnisse sind nicht befriedigend und eindeutig zu wenig, um oben dran zu bleiben. Wir müssen jetzt so viele Punkte sammeln, wie es nur irgendwie geht, damit wir am Ende einen internationalen Startplatz erreichen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

SPORT1: Zuletzt hat Bayer häufig Punkte liegen lassen. Woran lag das?

Friedrich: Im Moment bekommen wir dumme Gegentore und machen vorn zu wenig aus unseren Chancen. Es gibt im Fußball Phasen, in denen es einfach nicht so funktioniert. Wir arbeiten aber daran, die Fehler abzustellen. Mehr können wir nicht machen.

SPORT1: Zu Beginn der Saison saßen Sie noch auf der Bank. Jetzt spielen Sie zusammen mit Daniel Schwaab. Wie läuft es im Abwehrverbund?

Friedrich: Im Moment bilden Daniel und ich die Innenverteidigung, aber Ömer Toprak und Stefan Reinartz können auf dieser Position auch ohne Probleme spielen. Wenn man international dabei ist, braucht man vier gute Innenverteidiger, und die haben wir. Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Morgen kann sich alles schon wieder ändern.

[kaltura id="0_a57jsdxs" class="full_size" title="Dortmund erwartet harten Brocken"]

SPORT1: Wie schnell sich die Dinge ändern, haben Sie am eigenen Leib erfahren. Sie waren nach einer schweren Schulterverletzung im vergangenen März lange außen vor, nun sind Sie wieder mitten drin. Können Sie mit Ihrer Routine den jüngeren Kollegen helfen?

Friedrich: Klar habe ich im Gegensatz zu unseren jungen Spielern mehr Erfahrung. Die kann man nicht einfach antrainieren. Trotz allem halte ich eine gesunde Mischung aus alt und jung für nicht verkehrt. Die haben wir. Den Rest muss der Trainer entscheiden.

SPORT1: Robin Dutt hat sich zuletzt häufiger entschieden, Michael Ballack nicht spielen zu lassen. Ist Ballack aber nicht gerade am Samstag in Dortmund oder gegen Barcelona jemand, der mit seiner großen Erfahrung der Mannschaft helfen könnte?

Friedrich: Gegen Stuttgart (Bericht) hatte der Trainer das für ihn in dieser Saison seltene "Problem", dass er ein Überangebot an Spielern hatte. Jetzt ist einer wieder verletzt (Sidney Sam, Anm. d. R.), ein anderer hat eine Gelb-Rote Karte gesehen (Michal Kadlec, Anm. d. R.). Man braucht nicht nur elf Spieler, die eine Saison durchspielen, sondern mindestens 14 bis 18 Spieler, die zu einer Mannschaft gehören.

SPORT1: Dennoch wird Ballack wohl vor allem zu den ersten Elf gehören wollen.

Friedrich: Jeder hat die Entscheidungen des Trainers zu akzeptieren und muss sich weiter anbieten. Es war für mich nicht einfach, plötzlich die dritte oder vierte Geige zu spielen. Aber man muss lernen, damit umzugehen und lernen, dass man trotzdem wichtig für die Mannschaft sein kann. Man ist es den anderen schuldig, im Training weiter Gas zu geben, um die Konkurrenzsituation weiter aufzubauen.

SPORT1: Wie sehen Sie Ballacks Situation?

Friedrich: Wenn Balle momentan nicht die erste Geige spielt, ist er in der Pflicht, sich so aufzudrängen, damit der Trainer nicht mehr an ihm vorbei kann. Das tut er, das muss jeder andere Spieler auch machen. Vielleicht steht Michael ja am Wochenende auf dem Platz. Das weiß nur der Trainer.

SPORT1: An Lars Bender kommt Robin Dutt nicht vorbei. Wie wichtig ist er für die Mannschaft, gerade auch in einem Spiel wie dem in Dortmund?

Friedrich: Er ist ein Superjunge, der trotz seiner Jugend der Mannschaft auf dem Platz enorm weiterhilft. Es ist überragend, was er bei uns noch einmal für einen Sprung gemacht hat. Für mich ist er echt ein Phänomen.

SPORT1: Zum Samstag: Lars? Zwillingsbruder Sven ist verletzt, Mario Götze fehlt immer noch. Ist Dortmund auch deshalb schwer zu greifen, weil sie kompakt als Mannschaft auftreten und nicht von einzelnen Stars leben?

Friedrich: Das wollen sie auch gar nicht. Wie ich Kloppo kenne, sind Ausflüchte in irgendwelche Personalien das letzte, was er sucht. Sie lamentieren nicht, haben super Fußballer und eine starke Mannschaft. Aber es gibt an jedem Tag irgendeinen Ansatzpunkt, an dem man einen Gegner packen kann. Und den werden wir bis Samstag finden. Wir gehen mit einem gesunden Selbstbewusstsein in das Spiel. Ich glaube nicht, dass wir uns verstecken müssen.

SPORT1: Am Dienstag geht es dann gegen Barcelona. Hätten Sie sich lieber einen anderen Gegner gewünscht?

Friedrich: Auf der einen Seite freuen wir uns, dass wir ins Achtelfinale gekommen sind und gegen Barcelona spielen. Auf der anderen Seite wäre die Wahrscheinlichkeit, gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner weiterzukommen, höher als gegen Barca.

SPORT1: Kribbelt es schon, wenn Sie an Barca denken?

Friedrich: Bei mir kribbelt noch gar nichts. Bei mir kribbelt es erstmal, dass wir gegen Dortmund spielen. Das ist schön genug (lacht).

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